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Schutz vor Corona

Lauterbach: Omikron-Impfstoffe frühestens im September

Berlin (dpa)

Laut Expertenrat könnte uns im Herbst erneut eine Pandemiewelle bevorstehen. Vorherrschen dürfte dann eine Omikron-Variante. Doch noch gibt es keinen angepassten Impfstoff. Wird er rechtzeitig kommen?

Von dpa

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach rechnet damit, dass im Herbst ein an die Omikron-Varianten angepasster Impfstoff zur Verfügung steht. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach erwartet im Herbst Corona-Impfstoffe, die an die Omikron-Varianten angepasst sind. Frühestens im September rechne er damit, sagte der SPD-Politiker im Deutschlandfunk.

Daran werde intensiv gearbeitet. Es gebe vielversprechende Daten von Moderna, auch mit Biontech sei man im Kontakt. Er sei zuversichtlich, dass es sehr gute angepasste Impfstoffe geben werde.

Das Unternehmen Moderna hatte am Mittwoch (8. Juni) erste Daten zur Wirksamkeit seines angepassten Corona-Impfstoffes vorgestellt. «mRNA-1273.214», so der Name des Boosters, ist eine Kombination aus dem ursprünglichen Moderna-Impfstoff Spikevax und einem speziell auf die Omikron-Variante zugeschnittenen Impfstoff-Kandidaten.

Bei den insgesamt 437 Probanden der klinischen Studie, die das neue Präparat als zweiten Booster erhalten hatten, fanden die Wissenschaftler nach einem Monat deutlich mehr neutralisierende Antikörper als nach einer Booster-Impfung mit dem herkömmlichen Präparat, insbesondere gegen die Omikron-Variante. Die Impfung sei gut verträglich, Nebenwirkungen entsprächen denen nach dem herkömmlichen Booster.

Moderna rechnet mit neuem Impfstoff im Spätsommer

Das Unternehmen kündigte an, die vorliegenden Daten in den kommenden Wochen den Zulassungsbehörden vorzulegen. Man hoffe, dass der Booster im Spätsommer verfügbar sei.

Aktuell dominiert die Omikron-Sublinie BA.2 in Deutschland, der Anteil der Untervariante BA.5 wächst allerdings, wenngleich auf niedrigem Niveau. Lauterbach nannte BA.5 aber «keine besonders gefährliche Variante», auch wenn sie ansteckender sei als BA.1 und BA.2.

Der Corona-Expertenrat der Bundesregierung hatte am Mittwoch (8. Juni) auf Vorbereitungen für den Herbst und Winter gedrungen und drei Szenarien für die Entwicklung der Pandemie entworfen. Lauterbach bezeichnete das mittlere Szenario mit weniger gravierenden Auswirkungen als derzeit wahrscheinlichstes. Es sei nicht auszuschließen, dass es zu Virusvarianten komme, die ansteckender und gefährlicher seien. «Wir hoffen es aber alle nicht», sagte Lauterbach. Man müsse jedoch darauf vorbereitet sein.

Gesundheitsministerium will Vorsorge für den Herbst treffen

Der Minister nannte die Beschaffung von Impfstoffen, ein Impf- und ein Testkonzept sowie schnellere Daten aus den Krankenhäusern. «Das sind Dinge, die müssen jetzt vorbereitet werden. Daran wird auch gearbeitet bereits im Bundesgesundheitsministerium.»

«Auf jeden Fall» geändert und verlängert werden müsse auch das Infektionsschutzgesetz. Es läuft am 23. September aus. Die FDP fordert, noch die Expertise eines Sachverständigenausschusses abzuwarten, die bisherige Schutzmaßnahmen bewertet. Das Gutachten soll bis 30. Juni vorliegen. «Dem kann ich auch ohne Wenn und Aber folgen», betonte Lauterbach. Alle hätten das gleiche Ziel, «mit möglichst wenigen Freiheitseinschränkungen der Lage angepasst schnell reagieren zu können». «Da sind wir in der Pflicht, und genau so wird es auch kommen», betonte der Minister.

Drosten hält aktuelle Corona-Lage nicht für bedrohlich

Die Entwicklung der Corona-Lage in Deutschland mit der Zunahme der Omikron-Subvariante BA.5 ist für den Virologen Christian Drosten bisher nicht überraschend. «Meine zu Frühlingsbeginn geäußerte Erwartung hat sich bestätigt. Wir erleben dieses Jahr keinen infektionsfreien Sommer, was aber zunächst nicht bedrohlich ist», teilte der Leiter des Virologie-Instituts der Charité in Berlin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

«Etwas beunruhigt» sei er von der Entwicklung in Portugal, wo nicht nur die Inzidenz, sondern auch die Sterbefälle anstiegen, schreibt der Virologe weiter. «Dafür gibt es keine offensichtlichen Erklärungen, denn auch andere europäische Länder haben BA.5-Anstiege ohne Zunahme der Letalität.» Für mehr Klarheit müsse man noch etwas abwarten: «In einem Monat werden wir wissen, ob sich etwas Ähnliches auch bei uns einstellt.»

In Deutschland liegt die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Donnerstag bei 276,9. Am Vortag hatte der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei 238,1 gelegen (Vorwoche: 221,4; Vormonat: 499,2). Allerdings liefert die Inzidenz kein vollständiges Bild der Infektionslage. Neue Daten zur Verbreitung der Omikron-Subvariante BA.5 werden am Donnerstagabend im RKI-Wochenbericht erwartet. Zuletzt hatte sich der Anteil in einer Stichprobe im Wochentakt verdoppelt, aber noch auf niedrigem Niveau.

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