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Job-Protokoll

Was macht eigentlich ein Falkner?

Alveslohe/Hamburg (dpa/tmn)

Vögel nahe der Start- und Landebahnen können Flugzeuge schnell in Gefahr bringen. Um sie zu vergrämen, sind zum Teil spezielle Falkner an Flughäfen im Einsatz - mit speziell trainierten Greifvögeln.

Von Sabine Meuter, dpa

Falkner mit Spezial-Einsatzgebiet: Herbert Boger ist mit seinen Wüstenbussarden am Flughafen Hamburg für die Vogelvergrämung zuständig. Foto: Markus Scholz/dpa-tmn

Es sind die weitläufigen Grünflächen an Flughäfen, die immer wieder Schwärme von Vögeln anlocken. Doch willkommen sind dort die tierischen Besucher nicht. Das Risiko, dass Tauben, Krähen oder andere Arten in die Triebwerke der Flugzeuge geraten und dort schwere Schäden anrichten und so den Flugverkehr gefährden, ist groß.

Um die Vögel von den Grün-Arealen rund um die Start- und Landebahnen zu vertreiben, setzen manche Flughäfen auf Falkner - wie Herbert Boger aus Alveslohe (Schleswig-Holstein). Im Jobprotokoll erzählt er von seinen Einsätzen am Flughafen Hamburg:

Mein Beruf - einfach erklärt

Ich arbeite mit Greifvögeln unterschiedlicher Art. Das sind beispielsweise Falken und Wüstenbussarde. Ich züchte und pflege sie und trainiere mit ihnen für die Jagd auf andere Vögel und auch auf Wildtiere. Die Jagd mit Greifvögeln nennt sich Beizjagd. Es geht dabei darum, dass Tiere (Greifvögel) andere Tiere (zum Beispiel Tauben oder Möwen) vertreiben, ohne sie zu töten. Das kann etwa auf Flughäfen, aber auch in Innenstädten, in Parkanlagen oder etwa auf Ölplattformen sein.

Wie mein Joballtag aussieht

Ich halte in großen Volieren zehn Greifvögel. Morgens kontrolliere ich als erstes, ob meine Jagdkumpanen die Nacht gut überstanden haben. Dann bade und füttere ich sie. Für Letzteres stelle ich täglich frisches Fleisch in Form etwa von Mäusen, Kaninchen und anderen Tieren bereit. Später reinige ich die Voliere.

Danach beginne ich damit, mit jedem einzelnen Vogel zu trainieren. Das geschieht mithilfe einer Beuteattrappe, die auch Federspiel heißt. Die Attrappe ist an einer Schnur befestigt, die ich in die Luft schwinge. Auf diesem Federspiel befindet sich eine Belohnung in Form eines Stück Fleischs. Der Vogel will nun die vermeintliche Beute greifen. Ich als Falkner ziehe indes dem Vogel die Attrappe weg.

So trainiere ich mit dem Tier das Vorbeifliegen, Wenden und erneute Anjagen. Wie oft ich die Attrappe wegziehe, hängt vom Trainingszustand des Tieres ab. Mit der Attrappe an der Schnur lässt sich auch trainieren, dass der Vogel immer wieder zu mir als Falkner zurückkehrt.

Grundlage für ein gutes Miteinander zwischen Vogel und mir als Falkner ist Vertrauen. Ein weiteres Element ist die positive Verstärkung, das bedeutet, das Tier bekommt für ein vom Falkner erwünschtes Verhalten eine Belohnung - also Fleisch.

Wie meine Einsätze am Flughafen konkret ablaufen

Ich bin mit meinen Greifvögeln das ganze Jahr über etwa zwei- bis dreimal pro Woche am Flughafen. Aber nie an bestimmten Tagen und niemals zu immer den gleichen Uhrzeiten. Das würden die Tauben, Krähen und Möwen, die von den Rändern der Start- und Landesbahnen zu vertreiben sind, irgendwann kapieren und sich darauf einstellen. Ich komme mit meinen Jagdkumpanen entweder morgens oder mittags oder abends an unterschiedlichen Tagen in der Woche. Ich stimme mich vorher immer mit dem Förster des Flughafens ab.

Zwei- bis dreimal die Woche am Flughafen zu sein, ist insofern ausreichend, weil die Greifvögel die Vogelschwärme in der Regel für zwei bis drei Tage verscheuchen.

Die schönen Seiten und Herausforderungen im Job

Es macht unglaublich viel Spaß, mit Greifvögeln zu arbeiten. Jedes Tier hat einen anderen Charakter, und es ist schön, das zu erleben und damit umzugehen. Ich bin viel draußen in der Natur, das liegt mir einfach. Und: Jeder Tag ist anders, immer wieder gibt es irgendetwas Neues. Langeweile im Job kenne ich nicht.

Es kann aber vorkommen, dass einer meiner Greifvögel im Jagdeifer vor eine Fensterscheibe fliegt und sich verletzt. Oder in einen Drahtzaun landet und sich dabei ebenfalls Blessuren zuzieht. Daher ist es wichtig, dass ich als Falkner wachsam und hochkonzentriert bin, damit ich gegebenenfalls die Greifvögel rechtzeitig zurückrufen kann.

Mein Weg in den Beruf

Schon als Kind war ich von Tieren umgeben und ihnen sehr verbunden. Später habe ich zunächst mit Pferden gearbeitet. Ich war als Pferdewirt auf Reitanlagen tätig, später als Berufsreiter und habe an internationalen Turnieren teilgenommen.

Weil mich auch andere Tiere sehr interessiert haben, habe ich den Jagdschein gemacht und die Falknerprüfung abgelegt. Auf meiner Reitanlage habe ich eine große Voliere gebaut und mir den ersten Greifvogel gekauft. So fing alles an. Später kamen die ersten Zuchtpaare dazu.

Zu meinen Einsätzen am Flughafen Hamburg bin ich über Kontakte gekommen. Der Förster am Airport war ratlos, weil die Jagd auf Vogelschwärme an den Start- und Landebahnen mit Waffen verboten ist. Schließlich kam ein mit dem Förster befreundeter Tierarzt auf die Idee, einen Falkner zu engagieren - und so nahm man Kontakt mit mir auf.

Wo Falkner sonst noch arbeiten

Wir Falkner machen viel Öffentlichkeitsarbeit und informieren über Greifvögel. Einige wenige arbeiten in Tierparks, Wildtiergehegen oder Schaufalknereien. Falkner kommen daneben zum Beispiel in Städten zum Einsatz oder etwa in der Land- und Forstwirtschaft, um Tauben und Krähen zu vergrämen. Allerdings sind die wenigsten Falkner in Deutschland fest angestellt und können von ihrem Job leben. Für die meisten ist die Tätigkeit eher ein Hobby oder ein Zuverdienst.

Wie die Verdienstmöglichkeiten aussehen

Das hängt sehr vom jeweiligen Einsatz ab. Falkner können ein Honorar bekommen, die Höhe ist zumeist Verhandlungssache. Sind Falkner fest angestellt, können sie laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit bis etwas über 3400 Euro brutto im Monat verdienen. Das Einkommen kann aber je nach Arbeitgeber auch deutlich darunter oder darüber liegen.

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