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Lieferengpässe bei 260 Arzneimitteln

Fiebersäfte für Kinder knapp

Münster

Wenn Kinder fiebern, verschreiben Ärzte häufig Paracetamol-Saft. Doch den gibt es nicht mehr überall. Der Apothekerverband bestätigt den Lieferengpass  – auch für andere Medikamente.

Von Ralf Repöhler

Wenn Kinder Fieber haben, verschreiben Ärzte häufig Fiebersäfte. Foto: Annette Riedl/dpa

Die Apotheken in Westfalen-Lippe verzeichnen erneut Lieferengpässe. Danach fehlen seit Ende Mai vor allem Fiebersäfte für Kinder. Nachbestellungen von Paracetamol-Säften seien schwierig. „Die Lage ist mancherorts durchaus dramatisch“, sagt Jan Harbecke, Vorstandsmitglied des Apothekerverbands. Auch Alternativen zu dem Wirkstoff seien inzwischen je nach Lagerbestand durchaus knapp. Die meisten Hersteller hätten im Fall des Paracetamol-Safts die Produktion aus Kostengründen eingestellt.

Wenn Kinder fiebern oder leichte Schmerzen wie Zahnweh haben, verschreiben Ärzte häufig flüssiges Para­cetamol. Die Apotheken müssen aber häufig passen: Es ist nur eingeschränkt oder gar nicht lieferbar. Und nicht nur dieses Medikament!

Blutdrucksenker und Schmerzmittel fehlen

Lieferengpässe gehören seit Jahren zu den größten Herausforderungen für die Apotheken. Auf einer Liste des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte sind derzeit 260 Liefer­engpässe gelistet. Es fehlen unter anderem Herz-Kreislauf-Medikamente (Blutdrucksenker), Schmerzmittel und Antidepressiva.

„Patientinnen und Patienten reagieren durchaus emotional auf den Engpass eines Krebsmittels mit dem Wirkstoff Tamoxifen, weil sie bei Alternativen Verträglichkeitsprobleme befürchten“, sagt Apotheker Harbecke. Auch hier hatten einige Wirkstoff-Zulieferer die Produktion eingestellt. Die Mehrheit der Apotheker wendet laut Klima-Index inzwischen mehr als zehn Prozent ihrer Arbeitszeit dafür auf, um bei Engpässen mit Ärzten, Großhändlern und Patienten nach Lösungen zu suchen.

Es gibt Alternativen

Hauptgrund für die Lieferengpässe bei Medikamenten ist der zunehmende Kostendruck im Gesundheitswesen, der zu Konzentrations­prozessen im Markt führt. Wenn dann bei einem Wirkstoffhersteller Produktionsprobleme entstehen, können laut Apothekerverband die wenigen verbliebenen Produzenten die Nachfrage nicht decken.

Dazu kommt, dass die Nachfrage nach Paracetamol-Säften durch die Grippewelle im Frühjahr kurzfristig gestiegen ist. Alternativen seien Paracetamol-Zäpfchen oder Ibuprofen. Problem: Die exakte Dosierung ist hier problematischer.

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