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Krankenkassenwechsel: Drohender Anstieg des Zusatzbeitrags verunsichert gesetzlich Versicherte

Viele Krankenkassen haben keine Rücklagen mehr in den Kassen. Anfang Juni 2021 hatte das Bundeskabinett einen Zuschuss von sieben Milliarden Euro beschlossen. Doch das wird auf Dauer nicht reichen. Eine Erhöhung des Krankenkassenbeitrags wird damit für 2022 immer wahrscheinlicher.

Aschendorff Medien

Foto: Colourbox

Der allgemeine Satz liegt zu Zeit bei 14,6 Prozent. Hinzu kommt der Zusatzbeitrag. 2021 wurde er auf 1,3 Prozent angepasst. Ihn können die Kassen für ihre Mitglieder selbst festlegen und dabei auch von diesem Wert abweichen. Durch zusätzliche Finanzmittel vom Bund könnte der Anstieg gedrosselt werden. Die Regierungsbildung nach der Wahl wird aber erst einmal Zeit in Anspruch nehmen und so ist mit weiteren schnellen Hilfen aus dem Steuertopf vorerst nicht zu rechnen.

Viele Menschen fürchten nun das Ansteigen der Krankenversicherungskosten. Mit einem Anstieg des durchschnittlichen Zusatzbeitrags auf bis zu 2,2 Prozent wird dabei gerechnet. Doch lohnt sich deshalb ein Wechsel?

Lohnt sich bald ein Wechsel?

Stiege der Zusatzbeitrag 2022 tatsächlich auf 2,2 Prozent, würde das für ein Einkommen von 3.000 Euro monatlich rund 200 Euro mehr an jährlichen Kosten bedeuten. Vorangegangene Anpassungen haben gezeigt, dass nicht alle Kassen gleichermaßen erhöhen. Prinzipiell besteht also tatsächlich Einsparpotenzial. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, denn nicht allein die Beitragshöhe sollte bei der Entscheidung für oder gegen einen Wechsel beachtet werden.

Letztlich müssen alle Krankenversicherer irgendwie auf ihre Kosten kommen. Wer mit besonders günstigen Beiträgen lockt, spart das möglicherweise bei den Leistungen und beim Service wieder ein.

Die eigenen Ansprüche überdenken

Wer über einen Wechsel der Krankenkasse nachdenkt, sollte sich zunächst einmal darüber klar werden, welche Wünsche an den Versicherungsschutz bestehen. Soll einfach nur möglichst viel Einsparpotenzial gegeben sein? Oder legt man Wert auf bestimmte Sonderleistungen oder Serviceangebote? Anders als oft angenommen, haben auch die gesetzlichen Krankenkassen relativ viel Spielraum bei der Ausgestaltung ihrer Leistungen und können von den Standardtarifen der gesetzlichen Regelversorgung abweichen. Während beispielsweise einige Kassen fast nur Behandlungen der klassischen Schulmedizin finanzieren, übernehmen andere auch Kosten für verschiedene alternative Therapieformen. Wer Wert auf die Abdeckung bestimmter Leistungen legt, sollte das also unbedingt vorher prüfen.

Auch die Serviceangebote können stark variieren. Wer am liebsten alles online regelt, wird ein entsprechend gut ausgebautes digitales Angebot zu schätzen wissen. Wer hingegen die persönliche Betreuung bevorzugt, wünscht sich vielleicht eine Versicherung mit einer Geschäftsstelle in der Nähe. Ein regelmäßiges Informationsangebot wie in diesem Gesundheitsjournal einer regionalen Betriebskrankenkasse kann ebenfalls ein Pluspunkt beim Service sein.

Alle Kostenfaktoren prüfen

Bei einem Krankenversicherungstarif ist es nicht unbedingt nur der Zusatzbeitrag, der sich finanziell bemerkbar macht. Wahltarife, Bonusprogramme oder Sonderleistungen können bei einer Kosten-Nutzen-Rechnung mitunter schwerer ins Gewicht fallen als der eigentliche Beitrag.

