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Finanzen

Wie werden Börsengewinne versteuert?

Die fortschreitende Digitalisierung macht den Handel mit Aktien und Wertpapieren am Handy, Tablet oder Notebook möglich. Dadurch wird das Börsenparkett in die eigenen vier Wände verlegt. Herkömmliche Anleihen und das Sparbuch erzielen aufgrund der seit Jahren darniederliegenden Zinsen kaum noch Gewinne. Angesichts der Inflation wird damit sogar Geld verbrannt. Das Geschäft mit Aktien gewinnt an Charme.

Aschendorff Medien

Foto: Pixabay

Auch die Deutschen wachen auf und interessieren sich zunehmend für das Börsengeschehen. Doch wie werden Aktiengewinne versteuert? Wir klären Sie auf.

Weiterführende Informationen finden Sie auf dem Trading für Anfänger Blog.

Welche Steuern fallen auf Aktien an?

Wer Einkünfte aus Kapitalvermögen erzielt, muss diese versteuern. Die Gewinne werden in der Regel beim Verkauf einer Aktie oder sonstigen Wertpapieren verdient. Der Anleger zahlt dann die sogenannte Kapitalertragssteuer oder Abgeltungssteuer. Zudem wird in vielen Fällen noch der Solidaritätszuschlag (Soli) geltend gemacht. Anhänger einer Konfession zahlen darauf nochmals die Kirchensteuer. Dasselbe gilt für Einkünfte aus Dividenden. Diese werden einmal jährlich von den Unternehmen ausgezahlt.

Abgeltungssteuer, was ist das?

Die Abgeltungssteuer beträgt 25 % und gilt seit 2009 auf alle Einkünfte aus Aktien, Tagesgeldkonten und Sparbüchern. Sie wurde eingeführt, um die sogenannte Kapitalflucht zu verhindern. Bis dahin galten für Erträge aus Arbeit und Kapital ähnliche Steuersätze. Mit der Abgeltungssteuer sollte verhindert werden, dass wohlhabende Anleger ihre Investments ins Ausland verlegen. Deutschland sollte laut dem sich verantwortlich zeichnenden Minister Peer Steinbrück (SPD) als Finanzplatz an Attraktivität gewinnen.

Bei der Abgeltungssteuer handelt es sich um eine Quellensteuer. Sie wird direkt vom Depotverwalter, also dem Broker oder der Bank, ans Finanzamt abgeführt. Für die meisten Anleger ist das eine Vereinfachung, müssen die Erträge doch am Jahresende nicht mehr bei der Einkommenssteuererklärung angegeben werden. Auf die Abgaben, die durch die Abgeltungssteuer anfallen, wird nochmals der Soli mit 5,5 % zugeschlagen sowie die Kirchensteuer mit 8–9 %, je nach Konfession.

Welche Ausnahmen gibt es?

Für Besserverdienende sind diese Abgaben ein Entgegenkommen, da sie weitaus tiefer als deren normale Regelsätze liegen. Darüber hinaus gibt es in gewissen Fällen die Möglichkeit, die Abgaben der Abgeltungssteuer zu minimieren oder zu umgehen:

  • Der Sparerfreibetrag: Dieser beläuft sich bei Alleinstehenden auf 801 Euro und bei Ehegatten auf 1.602 Euro. Erst die Kapitaleinkünfte, welche den Freibetrag überschreiten, fallen unter die Steuerpflicht. Der Freibetrag fasst Depot- und Bearbeitungsgebühren sowie Werbungskosten zusammen. Dafür können Kosten, die im Zuge von Kapitaleinkünften stehen, nicht mehr steuermindernd geltend gemacht werden.
  • Der Freistellungsauftrag: Dieser ist zwingend notwendig, damit die Vorteile des Freibetrags zur Geltung kommen. Am sinnvollsten erscheint es, diesen schon bei der Depotöffnung zu erteilen, damit es zu keinen Verzögerungen kommt.
  • Die Nichtveranlagungsbescheinigung: Wer nur ein geringes Einkommen bezieht oder nicht einkommensteuerpflichtig ist, kann beim zuständigen Finanzamt eine NV-Bescheinigung beantragen. Dann wird die Kapitalertragssteuer nicht einbehalten. Diese Bescheinigung hat eine Laufzeit von drei Jahren.
  • Der Pauschbetrag von Kindern: Wer für die Zukunft seines Nachwuchses ein Aktiendepot eröffnet, macht das am besten über die Steuer-ID des Kindes. Dieses hat ebenso das Recht auf den Freibetrag von 801 Euro jährlich.
  • Die Verlustrechnung: Wer anstatt der erhofften Gewinne im Verlust landet, kann diesen steuerlich geltend machen. Sie gilt allerdings nur für Einkünfte aus Kapitalvermögen. Dabei wird nach dem Prinzip des „horizontalen Verlustausgleichs“ berechnet. Es können nur Gewinne und Verluste aus derselben Einkunftsart gegeneinander aufgewogen werden. Diese Verluste können aber dann mit zukünftigen Gewinnen verrechnet werden.
  • Das Veranlagungswahlrecht: Wer weniger als 20.000 Euro jährlich verdient, hat üblicherweise einen geringeren Steuersatz als die 25 % der Abgeltungssteuer. Dann empfiehlt es sich, die Kapitaleinkünfte beim Finanzamt anzugeben und zu beantragen, dass der individuelle Steuersatz herangezogen wird.
  • Alternative Geldanlagen: Manche Vermögenswerte unterliegen nicht der Kapitalertragssteuer. Dazu gehören klassische Lebensversicherungen und Altersvorsorgemodelle wie die Riester-Rente.

Für 2021 bleibt zu beachten, dass verschiedene Kreise Steuererhöhungen fordern. So soll demnächst eine EU-weite Finanztransaktionssteuer eingeführt werden.

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