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MINT Beschäftigte sind bei Unternehmen gefragter als je zuvor

Industrie 4.0 war bereits vor Corona ein Stichwort. Doch aufgrund der Pandemie wurde die Entwicklung hin zu einer digitalisierten, vernetzten Wirtschaft noch einmal beschleunigt. Dementsprechend groß ist auch die Nachfrage nach MINT Beschäftigten, insbesondere IT-Fachkräften. Denn viele Betriebe verfügen zwar über genügend Ressourcen, um die Digitalisierung voranzutreiben, aber nicht über genügend Know-how, mit welchem die neue Technik eingesetzt und gepflegt werden kann.

Aschendorff Medien

Foto: Colourbox

Fachkräftemangel wird immer größer

Laut des MINT-Frühjahrsreports 2021 des Instituts der deutschen Wirtschaft waren im April rund 360.000 MINT-Stellen unbesetzt. Auf dem Arbeitsmarkt waren etwa 230.000 Personen als arbeitslos gemeldet, die gerne MINT-Berufe ausüben würden. Daraus ergibt sich eine Differenz von etwa 130.000 Stellen, die nicht besetzt werden können. Besonders oft gesucht sind erfahrene Softwareentwickler.

Dieser Fachkräftemangel wird sich in Zukunft noch erhöhen. Denn nicht nur die Digitalisierung, sondern auch die Energiewende und der demografische Wandel spielen für Unternehmen eine große Rolle. Die neuen Technologien der Energiewende benötigen auch neues, ausgebildetes Personal. Und viele erfahrene Mitarbeiter gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand, während es nicht genügend junge Leute gibt, die über die adäquaten Kompetenzen verfügen, um nachzurücken.

Neue Geschäftsmodelle benötigen neues Personal

Hinzukommt, dass sich in den letzten Jahren viele neue digitale Geschäftsmodelle gebildet haben, welche besonders stark auf MINT-Fachkräfte angewiesen sind. Diese konkurrieren mit traditionellen Unternehmen, welche aufgrund von Digitalisierung, Dekarbonisierung und demografischem Wandel momentan ebenfalls nach Fachkräften suchen. Doch viele dieser digitalen Geschäftsmodelle, wie Datenanalyse, autonome Logistik und E-Commerce sind wettbewerbsentscheidend für die jeweiligen Unternehmen.

MINT-Fachkräfteangebot durch Corona reduziert

Durch die Corona-Krise kann es in den kommenden Jahren zu Rückschritten bei der Fachkräftesicherung kommen. Zum einen wären da die betroffenen Schüler: aufgrund der Pandemie kam es landesweit zu Schulschließungen, in vielen Fällen kam es zu Lernverlusten. Der MINT-Frühjahrsreport geht davon aus, dass die Schulschließungen zu einem Rückgang bei den PISA-Kompetenzen von etwa 20 Punkten führen werden. Dadurch könnten gravierende Probleme bei der Sicherung der Ausbildungsreife von Schulabsolventen auftreten. Auch an den Universitäten und Hochschule kommt es zu Problemen. 2020 gab es größere Abbrecherquoten als in den Jahren davor und es kamen weitaus weniger Bildungsausländer nach Deutschland. In Kombination mit den Problemen an den Schulen gab es deshalb weitaus weniger eingeschriebene in MIND-Erstsemestern als in den Jahren davor. Zusätzlich gab es auch weniger berufsorientierende Maßnahmen, da Events, Praktika und Studienorientierungsveranstaltungen wegfielen.

IT-Arbeitsmarkt besonders betroffen

Besonders Softwareentwickler, IT-Projektmanager und Data-Scientist werden überall benötigt. In größeren Unternehmen arbeiten diese dann öfter an neuen Projekten und firmeneigenen Produkten. Aber auch KMU werden diese Berufe benötigt. Besonders bei traditionellen Betrieben, welche sich jetzt endlich digitalisieren, werden kompetente Fachkräfte benötigt, die bei der Umsetzung digitaler Projekte behilflich sind. Doch auch dort leiden Betriebe unter dem Fachkräftemangel, da sich junge Leute oftmals gegen KMU entscheiden.

Lösungsmöglichkeiten für Fachkräftemangel

Im MINT-Frühjahrsreport formuliert das Institut der deutschen Wirtschaft auch mehrere Lösungsansätze, um dem zunehmenden Mangel an Fachpersonal entgegenzuwirken. Allem voran soll die digitale Infrastruktur an Schulen ausgebaut werden, damit Schülern und Lehrenden zusätzliche technische Geräte zur Verfügung stehen. Zudem soll eine bundesweite Lernplattform mit hochwertigen digitalen Inhalten aufgebaut werden. Um diesen Transformationsprozess voranzubringen, sollen 20.000 neue Stellen für IT-Administrator an Schulen geschaffen werden, die die Lehrenden bei ihren Tätigkeiten unterstützen. Auch sollen Lehrkräfte digital weitergebildet werden. Zudem soll eine Lernsoftware mit KI-Technologie entwickelt werden, welche die Schüler motiviert und so Lerndefizite beheben kann.

Um die MINT-Bildung an Schulen zu stärken, sollen coronabedingte Lernlücken bundesweit mit neuen Lernkonzepten in den Sommerferien und Wochenenden geschlossen werden. Auch soll das Schulfach IT erheblich ausgebaut werden. Da es auch dort in Zukunft zu Lehrkraftmangel kommen kann, sollen bereits jetzt die Ausbildungskapazitäten für Lehrkräfte in diesem Bereich gesteigert werden. Dabei könnten Quereinsteiger und ausländische Fachkräfte helfen.

Abschließend sollen Mentorenprogramme, Feedback und Berufsorientierung ausgebaut werden, um MINT-Berufe attraktiver zu machen. Besonders Frauen schätzen sich bei gleichen Kompetenzen immer noch als schlechter für MINT-Berufe geeignet ein. Durch eine klischeefreie Studien- und Berufsorientierung sollen die Potenziale von Frauen für diesen Berufszweig in Zukunft besser erschlossen werden. Letztlich sollen Investitionen in Forschung und Entwicklung erhöht werden und Unternehmen, die sich aktiv digitalisieren subventioniert werden. Auch im Bereich Energiewende sollen in Zukunft größere Geldbeträge für Betriebe, die sich aktiv mit dem Thema beschäftigen, zur Verfügung stehen. Dadurch sollen zukünftige Kompetenzbedarfe für Technologien wie Big Data, maschinelles Lernen und Quantencomputer gedeckt werden. Auch sollen zukünftige Anreize und Kapazitäten an Hochschulen geschaffen werden, um mehr Menschen auf eine berufliche Laufbahn in einem MINT-Bereich vorzubereiten.

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