Wer beispielsweise regelmäßig einen anerkannten Sport- oder Gesundheitskurs besucht und die Kosten dafür teilweise von der Kasse erstattet bekommen kann, hat eine etwas höhere Zusatzgebühr schnell wieder aufgewogen. Auch andere Zusatzleistungen, wie eine Haushaltshilfe im Krankheitsfall oder eine zusätzliche Absicherung für Notfälle im Ausland, können sich schnell auszahlen.

Ebenfalls lohnenswert können Bonusprogramme sein. Viele Kassen ermöglichen ihren Mitgliedern über ein entsprechendes Programm, Punkte zu sammeln. Für die Teilnahme an Gesundheitskursen, Sportangeboten und Vorsorgeuntersuchungen gibt es Punkte. Für die gibt es dann Rückerstattungen oder Zusatzleistungen.

Einige Krankenversicherer arbeiten außerdem mit Wahltarifen. Hier können Versicherte aus verschiedenen Tarifen wählen. Die können zum Beispiel einen höheren Selbstbehalt oder Sonderregelungen für die Nichtinanspruchnahme von Leistungen beinhalten. Auch Sondertarife für besondere Versorgungsformen oder Zusatztarife mit unterschiedlichen Niveaustufen sind möglich. Dabei gelten unterschiedliche Bindungsfristen, die beachtet werden sollten.

Wichtig: Bei einigen Zusatztarifen (etwa für Zahnersatz) erhöht sich die Kostenübernahme gestaffelt über die Zeit der Mitgliedschaft. Wer wechselt, kann also nicht immer von Beginn an von einer hohen Kostenübernahme profitieren.

Besonderes Augenmerk sollte beim Vergleich auf das Thema Zahnbehandlungskosten gelegt werden. Die Leistungsvorgaben der gesetzlichen Versicherungen liegen hier auf einem besonders niedrigen Niveau. Insbesondere beim Zahnersatz können dadurch immense Kosten für die Eigenbeteiligung entstehen. Wer keine separate Zusatzversicherung abschließen möchte, kann prüfen, ob die Krankenkasse entsprechende Extra-Leistungen bietet. Durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen kann sich beispielsweise die Kostenübernahme der Kasse erhöhen.

Es sind also viele Kosten-Nutzen-Faktoren, die vor einem möglichen Wechsel der Versicherung bedacht werden sollten und ein gründlicher Vergleich ist notwendig.

Versicherungswechsel: Fristen und Konditionen

Wer sich wirklich für den Wechsel der Krankenkasse entscheidet, muss dabei die Bindungsfrist beachten. Nach einer Gesetzesänderung im Januar 2021 sind Versicherte nun 12 statt 18 Monate an ihre Krankenkasse gebunden. Bei Wahltarifen kann jedoch eine Bindungsfrist von bis zu drei Jahren bestehen. Nach einer Erhöhung des Zusatzbeitrags oder bei einem Beschäftigungswechsel, bzw. einer Änderung des Sozialversicherungsstatuses (innerhalb von 14 Tagen nach Beginn) besteht jedoch Sonderkündigungsrecht. In jedem Fall besteht eine Kündigungsfrist von zwei Monaten.

Für Versicherte hält sich der bürokratische Aufwand dabei in Grenzen. Erforderlich ist lediglich ein Aufnahmeantrag bei der neuen Krankenversicherung. Diese übernimmt dann die Kündigung bei der bisherigen Versicherung. Versicherte müssen dann nur noch formlos ihren Arbeitgeber, bzw. die Agentur für Arbeit oder den Rentenversicherungsträger, über den Wechsel informieren. Der Versicherungsschutz geht dabei nahtlos ineinander über.
Selbst bei der Versicherung kündigen muss nur, wer in eine private Krankenversicherung wechselt oder langfristig ins Ausland übersiedelt.

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