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Hohe Verwaltungskosten

Mischfonds: Plus an Sicherheit kostet wertvolle Rendite

München (dpa/tmn)

Kritiker werfen Mischfonds vor, weder Fisch noch Fleisch zu sein und darüber hinaus zu teuer. Warum die Fonds für manche Anleger trotzdem die richtige Wahl sein können.

Von Sandra Ketterer, dpa

Anleihen, Immobilien, Aktien: Mischfonds investieren in verschiedene Anlageklassen, um die Risiken zu streuen. Foto: dpa-infografik GmbH/dpa-tmn

Aktien für sich genommen klingen zu spekulativ? Rentenfonds dagegen sicherer und wie war das noch einmal mit Edelmetallen und Immobilien? Gerade für Kleinanlegerinnen und Kleinanleger kann die Fülle an Anlagemöglichkeiten verwirrend sein. Viele setzen zudem auf Sicherheit und scheuen Investitionen in den Aktienmarkt. Ein Fonds, der mehrere Anlagemöglichkeiten kombiniert, klingt für sie vielleicht attraktiv. Viele Experten sind aber skeptisch.

«Bei Mischfonds werden alle Möglichkeiten des Kapitalmarkts ausgenutzt», betont Finanzplanerin Constanze Hintze aus München die positiven Seiten. Er enthalte Anteile mit hoher Rendite und hohem Risiko wie Aktien, aber auch Anteile, die sicherer seien, wie Staatsanleihen. Daher werde er, beispielsweise im Vergleich mit reinen Aktienfonds, als weniger riskant eingestuft. Durch die Mischung sei aber auch klar, so Hintze: «Wenn der Markt nach oben geht, ist der Mischfonds nicht oben dabei.»

Für Vermögensberaterin Simone Bußmann aus Ludwigsburg hängt es von den Bedürfnissen und der Risikoneigung der Kundin oder des Kunden ab, ob sie zum Kauf rät. Das Risiko sei je nach Art des Mischfonds geringer als bei reinen Aktienfonds. Ein guter Mischfonds enthält für Bußmann eine flexible Aktien- und Rentenquote, Edelmetalle und Währungen. Die Finanzexpertin sagt aber auch: «Es gibt viele Mischfonds, deren Gebührenmodell in einem schlechten Verhältnis zu den Erträgen steht.»

Die breite Diversifikation von Mischfonds soll jedenfalls mehr Sicherheit bringen. Foto: Sus Pons/Westend61/dpa-tmn

Die Kosten für das aktive Management können enorm hoch sein

Finanzplanerin Stephanie Kühn aus Westerstede ist kein großer Fan dieses Produkttyps. Das liegt zum einen an der Risikobewertung. «Die Leute suchen die eierlegende Wollmilchsau mit viel Rendite und wenig Risiko», kritisiert Kühn. «Den Zahn muss man ihnen aber ziehen.» Denn je nach Zusammensetzung könne ein Mischfonds einen Aktienanteil von 70 Prozent enthalten. «Das ist nun mal ein Wagnis.» Ihre Erfahrung: Wenn Mandanten zu ihr kommen, die bereits in Mischfonds investiert haben, seien sie eher enttäuscht.

Michael Ritzau, Honorarberater aus Inzlingen, kann Mischfonds gar nichts abgewinnen. «Sie sind die schlechteste Wahl unter den aktiv gemanagten Fonds», sagt er. Das liegt vor allem an den Kosten. Die Verwaltungsgebühren für einen Mischfonds seien immer höher als die für einen ETF (börsengehandelter Indexfonds), der nicht von einem Börsenmanager betreut werde.

«Bei einem Indexfonds fallen nur etwa ein Fünftel bis ein Zehntel der Kosten an», sagt er. Das summiere sich über die Jahre enorm. Ritzaus Urteil: «Mischfonds vernichten Rendite. Sie haben im Schnitt der letzten zehn Jahre nur etwa die Hälfte der Rendite ihrer Vergleichsindizes erreicht.»

Für ihn sind die Kosten für Kauf, Verkauf und Verwaltung entscheidend bei der Auswahl eines Fonds. Die höheren Kosten bei Mischfonds ließen sich nicht dadurch rechtfertigen, dass sie von einem Manager kuratiert werden. Bei Indexfonds geschehe das automatisiert und damit günstiger.

«Man kann zwar Glück haben und einen Mischfonds erwischen, der bessere Werte erzielt als der Index», sagt Ritzau. Das geschehe aber eher selten. Nach Abzug der Kosten müsse aktiv gemanagtes Geld im Schnitt immer geringere Renditen erzielen als passiv gemanagtes.

Geschickte Geldanlage: Mischfonds lassen sich nachbauen

Auch Kühn sieht im aktiven Management keinen Vorteil. Eigentlich sollten die Fonds dadurch je nach Marktlage umgeschichtet werden. «Das klappt aber meistens nicht», sagt Kühn. Sie gibt zu bedenken, dass dieser Prozess Zeit brauche: «Eine größere Fondsumschichtung kann eine Woche dauern, dann hat die Lage sich vielleicht schon wieder geändert.»

Wie Ritzau auch kritisiert sie die Verwaltungsgebühren. Ein bis zwei Prozent Verwaltungsgebühren pro Jahr würden für einen Mischfonds fällig, bei einem ETF seien es meist 0,2 bis 0,6 Prozent.

«Die Alternative ist letztlich, sich den Mischfonds selber zu bauen», sagt die Finanzplanerin. Dazu gelte es zunächst, den eigenen Bedarf zu prüfen, wie viel Geld sofort verfügbar bleiben müsse und wie viel Geld langfristig angelegt werden könne. Dann müssten Anlegerinnen und Anleger für sich klären, wie risikofreudig sie seien, erklärt Kühn. Anschließend stellten sie sich ein Portfolio nach ihren Bedürfnissen zusammen.

«Ich tendiere zu einer Mischung aus Tagesgeld sowie Festgeldern mit unterschiedlicher Laufzeit - derzeit maximal drei Jahre - und Aktien-ETF», sagt Kühn. Wer schnell Geld brauche, könne auf das Tagesgeld zurückgreifen und müsse keine Fondsanteile verkaufen. Noch ein Tipp: «Wer über die Börse direkt kauft, spart den Ausgabeaufschlag.»

Mischfonds können Psyche der Anleger beruhigen

Auch Ritzau rät Anlegern, zuerst zu prüfen, welche Investition zu ihren Bedürfnissen passt. Statt beispielsweise einen Mischfonds, der aus Aktien- und Rentenanteilen besteht, zu kaufen, empfiehlt er dann eher, in Aktien- und Renten-ETF zu investieren. «Wie hoch der Anteil an Aktien und der an Renten ist, hängt von der individuellen Risikoveranlagung ab», sagt Ritzau.

Eine Berechtigung haben Mischfonds aber in Kühns Augen: «Sie beruhigen die Psyche der Anleger.» Der Mischfonds im Portfolio könne dazu beitragen, dass Sparende die Risiken anderer Anlagen besser aushalten.

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