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Arbeitsschutz wird immer wichtiger

In Zeiten der Covid-Pandemie und von Industrie 4.0 ist die Einhaltung des Arbeitsschutzes in vielen Unternehmen eine komplexe und aufwendige Aufgabe geworden. Immer neue Technologien bergen auch immer neue Risiken und in vielen Fällen werden Schulungen und Weiterbildungen benötigt, um jeden Arbeitnehmer optimal auf seine Arbeit vorzubereiten, sodass das Risiko für Unfälle möglichst gering ist. Eine globale Pandemie macht diese Aufgabe noch schwieriger und führt neue Probleme ein.

Aschendorff Medien

Foto: Colourbox

Auf den ersten Blick lesen sich die Unfallstatistiken des Jahres 2020 gut: die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle, also Unfälle, die eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen oder den Tod zur Folge hatten, sank um etwa 13 %. Das Unfallrisiko je 1.000 Vollarbeiter sank um 12 % auf einen Wert von 18. Trotzdem kam es insgesamt zu mehr als 760.000 meldepflichtigen Unfällen. Bei mehr als 13.000 dieser Unfälle handelte es sich um „schwere“ Arbeitsunfälle, bei denen es im Anschluss zur Zahlung vor Rente oder Sterbegeld kam. 399 Arbeitnehmer verunglückten 2020 bei einem Arbeitsunfall, 238 starben bei einem Wegunfall. Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle insgesamt sank von 806 auf 637.

Der Rückgang in Arbeitsunfällen ist sehr erfreulich, wird durch die Pandemie aber in ein anderes Licht gerückt. Denn trotz mehrerer Lockdowns und einer branchenübergreifenden Homeoffice-initiative kam es zu erstaunlich vielen Unfällen. Besonders betroffen war die Bauwirtschaft, wo es zu 97 tödlichen Unfällen kam. Das sind 27 mehr als im Vorjahr. Die meisten Bauarbeiter starben an Stürzen, in vielen Fällen waren die Betroffenen nicht ausreichend gesichert.

Was tun für mehr Arbeitsschutz?

Obwohl jedes Unternehmen in Deutschland gewisse Arbeitsschutzregeln einhalten muss und Betriebe über 20 Mitarbeitern regelmäßig eine Fachkraft für Arbeitssicherheit oder FASI beauftragen, kommt es dennoch häufig zu Unfällen. Aufgrund dessen ist es wichtig, dass der Arbeitsschutz ständig weiterentwickelt wird, um das Unfallrisiko zu minimieren. Deshalb verfolgen Betriebe momentan bereits zahlreiche Ansätze, um die Sicherheit am Arbeitsplatz zu verbessern.

Alle Gesundheits- und Unfallgefahren im Unternehmen müssen regelmäßig gefunden, analysiert und bewertet werden. Physikalische, chemische, biologische und psychische Gefährdungsfaktoren müssen zudem dokumentiert werden. Nur so kann der Arbeitsplatz auf längere Zeit sicherer gestaltet werden. Jede Gefahr muss eliminiert oder zumindest unschädlich gemacht werden. Ein einziger Sicherheitsmechanismus reicht fast nie aus; je nach Level der Gefahr kann es auch ein halbes Dutzend geben.

Besonders an Stellen, wo es in der Vergangenheit öfter zu Unfällen gekommen ist, müssen bestmöglich gesichert werden. Zudem sollte keine Gefahr, egal wie gering die Unfallwahrscheinlichkeit, ignoriert werden. Denn die schlimmsten Unfälle geschehen immer durch eine Verkettung vieler unglücklicher Ereignisse. Ein einziger Sicherheitsmechanismus kann zwischen Leben und Tod stehen. Das haben zahlreiche vergangene Unglücke, oder beinahe Unglücke bewiesen.

Arbeitsschutz beginnt im Kopf

Doch auch zehn verschiedene Sicherheitsvorkehrungen nützen nichts, wenn diese missachtet oder nicht genutzt werden. Die meisten Arbeitsunfälle geschehen durch Leichtsinn, Ablenkung oder dem Überschätzen der eigenen Fähigkeiten. Die Bauwirtschaft verfügt über zahlreiche mögliche Mechanismen, um Stürze zu verhindern. Der Karabiner, welcher die Basis vieler Sicherheitsvorkehrungen beim Klettern ist, existiert bereits seit mehr als 200 Jahren. Doch wenn beim Dachdecken oder Gerüstbau auf Sicherheitsvorkehrungen verzichtet wird, um Zeit zu sparen, bringt auch der modernste Karabiner nicht.

Auch deshalb gibt es mittlerweile in vielen Unternehmen regelmäßige Weiterbildungen und Initiativen, um die Sicht von Arbeitnehmern auf den Arbeitsschutz zu verbessern. Dies gestaltet sich in vielen Betrieben ähnlich schwer wie bei Kampagnen, die die Sicherheit im Straßenverkehr verbessern wollen. Und leider benötigt es oftmals erst einen schlimmen Unfall, bevor sich auf den Arbeitsschutz besonnen wird. Viele Arbeitsfälle passieren aber auch, weil die Arbeitnehmer unter zu viel Stress stehen. Deswegen ist eine Überwachung der psychischen Gesundheit von Mitarbeitern mindestens so wichtig wie die der körperlichen.

KI als mögliche Lösung

Durch die Digitalisierung haben viele neue Technologien ihren Weg in die Industrie gefunden. Die Automatisierung vieler Systeme hat einen Rückgang von Arbeitsunfällen zur Folge. Viele Aufgaben in der Industrie können in der Zukunft von künstlicher Intelligenz (KI) übernommen werden. Besonders gefährliche Angelegenheiten, etwa die Wartung von Unterwasserpipelines, übernehmen bereits Roboter. Intelligente Gabelstapler sorgen in vielen Lagerhallen dafür, dass im Lager kein Mitarbeiter überfahren, oder von einem Regal erschlagen wird. Und in der Transportbranche bemerken Transportfahrzeuge mit KI-Support Anomalien in der Fahrweise und können so automatisch abbremsen. Das Risiko für Unfälle durch Übermüdung oder Sekundenschlaf im Straßenverkehr wird so maßgeblich gesenkt.

COVID als zusätzliches Risiko

Dass auch Erwerbstätige im Büro oder in der Verwaltung einen umfangreichen Arbeitsschutz benötigen, hat die Coronapandemie gezeigt. Fast jedes Unternehmen musste die Arbeit im letzten Jahr mindestens für einige Tage niederlegen, um ein umfassendes Hygienekonzept zu erstellen, durch welches garantiert wird, dass das Infektionsrisiko am Arbeitsplatz limitiert wird. Auch hier kann künstliche Intelligenz aushelfen, beispielsweise durch die Kreation möglichst sicherer Arbeitsplatzanordnungen. Letztendlich bleibt Arbeitsschutz für jedes Unternehmen ein wichtiges Thema, selbst wenn die Pandemie irgendwann verschwindet.

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