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Auch in Münster gibt es Lieferengpässe

Die Folgen der Pandemie belasten zahlreiche Unternehmen im Münsterland. Dabei geht es nicht nur um die Verluste, sondern auch um den Fachkräftemangel wie auch die Lieferengpässe sowie die sehr hohen Rohstoff- und Energiepreise. Diese sehen die Unternehmen aller Branchen als aktuellen Belastungsfaktor. Auch wenn die Unternehmen wieder auf einem guten Weg sind, belasten diese Faktoren die Stimmung deutlich.

Aschendorff Medien

Foto: Colourbox.de

Die Waren werden immer teurer

Seit dem Tiefstand der Frachtkosten im Jahr 2019 haben sich die Kosten mittlerweile verdreifacht. Daran ist nicht nur die Krise schuld, auch das Containerschiff MV Ever Given, welches im März 2021 im Suezkanal festsaß, hat eine Teilschuld an den hohen Preisen. Zudem fehlen Container und die Chinesen kommen fast nicht mehr nach mit der Lieferung. Während der Transport von China nach Deutschland etwas über 12.000 Euro kostet, ist die Retourstrecke fast ein Schnäppchen und schlägt nur mit knapp 1.400 Euro zu Buche. Dennoch überlegen sich bei diesen Preisen viele Unternehmer, ob sie diese Lieferung dringend brauchen, da die Kosten einfach das Budget überschreiten.

Gleichzeitig haben die Chinesen ein Lieferproblem. Es fehlen Container, um die Waren zu verschiffen und nach Europa zu senden. Somit werden die Frachtkosten immer teurer und es ist kein Ende in Sicht.

Die Erträge sinken und die Kosten steigen

Wie die IHK Nord Westfalen in Münster angibt, sind mehr als 90 % der Unternehmen von den Preissteigerungen bei Rohstoffen und Vorprodukten betroffen. Zudem heißt es, dass knapp zwei Drittel der Firmen einen Preisanstieg in erheblichem Umfang registrieren. Insbesondere die Industrie ist mit rund 80 % am stärksten davon betroffen. Doch auch Branchen kämpfen mit sinkenden Erträgen und höheren Kosten.

Gerade die Handwerksbetriebe im Münsterland kämpfen mit den Lieferengpässen und den steigenden Kosten. Rund 95 % der Betriebe haben Beschaffungsprobleme bei Metallen, Mikrochips, Kunststoffen und Elektronikteilen, weiß die Handwerkskammer Münster. Doch auch Dämmstoffe und Holz fehlen, um Aufträge durchführen zu können.

Sehr schwer ist jedoch die Kfz-Branche betroffen. Hier fehlt es praktisch an allem, was bedeutet, dass viele Reparaturen nicht durchgeführt werden können. Gleiches ist auch bei den Metall- und Elektromaschinenbauern zu beobachten.

Somit müssen rund 60 % der betroffenen Betriebe Aufträge verschieben oder stornieren, da einfach die Teile, die benötigt werden, fehlen. Hinzu kommen noch die hohen Einkaufspreise, die es immer schwerer machen, den Kunden ein vernünftiges Angebot zu unterbreiten.

Produktionsstopps sind an der Tagesordnung

Durch die Engpässe kommt es nun in vielen Unternehmen quer durch die Branchen zu Produktionsstopps. Die Mitarbeiter müssen in Kurzarbeit und es kommt bei den Mitarbeitern wie auch bei den Unternehmen zu Verlusten. Wie der Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen in Münster, Dr. Fritz Jaeckel sagt, müssen rund 40 Betriebe der Industriebetriebe im Münsterland und der Emscher-Lippe-Region die Produktion drosseln. Teilweise weil oft nur ein einziges Teil fehlt. Laut Jaeckel ist auch derzeit kein Ende in Sicht. Allerdings rechnen etwas mehr als 55 % der Unternehmer, dass sich die Liefersituation in der zweiten Jahreshälfte bessert. Einige sind sogar davon überzeugt, dass dieser Lieferengpass noch deutlich länger anhält.

Weiterhin kommt hinzu, dass die explodierenden Preise auf den Energiemärkten ebenfalls zu Verlusten führt. Daher wäre die Abschaffung der EEG-Umlage ein richtiger und auch wichtiger Schritt, um die Bürger wie auch die Unternehmen zu entlasten.

Dennoch ist die Beschäftigungssituation trotz der Pandemie im Münsterland durchweg gut. Wie die IHK mitteilte, steigerte sich die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse um 3,5 %. Dies heißt, dass von Mitte 2019 bis Mitte 2021 rund 670.000 mehr Menschen Arbeit hatten.

Auch wenn sich die Situation langsam etwas bessert, heißt dies noch lange nicht, dass die Preisspirale sich nicht weiter dreht. Insbesondere der Ukraine-Konflikt setzt die Weichen. Auch wenn es derzeit danach aussieht, dass sich die Lage etwas beruhigt, kann es jederzeit wieder dazukommen, dass sich die Krise verschärft.

Zudem hält die EZB an der Nullzins-Politik fest, was ebenfalls dazu führt, dass die Verbraucher und Unternehmen verunsichert sind, wohin die Inflation noch geht. Es sind derzeit einfach zu viele Faktoren, die Lieferengpässe, Preissteigerungen der Lebenshaltungskosten und Energiekosten mit einspielen. Ob sich dies in aller nächster Zukunft ändert, steht leider in den Sternen. Im Grunde können wir nur abwarten, wie es weiter geht und ob sich die Situation hoffentlich bald entschärft, damit Unternehmer wie auch Verbraucher wieder mehr Zuversicht und Hoffnung haben können.

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