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Sonderveröffentlichung

Schuppenflechte kommt in Wellen

Viele Menschen mit Psoriasis (Schuppenflechte) fühlen sich dem Auf und Ab der Symptome hilflos ausgeliefert. Wie sich die Krankheit erfolgreich behandeln lässt, erklärt Dr. Dagmar Wilsmann-Theis von der Psoriasis-Spezialsprechstunde am Universitätsklinikum Bonn.

Foto: Pexels

Nach Neurodermitis ist Psoriasis die zweithäufigste chronische Hauterkrankung. In Deutschland sind etwa zwei Millionen Menschen davon betroffen. Die klassischen Hautsymptome sind punktförmige, rote Stellen auf der Haut mit silbrig-weißen Schuppen, die oft jucken. Die Schuppenflechte kann die gesamte Haut befallen. „Es können aber auch nur zwei, drei weitere Stellen zusätzlich befallen sein, etwa am Gehörgang oder Bauchnabel“, erklärt Dr. Wilsmann-Theis.

Jede Psoriasis ist anders

Eine besondere Schwierigkeit, die vielen Menschen mit Schuppenflechte zusätzlich zu schaffen macht, liegt im schubhaften Verlauf der Krankheit. Die Hautsymptomatik tritt meist überraschend auf, wenn spontan ein Schub einsetzt. Die Dermatologin Wilsmann-Theis spricht lieber von Wellen statt von Schüben: „Wie eine Welle ist auch eine Verschlimmerung der Psoriasis in Bezug auf Häufigkeit, Dauer und Intensität ihres Auftretens individuell verschieden und hat auch bei dem einen Patienten nicht immer den gleichen Verlauf.“

Persönliche Auslöser können zum Beispiel Stress, Übergewicht, Alkohol oder Zigaretten sein, erklärt Wilsmann-Theis. Auch Medikamente oder bestimmte Stoffe, mit denen die Haut in Kontakt kommt, kämen infrage. Je bewusster man den individuellen Lebensstil auf das Risiko von Schüben abstimmt, desto besser können Symptome gelindert werden.

Lebenslange Therapie notwendig

Psoriasis ist nicht heilbar, kann aber gut behandelt werden. Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Wie hoch er eingestuft wird, hängt vom Ausmaß der betroffenen Körperstellen und von der psychischen Belastung ab, die durch die Krankheit ausgelöst wird. Ein offener Austausch von Patient und Arzt ist daher grundlegend für eine erfolgreiche Therapie.

Dagmar Wilsmann-Theis weist darauf hin, dass Patienten ihre Behandlung auch in symptomfreien Phasen fortsetzen sollten: „Psoriasis ist eine chronische Erkrankung, die wellenförmig verläuft, das heißt, auch nach längeren symptomfreien Phasen kann sie erneut ausbrechen. Deshalb sollte die Therapie geeignet, also gut wirksam, sein, stets regelmäßig, konsequent und dauerhaft durchgeführt werden. Dann lassen sich die Wellen bestmöglich unter Kontrolle halten, das heißt, sie kommen möglichst schwach, kurz und selten.“

Biologika als wichtige Säule der Therapie

Die Ursache von Psoriasis liegt in einer Fehlfunktion des Immunsystems. Dort ruft der Auslösereiz eine übersteigerte Abwehrreaktion hervor, die eine chronische Entzündung im Körper provoziert. Die Folge ist eine übermäßige Vermehrung von Hautzellen. Sie sterben bald ab und liegen als silbrige Schuppen auf der Haut. Bei milden Verläufen kann die Hautsymptomatik durch Salben oder Cremes behandelt werden. Auch eine Bestrahlung mit UV-Licht ist möglich, erfordert aber meist regelmäßige Besuche in der Arztpraxis.

Systemische Therapien setzen direkt bei der Immunreaktion an, welche die Hautsymptomatik verursacht. Basismedikamente können die Reaktion des Immunsystems dämpfen und damit das Entzündungsgeschehen reduzieren. Sie kommen bei mittelschweren bis schweren Verläufen zum Einsatz und werden in der Regel als Tabletten und Pillen verabreicht.

Für Dagmar Wilsmann-Theis sind Biologika „eine der wichtigsten Säulen der Therapie. Das sind aktuell biologisch hergestellte Antikörper aus der Gruppe der TNF-alpha-, Interleukin-17- und Interleukin-23-Inhibitoren, die den Entzündungsprozess an verschiedenen Stellen erfolgreich blockieren. Studien ergaben, dass sie das Hautbild um bis zu 90 bis 100 Prozent verbessern können. Die Schuppenflechte ist dann quasi nicht mehr sichtbar.“

Bei Biologika ist es besonders wichtig, dass die Therapie konsequent durchgehalten wird. Die Medikamente werden injiziert. Oft führt das Verschwinden der Schuppenflechte dazu, dass Patienten keine weiteren Spritzen mehr wollen. Die Fehlfunktion des Immunsystems bleibt aber bestehen und wird in der Regel wieder aktiv, wenn Biologika abgesetzt werden.

Das Risiko für Folgeerkrankungen steigt, wenn die Schuppenflechte unbehandelt bleibt. Dazu zählt auch Psoriasis-Arthritis, an der etwa zehn Prozent der Menschen mit Schuppenflechte zusätzlich erkranken. Sie führt zu entzündeten Gelenken und schlimmstenfalls zu Gelenkzerstörung. Auch Begleiterkrankungen wie Adipositas oder Diabetes treten häufiger auf, wenn keine Psoriasis-Therapie stattfindet.

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