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Banken

Sekundenschnelles Bezahlen: Fortschritt im Schneckentempo

Frankfurt/Brüssel (dpa)

Seit fünf Jahren ist es in Europa technisch möglich, Geld binnen Sekunden von A nach B zu überweisen. Doch die meisten Kunden nutzen solche «Instant Payments» nicht, weil sie diese extra bezahlen müssen. Das will die EU-Kommission nun ändern.

Von Jörn Bender, dpa

In Europa sind seit dem 21. November 2017 die «SCT Inst» genannten schnellen Überweisungen möglich. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Brüssel müht sich redlich, doch dassekundenschnelle Bezahlen ist auch fünf Jahre nach seiner Einführungin Europa noch eine Seltenheit. Etwa 13 Prozent aller auf Eurolautenden Kundenüberweisungen im Sepa-Raum werden in Echtzeitausgeführt. Dass die EU-Kommission Banken und Sparkassen nun Vorgabenfür die Bepreisung sogenannter Instant Payments machen will, um dieseZahlungsmethode voranzubringen, kommt bei DeutschlandsBankenverbänden nicht gut an.

In Europa sind seit dem 21. November 2017 die «SCT Inst» genanntenschnellen Überweisungen möglich. Die EU-Kommission hatte als Zielausgegeben, solche Überweisungen von Konto zu Konto binnen Sekundenbis Ende 2021 in der Union zum Standard zu machen. DerZahlungsverkehrsraum «Single Euro Payments Area» (Sepa) umfasst die27 EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen, die Schweiz,Monaco, San Marino, Andorra, Vatikanstadt und Großbritannien.

Doch rund ein Drittel der Banken in der EU bietet Instant Paymentsnach jüngsten Angaben der EU-Kommission bislang nicht an. Und diemeisten Privatkunden nutzen die meist kostenpflichtige Überweisungnur in Ausnahmefällen. Eine mögliche Anwendung ist der privateVerkauf eines Autos. Wird ein solches Geschäft per Echtzeitzahlungabgewickelt, kann der Verkäufer direkt kontrollieren, ob das Geld aufseinem Konto angekommen ist. Bei anderen elektronischenBezahlverfahren muss ein Autoverkäufer zumindest das Risikoeinkalkulieren, dass der Käufer nicht zahlt.

Echtzeitzahlungen in bis zu zehn Sekunden

Um den schnellen Überweisungen zum Durchbruch zu verhelfen, willBrüssel nun durchsetzen, dass Echtzeitzahlungen in Euro fürBankkunden nicht teurer sein dürfen als Standardüberweisungen, die inder Regel kostenlos sind. Zudem sollen alle Kreditinstituteverpflichtet werden, die schnellen Überweisungen zu jeder Zeitanzubieten. Normale Überweisungen dauern in der Regel einenArbeitstag, Echtzeitzahlungen bis zu zehn Sekunden.

Die Möglichkeit, sofort Geld zu senden und zu empfangen, seibesonders wichtig in Zeiten, in denen Rechnungen für Haushalte undUnternehmen stiegen und es auf jeden Cent ankomme, argumentiertFinanzmarktkommissarin Mairead McGuinness. Über den Ende Oktobervorgelegten Gesetzesvorschlag der EU-Kommission müssen nun dieEU-Staaten und das Europaparlament verhandeln. In diesem Verfahrensind Änderungen möglich.

Kreditwirtschaft hält Preisregulierung nicht für angemessen

«Die von der EU-Kommission vorgeschlagene Preisregulierung ist vordem Hintergrund des vielfältigen Marktangebotes nicht angemessen»,hält die Deutsche Kreditwirtschaft dagegen. «Zudem steht die Nutzungvon Echtzeitzahlungen und die Entwicklung auf ihrer Infrastrukturaufbauender Angebote in Europa noch am Anfang, wenn auch mit hohenWachstumsraten und ebenso hohem Potenzial. Erfahrungsgemäß braucht esseine Zeit, bis sich technologische Innovationen sowohl auf derAngebots- wie auch der Kundenseite durchsetzen und durch eine breiteAkzeptanz positive ökonomische Effekte auslösen», argumentiert derDachverband der fünf großen Bankenverbände in Deutschland.

Als am 21. November 2017 die zum italienischen Unicredit-KonzernHypovereinsbank die Echtzeitzahlung testete, war die Euphorie groß.Damals schickte die HVB Geld innerhalb von 2,5 Sekunden vonDeutschland nach Italien. «Die Einführung von Instant Payments vorfünf Jahren war ein Meilenstein», bilanziert Gerhard Bystricky, derbei der HVB führend für die Produktentwicklung im Zahlungsverkehrzuständig ist und damals dabei war.

«Echtzeitzahlungen haben sich mittlerweile am Markt etabliert. Seitwir das Angebot in allen unseren aktuellen Kontomodellen kostenfreiintegriert haben, nutzen auch Privatkunden diesen Weg nochmalsdeutlich häufiger für Überweisungen», sagt Bystricky. Der Anteil derGeschäfte, die in Echtzeit vollzogen würden, sei bei der HVB binnenJahresfrist von 10 Prozent auf etwa 15 Prozent gestiegen. «Etwa dieHälfte der Echtzeitzahlungen bei uns wickeln wir binnen einer Sekundeab, 95 Prozent binnen fünf Sekunden», sagt Bystricky.

«Erreichbarkeit ist der Schlüssel zum Erfolg»

Der HVB-Entwickler hofft, dass sich Lücken in der europäischenInstant-Payment-Landkarte bald schließen werden. «Bei der Abdeckungin Europa ist noch Luft nach oben», sagt Bystricky. «Erreichbarkeitist ein weiterer Schlüssel zum Erfolg dieser Technologie.»

Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz wirbt seit Jahren für InstantPayments. Einwände, Zahlungen müssten zumindest im Regelfall nicht inEchtzeit abgewickelt werden, halte er für rückständig, sagte Balzkürzlich auf einer Tagung in Frankfurt. «Man versäumt so die Chance,Zukunft zu gestalten.» Balz bekräftigte: «Eine rasche Ausweitung vonEchtzeitzahlungen kann insgesamt dazu beitragen, Abhängigkeiten zuüberwinden und die Autonomie Europas zu stärken.»

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