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Was macht eigentlich ein Detektiv?

Durch Bücher oder Filme hat bestimmt jeder schon einmal etwas von Detektiven gehört. In fiktionalen Geschichten gehen sie Verbrechen aller Art auf die Spur, um den oder die verantwortlichen Bösewichte zu finden. In der Realität ist das Aufgabenfeld von Detektiven zwar weniger spektakulär, langweilig ist die Arbeit allerdings fast nie.

Aschendorff Medien

Foto: Colourbox

2020 kam es in Deutschland zu mehr als 5,3 Millionen polizeilich erfassten Straftaten. Ein Teil davon wurde durch Detektive aufgedeckt. In Deutschland kann sich theoretisch fast jeder Erwachsene nach einer entsprechenden Gewerbeanmeldung Detektiv nennen, denn es ist kein gesetzlich geschützter Begriff. Es existiert aber eine Zentrale Ausbildungsstelle im Detektivgewerbe (ZAD) die Privatermittler/Detektive mit IHK-Fachzertifikat ausbilden. Zudem gibt es Fortbildungsseminare des Bundes Internationaler Detektive (BID). Doch wofür genau sind solche Detektive zuständig und was dürfen sie eigentlich?

Rechte von Detektiven

Ein Detektiv hat nicht mehr oder weniger Rechte als ein normaler Bürger. Er darf also nicht illegal Gespräche abhören, GPS-Sensoren an Fahrzeugen anbringen oder fremdes Eigentum durchsuchen. Dennoch verfügen Detektive oftmals über ein ausgeprägtes Verständnis für juristische Vorgänge, Insiderwissen und zahlreiche Kontakte. Viele Detektive haben zudem im Vorfeld Tätigkeiten im Kriminal- oder Polizeivollzugsdienst ausgeübt. Detekteien sind nicht auf bestimmte Regionen oder Städte beschränkt, sondern können für ihren Kunden überall ermitteln. Dadurch ist es egal, ob ein Detektiv in Münster, München oder Mönchengladbach arbeiten soll. Auch internationale Einsatzgebiete wie London, Mailand oder Moskau sind nicht ungewöhnlich.

Streitigkeiten mit dem (Ex)-Partner

Besonders zwischen Partnern oder ehemaligen Partnern kommt es oft zu Streitigkeiten, bei denen die Seite mit mehr Wissen erfolgreich hervorgeht. Um mehr Wissen zu haben, lohnt sich in der Ehe die Beauftragung eines Privatdetektivs. Dieser kann dann beispielsweise ermitteln, ob der Ehemann oder die Ehefrau fremd geht. Laut einer Statistik sind 31 % aller Frauen und 29 % aller Männer in Deutschland schon einmal untreu gewesen. Doch oftmals geht es weniger um Eifersucht, und mehr um oftmals viel Geld.

Besonders Sorgerechtsstreitigkeiten und die Debatte um eventuelle Unterhaltszahlungen benötigen gegebenenfalls einen Privatdetektiv. Dieser kann dann beispielsweise ermitteln, ob ein Elternteil nebenbei schwarz arbeitet, um Kürzungen von Unterhaltszahlungen zu vermeiden. Oder ob ein Kind rechtmäßig behandelt wird. Privatdetektive können etwaige Missstände aufklären und für Gerechtigkeit sorgen. Auch bei kleineren Vergehen wie regelmäßiger Lärmbelästigung kann sich die Beauftragung eines Detektivs lohnen, um Verstöße gegen geltendes Recht lückenlos festzuhalten.

Vorgehen gegen Blaumacher

Neben privaten Einsatzorten werden Detektive besonders in der Wirtschaft eingesetzt. Etwa drei Viertel aller Einsätze von Detektiven finden in der Wirtschaft statt. Und es gibt viel zu untersuchen. Ganz vorne steht das Untersuchen von Blaumachern. Etwa 2 Millionen Deutsche melden sich regelmäßig krank, um nicht arbeiten zu müssen. Für die Wirtschaft entsteht dadurch ein Schaden von über 1,4 Milliarden Euro. Jeder zehnte Blaumacher nimmt sich mehr als neun Tage frei, obwohl diese ihm eigentlich nicht zustehen. Und rund acht Prozent aller erwerbstätigen Deutschen denken regelmäßig darüber nach, blau zu machen.

Ein Wirtschaftsdetektiv hat für Unternehmen deshalb mehrere Vorteile. Zum einen werden unrechtmäßige Blaumacher in vielen Fällen bei Vorliegen eines konkreten Verdachts ertappt, wodurch weniger Schaden im Unternehmen entsteht. Zum anderen wird so ein Exempel statuiert, was andere Mitarbeiter davon abhält, sich ebenfalls ohne Grund krank zu melden.

Der Einsatz eines Wirtschaftsdetektivs läuft dann oftmals so ab, dass dieser auf Basis des konkreten Verdachts beim Wohnsitz des vermutlichen Blaumachers vorbeischaut. Falls dieser dann dabei gesehen wird, wie er sein Haus renoviert, aktiv sportliche Tätigkeiten ausführt, einen Umzug absolviert oder in den Urlaub fährt, kann der Detektiv entsprechende Beweise der Mitarbeiterüberwachung an den Arbeitgeber weitergeben. Dieser kann dann die fristlose Kündigung aussprechen. Falls der Arbeitnehmer vor das Arbeitsgericht zieht, können die gesammelten Beweise genutzt werden, um ihn eindeutig zu überführen.

Aufdecken von Industriespionage und Sabotage

Wirtschaftsdetektive können auch als verdeckte Mitarbeiter zum Einsatz kommen, um so über einen längeren Zeitraum festzustellen, ob es Industriespionage oder Sabotageversuche unter den Mitarbeitern gibt. Viele Detektive verfügen über ausgeprägtes technisches Wissen und jahrelange Erfahrung, um Wanzen oder ähnliche Abhörgeräte aufzuspüren. Auch Sabotage oder Diebstähle unter Arbeitnehmern treten häufiger auf, als manch einer denkt. Detektive können dabei helfen, solche Straftäter aufzuspüren und sie schnell dem Unternehmen zu verweisen.

Unternehmer sollten sich allerdings bewusst sein, dass der Einsatz eines Detektivs gegebenenfalls Unruhen unter den Mitarbeitern auslösen kann. Denn das Vertrauen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wird so erheblich strapaziert. Auch zwischen den Mitarbeitern kann es zu Spannungen kommen und die Arbeitsatmosphäre kann sich verschlechtern. Deshalb ist es wichtig nicht alle Mitarbeiter unter Generalverdacht zu stellen und mutmaßlich Verdächtige zur Rede zu stellen. Manchmal geben diese, wenn konfrontiert, freiwillig eine Straftat zu, wodurch sich alle Seiten Kosten und Mühen ersparen können. In einem Unternehmen mit gutem Mitarbeiterzusammenhalt kontrollieren sich die Mitarbeiter zudem oftmals gegenseitig auf Fehlverhalten, wodurch die Notwendigkeit für einen Detektiv entfällt. Eine Beobachtung kommt dann nur bei einem handfesten Verdacht in Frage, der nicht anderweitig aufzuklären ist.

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