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KYC, BaFin und Co.: Lizenzierungen gewinnen auf dem Kryptomarkt an Bedeutung

Zukünftig wird der Kryptomarkt für Broker und Börsen stärker von Lizenzierungen und Zertifizierungen geprägt sein. Der Wunsch nach einer staatlichen Regulierung des Kryptomarktes wächst und damit auch die Entwicklung von allgemeingültigen Qualitätskriterien, die für Anbieter und Nutzer wichtig werden können. Die Akteure der Kryptoszene werden künftig trotz der Dezentralisierung von Kryptowährungen stärker auf dem Prüfstand stehen und mittelfristig könnte auch der wirtschaftliche Erfolg davon abhängen, welchen Regulierungsmaßnahmen die Akteure sich beugen und welche Prüfungen sie durchlaufen.

von Aschendorff Medien

Foto: Pixabay.com

Qualitätskriterien werden für Trader relevanter

Die Zahl an Dienstleistern in der Kryptoszene wird immer größer. Mit immer neuen Börsen, Brokern und Exchange Plattformen platzieren sich stetig neue Akteure auf dem Markt. Für Trader und Anleger wird es deshalb immer wichtiger, aus der Vielzahl an Angeboten den richtigen Partner auszuwählen.

Auf vielen unabhängigen Portalen finden Interessierte bereits jetzt schon einen Krypto Broker Vergleich oder eine Übersicht über die zur Verfügung stehenden Krypto Börsen inklusive einer Bewertung ihrer Dienstleistungen. Hierfür werden Qualitätskriterien definiert, die vor allem im Hinblick auf die Renditemöglichkeit, die Sicherheit und die Angebotsvielfalt für Nutzer interessant sind. In Zukunft werden neben unabhängigen Bewertungen aber auch allgemeingültige Zertifizierungen und Lizenzen zunehmend eine Rolle spielen, die den Kryptomarkt in regulatorische Bahnen lenken und damit für die Verbraucher transparenter gestalten.

BaFin möchte künftig stärker eingreifen

Die zahlreichen Gründungen von Krypto-Unternehmen in den vergangenen Jahren haben nicht zuletzt die BaFin, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, auf den Plan gerufen. Mittlerweile wurden Kryptowerte in die Regularien aufgenommen. Und digitale Währungen wie der Bitcoin wurden als Finanzinstrumente eingestuft. Damit bedarf es für den gewerblichen Handel mit digitalen Währungen eine Erlaubnis, eine BaFin-Lizenz. Wer ohne eine solche Lizenz Kryptowährungen für Dritte verwaltet, vermittelt oder speichert, macht sich strafbar. Wer jedoch eine Kryptowährung einzig als Ersatzwährung nutzt und beispielsweise mit Bitcoin eine Rechnung begleicht, benötigt keine Erlaubnis von der BaFin. Auch können Geschäftsleute Kryptowährungen ohne BaFin-Lizenz ganz unproblematisch als Zahlungsmittel für Waren und Dienstleistungen annehmen. Denn bei dieser Art der Transaktion handelt es sich nicht um ein Bankgeschäft oder eine Finanzdienstleistung, die der Erlaubnispflicht unterliegt. Problematischer wird es jedoch bereits, wenn sich beispielsweise ein Unternehmen nicht direkt mit einer Kryptowährung bezahlen lässt, sondern ein Paymentanbieter zwischengeschaltet ist. Besitzt der Paymentanbieter keine BaFin-Lizenz, kann auch der Unternehmer in Schwierigkeiten geraten.

