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Wofür Verbraucher in Deutschland am häufigsten Kredite aufnehmen

Schnelle Autos und schicke Inneneinrichtung – ist das der favorisierte Lifestyle der deutschen Verbraucher? Glaubt man einer Marktstudie der GFK-Marktforschung aus 2017, so könnte man zu diesem Schluss gelangen. Denn mehr als die Hälfte der Verbraucherkredite wird für gebrauchte und neue Kfz-Fahrzeuge aufgenommen. Küchen und Möbel belegen als dritthäufigste Ursache für eine Kreditaufnahme den dritten Rang.

Aschendorff Medien

Foto: Unsplash.com © Scott Graham

Die Kreditaufnahme für die einzelnen Verwendungszwecke lässt sich plausibel nachvollziehen. So verwundert beispielsweise die dominante Aufnahme von Krediten zur Kfz-Finanzierung nicht, da Fahrzeuge Statussymbole und nützliche oder sogar notwendige Verkehrsmittel in Einem sind. Insbesondere in ländlichen Regionen führt an der Anschaffung eines Fahrzeugs kaum ein Weg vorbei.

Häufigkeit einzelner Kreditaufnahmen

Foto:

Die abgebildete Grafik führt auf, aus welchen Gründen bzw. wofür die deutschen Verbraucher im Jahre 2017 einen Kredit aufnehmen. Dabei sind Immobilienkredite aufgrund des Schwerpunkts der Studie „Konsum- und Kfz-Finanzierung“ aus der Übersicht ausgeschlossen. Dieser Ausschluss erscheint insofern plausibel, als dass sich Immobilienkredite aufgrund ihrer abweichenden Zinssätze und ihrer längeren Laufzeit von Verbraucherkrediten stark unterscheiden. Unterteilen lassen sich die einzelnen Ursachen, wofür Anschaffungsdarlehen häufig genutzt werden, wie folgt:

·         Kfz-Anschaffung

·         häusliche Einrichtung

·         wirtschaftliche Motive

·         Luxus

Kfz-Anschaffung seit Jahrzehnten häufigster Finanzierungsgrund

Bei dem im Jahre 2017 insgesamt vergebenen Kreditvolumen von 38,5 Milliarden Euro machen Kraftfahrzeuge 58 % (gebraucht: 36 %; neu: 22 %) des Volumens aus. Die Finanzierung von Kraftfahrzeugen über Kredite ist seit Jahrzehnten ungebrochen auf dem ersten Platz. Dies liegt daran, dass sich die im Zusammenhang mit der Fahrzeuganschaffung stehenden Anforderungen kaum verändert haben.

·         Notwendigkeit: Zahlreiche Personengruppen sind auf ein Fahrzeug angewiesen. Auf dem Land ist es aufgrund der schlecht oder nicht verfügbaren öffentlichen Verkehrsmittel erforderlich. Auch in der Stadt ist ein eigenes Fahrzeug manchmal notwendig, was bereits simple Gründe wie den Transport der Einkäufe haben kann.

·         Status: Fahrzeuge stehen in gewissen Personenkreisen für den Status einer Person. Demnach finden sich des Öfteren junge Personen, die zur Kreditaufnahme für teure Neuwagen bereit sind. Es muss aber nicht zwingend teuer sein: Schon allein der Besitz irgendeines Fahrzeugs kann in jungen Jahren ein Zeichen des Erwachsenseins und somit reizvoll sein. Auch bei Erwachsenen lassen sich ähnliche Motive beobachten.

·         Preis: Ein Kraftfahrzeug kostet meist mehr als ein Elektronik- oder Unterhaltungsgerät. Daher wundert es nicht, dass aufgrund des vergleichsweise höheren Preises öfter als bei anderen Gütern eine Finanzierung durch die Bank notwendig ist, um es sich überhaupt leisten zu können.