Foto: Pixabay.com

KYC-Regularien finden bereits Anwendung

Know Your Customer (KYC) ist ein Prinzip, das in der Wirtschaft und in der Finanzwelt bereits jetzt vielfach eingesetzt wird, um Authentifizierungen und Verifizierungen vorzunehmen und damit ein Höchstmaß an Sicherheit zu bieten. Illegale Aktivitäten und Transaktionen sollen mit dem KYC-Prozess unterbunden werden. In Deutschland basiert KYC auf der 3., 4, und 5. EU-Geldwäscherichtlinie als zentraler Rechtsgrundlage. Relevant sind die Vorschriften unter anderem für Banken, Kreditgenossenschaften, Broker und Vermögensverwaltungsfirmen sowie für private Kreditgeber, Kreditplattformen sowie Fintech-Apps in Abhängigkeit von ihren genauen Aktivitäten. Auch Organisationen und politisch exponierte Personen müssen eine Sorgfaltspflicht im Sinne des KYC-Verfahrens einhalten.

Da Kryptowährungen sich in der Vergangenheit als ausgesprochen geeignet für Straftaten wie Geldwäsche erwiesen haben, wurde auch ihre Regulierung mittels der KYC-Vorschriften bereits verschärft. Bestimmte Gremien wie die Europäische Zentralbank legen fest, welche Transaktionen im Einzelnen nach den KYC Vorschriften überwacht werden. Bei Kryptowährungen kommen sie immer häufiger zum Einsatz. Daher verlangen viele Krypto-Börsen und Handelsplattformen mehr personenbezogene Daten von den Kunden und schränken Transaktionen ein, die nicht mit einer verifizierten Identität durchgeführt werden bzw. durchgeführt werden können. Die KYC-Maßnahmen für Kryptowährungen sollen illegale Nutzungen verhindern und es ermöglichen, Transaktionen zurückzuverfolgen, die auf eine Straftat hindeuten.

AML-Richtlinien sind auch für die Kryptoszene relevant

Im Zusammenspiel mit den Anti-Geldwäsche-Richtlinien, den AML-Richtlinien, soll das KYC-Konzept ein Schlüssel für die Einführung verstärkter Kontrollen und der Vereinfachung von Transaktionen bei gleichzeitig erhöhter Sicherheit werden. Mit AML5 wurde festgelegt, dass Krypto-Börsen und -Plattformen den Compliance-Verpflichtungen zur Überprüfung der Identität ihrer Kunden nachkommen müssen. Mit AML6 sollen Straftaten, die mit Identitätsbetrug in Verbindung stehen, verstärkt reguliert werden. Auf diese Weise soll die Krypto-Sicherheit erhöht werden.

Warum stärkere Regularien die Kryptoszene bereichern können

Der Kryptowährungsmarkt ist tendenziell dezentral und unabhängig. Darüber hinaus gilt er als ausgesprochen liberal. Dies hat allerdings nicht nur Vorteile, sondern weckt ebenso Misstrauen bei den Verbrauchern und macht digitale Währungen anfällig für Missbrauch. Die unabhängige Kryptoszene in ein stärkeres Korsett aus Regularien zu pressen, kann daher für eine erhöhte Sicherheit und Allgemeintauglichkeit von Vorteil sein. Und es wäre schließlich schade, wenn die Kryptowährungen aufgrund mangelnder Regulationen ihr Potential vergeuden. Denn letztendlich können Bitcoin und Co bei einer besseren allgemeinen Akzeptanz vieles vereinfachen und schneller werden lassen.

Da es in Bezug auf Kryptowährungen bisher nur wenige Big Player gibt, die den Markt beherrschen, kann dieser besonders leicht manipuliert und missbraucht werden. Zudem gibt es für die Manipulatoren noch immer die Möglichkeit, sich hinter ihrer Anonymität zu verstecken. Es geht daher nicht, wie von Kritikern verstärkter Regularien oft bemängelt, um die Beschneidung von Freiheiten, sondern darum, Chaos zu verhindern und die digitalen Währungen durch verbesserte Alltagstauglichkeit wirklich jedem zugänglich zu machen.

Damit der Markt aber tatsächlich besser reguliert wird, dürfen sich diese Regularien natürlich nicht nur auf Deutschland oder Europa beschränken. Es muss weltweit verstärkte Kontrollen geben. Denn die Technologie hinter den digitalen Währungen kennt keine Grenzen.

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