Die Motive sind teils psychologischer Natur, teils ergeben sie sich aus bloßer Logik. Laut Kraftart-Bundesamt verfügt in Deutschland unter den über 17-jährigen ein Anteil von 60,4 % über einen privat zugelassenen Pkw. Die Tatsache, dass ausgerechnet in den drei Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg mit gut ausgebautem öffentlichen Verkehrsnetz die prozentualen Anteile der über 17-jährigen mit privat zugelassenem Pkw im Vergleich zu den 13 Flächenstaaten am geringsten sind, unterstreicht die These der „Notwendigkeit“ aus der obigen Aufzählung: Fahrzeuge werden vor allem dort angeschafft, wo sie zur Bewältigung des Alltags gebraucht werden. Wird zur Anschaffung ein Kredit gebraucht, dann wird dieser bei Möglichkeit aufgenommen. So ergibt sich der dominante Anteil für Fahrzeug-Kredite am gesamten Kreditvolumen aus der Studie.

Häusliche Einrichtung: Die Küche als neues Statussymbol

Es folgen Küche und Möbel mit 17 % Anteil auf Rang drei. Die gesonderte Erwähnung der Küche zur Abgrenzung von den anderen Möbeln lässt sich anhand einer charakteristische Entwicklung in Deutschland nachvollziehen: Die Küche wird immer mehr zum Statussymbol der Deutschen, was sie zu mehr als einer Kochstelle macht. Folglich wundert es kaum, dass die Küche wohl den höchsten Anteil an den Möbelfinanzierungen hat und mit dem erforderlichen Kreditvolumen maßgeblich zum dritten Rang in der Übersicht beiträgt.

Die Finanzierung von Haushaltsgeräten trägt zu 13 % zum Kreditvolumen für Verbraucherkredite bei. Mutmaßlich werden hierunter auch Haushaltsgeräte für die Küche sein, was die wesentliche Rolle der Küche innerhalb der deutschen Haushalte nochmals unterstreicht. Kredite für Renovierung / Umzug mit 10 % Anteil sind ein weiterer Finanzierungsgrund.

Ablösung von Ratenkrediten und Dispoausgleiche als rechnerisch sinnvolle Motive

Wirtschaftliche Motive für Kreditaufnahmen in der Studie waren zu 16 % die Ablösungen von Ratenkrediten und zu 12 % der Dispoausgleich. Beides sind sinnvolle Gründe für Kreditaufnahmen. Denn im Laufe der letzten Jahre sind die Zinsen immer weiter gesunken, sodass Ablösungen alter Ratenkredite durch neue Kredite mit geringeren Zinsen finanziell lukrativ sind.

Zudem ist der Dispoausgleich eine wirtschaftlich kluge Maßnahme, weil Dispo-Zinsen in jedem Fall höher sind als Zinsen bei Ratenkrediten. Generell gilt jedoch, dass finanzielle Engpässe differenziert betrachtet gehören und die Aufnahme eines Kredits nicht immer eine Ideallösung ist. Im Artikel über die möglichen Maßnahmen, wenn es finanziell eng wird, werden mehrere Ratschläge erläutert, die bei finanziellen Engpässen zu erwägen sind, ehe es zur Aufnahme eines Kredits kommt.

Luxus durch Digitalisierung

Als luxuriöse Ursachen für eine Kreditaufnahme lassen sich Unterhaltungselektronik (14 % Anteil am Kreditvolumen), Kleidung (7 % A. a. K.) und Urlaub (6 % A. a. K.) einstufen. Denn alle drei Komponenten sind zum Überleben gar nicht oder nicht in dem Ausmaß notwendig, dass zur Finanzierung die Aufnahme eines Kredits erforderlich wäre.

Der relativ hohe Volumenanteil der Unterhaltungselektronik im Rahmen der Studie lässt sich u. a. anhand der zunehmenden Digitalisierung erklären. In Anbetracht der neuen technologischen Entwicklungen sowie des Smart Home als generellem Trend sind triftige Gründe für die Anschaffung neuer Unterhaltungselektronik gegeben. Weil neue Technik und Gerätschaften einen höheren Preis als die Vorgänger-Technologien nach sich ziehen, lässt sich eine Anschaffung ohne Finanzierung nicht immer realisieren.

Die Tatsache, dass Kleidung und Urlaub geringe Anteile am Kreditvolumen verzeichnen, verwundert aufgrund der flexiblen Preisgestaltung nicht: Bei klammer Kasse lässt sich beides dennoch gut finanzieren. Im Zweifelsfall ist lediglich Einfallsreichtum gefordert, wie beispielsweise der Erwerb gebrauchter Kleidung über Online-Plattformen oder ein Low-Budget-Urlaub.

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