1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Leben-und-erleben
  4. >
  5. Top-news
  6. >
  7. So geht Nachhaltigkeit im Alltag

  8. >

Mehr möglich als gedacht

So geht Nachhaltigkeit im Alltag

Berlin (dpa/tmn)

Sich eine nachhaltige Lebensweise anzueignen, geht nicht von heute auf morgen. Im Alltag gibt es aber mehr Ansatzpunkte als man vielleicht denkt. Ideen vom Streaming bis zum Scheuerpulver.

Von Christoph Jänsch, dpa

Unterhaltung, Job, Ernährung: Umweltbewusstes und klimaschonendes Verhalten kann viele verschiedene Lebensbereiche berühren. Foto: Mar/Westend61/dpa-tmn

Müll trennen, Strom sparen, Bahn fahren: alles Möglichkeiten, um nachhaltiger zu leben. Doch der Umweltschutz berührt viel mehr Lebensbereiche als man denkt. Wer bewusst leben möchte, kann mehr tun - zum Beispiel am Arbeitsplatz und beim Lebensmitteleinkauf.

- Job: Wer bei der Ausbildungs- und Berufswahl grün denken will, hat viele Optionen: Dachgärtner? Elektronikerin? Pflanzentechnologe? Bei der Vielzahl an Angeboten fällt die Orientierung gar nicht so leicht. Das Netzwerk Grüne Arbeitswelt gibt auf seiner Webseite Instrumente an die Hand, die junge Menschen dabei unterstützen, zu ihrem nachhaltigen Traumberuf zu kommen.

- Reisen: Flugreisen sollten nach Ansicht von Antje Monshausen von Tourism Watch bei Brot für die Welt immer dann vermieden werden, wenn auch ein weniger klimaschädigendes Verkehrsmittel zum Einsatz kommen könnte. Zum Beispiel die Bahn. Wer doch mal in den Flieger steigen muss, der kann die ausgestoßenen CO2-Emissionen kompensieren - mit einer Spende an Organisationen, die Projekte zur CO2-Einsparung unterstützen. Aber: «Erst kommt reduzieren, dann kommt kompensieren», sagt Monshausen. Weniger zu fliegen, ist also der bessere Schritt.

- Unterhaltung: Heutzutage aufs Streaming zu verzichten, ist für viele Menschen undenkbar. Die Server-Farmen, die es für die Bereitstellung der Inhalte braucht, benötigen aber jede Menge Energie. Mit einigen Tricks geht es ökologischer: Filme, Serien und Musik sollten nicht immer wieder neu gestreamt, sondern einmal auf das Endgerät heruntergeladen und von dort abgespielt werden. Wer das per LAN- oder zumindest WLAN-Verbindung tut, fährt besonders gut.

Wer Videos trotzdem direkt aus dem Netz abspielt, kann die Bildqualität der Videos mindern. Damit sinkt die übertragene Datenmenge und somit auch der Stromverbrauch.

- Ernährung: Lebensmittel müssen häufig viele Hunderte oder sogar Tausende Kilometer zurücklegen, bevor sie im heimischen Kühlschrank landen. Es lohnt sich darauf zu achten, saisonales Obst und Gemüse zu kaufen, das in regionalen Gefilden wächst. So vermeiden Verbraucher nicht nur Umweltbelastungen durch lange Transportwege, sondern etwa auch durch beheizte Treibhäuser. Der Saisonkalender der Verbraucherzentralen hilft bei der Auswahl.

- Haushalt: Beim Wäschewaschen besteht erhebliches Potenzial zur Einsparung von Ressourcen. Los geht es bereits beim Kauf der Waschmaschine. Ein Modell der besten Energieeffizienzklasse sei zwar oft teurer in der Anschaffung, langfristig rechne es sich aber in der Regel durch die Einsparung von Energiekosten, sagt Indra Enterlein vom Naturschutzbund Deutschland.

Beim Waschen selbst reicht eine Temperatur von 30 Grad Celsius oft aus, damit die Wäsche sauber wird. Das kann gegenüber 60-Grad-Wäschen mehr als 50 Prozent der Stromkosten sparen, sagt die Verbraucher Initiative. Das kommt daher, dass die Maschine bis zu 90 Prozent der Energie beim Erhitzen des Wassers verbraucht. Alle zwei bis drei Wochen sollte trotzdem eine 60-Grad-Wäsche laufen, damit sich in der Maschine keine Keime bilden.

Wer weniger aggressive Reinigungsmittel im Haushalt einsetzt, lebt ebenfalls umweltfreundlicher. Die Verbraucherzentralen sagen, dass ein neutraler Allzweckreiniger, Scheuerpulver sowie Essigreiniger oder Zitronensäure vollkommen ausreichen, um jeglichen Schmutz zu entfernen.

Wo es nicht alleine Wasser tut, hilft der Allzweckreiniger - zum Beispiel bei fettigem Schmutz auf dem Fußboden. Bei hartnäckigem Schmutz und Verkrustungen muss das Scheuerpulver ran. Essigreiniger oder Zitronensäure lösen Kalkablagerungen und Urinstein.

- Garten: Wer seinen Garten möglichst ökologisch von Herbstlaub befreien möchte, greift am besten zu Harke und Besen. Denn Laubbläser machen nicht nur Lärm und verbrauchen Kraftstoff oder Strom. Sie schaden auch der Tierwelt. Spinnen, Insekten, Igel und Mäuse, die in den Luftstrom geraten, werden mit ungeheurer Geschwindigkeit weggeschleudert. Noch schneller wird ihnen in Laubsaugern der Garaus gemacht, dort werden sie gleich mitgeschreddert.

Schön fürs Auge, aber ebenfalls schlecht für die Tierwelt ist ein nachts beleuchteter Garten. Das künstliche Licht macht die Nacht zum Tage. Die Folge: Vögel fingen zu früh an zu singen, Insekten und Falter schwirrten sich um die Lichtquelle zu Tode statt nach Futter zu suchen, sagt Marianne Wolff vom Verbraucherservice Bayern. Daher sollte nachts besser alles abgestellt werden, was sinnlos leuchtet.

- Recycling: Waschmaschine, Fernseher, Toaster - wer sich ein neues Elektrogerät anschafft, steht zwangsläufig vor der Frage: Wohin mit dem Altgerät? Am besten man gibt es beim Händler des Neugerätes oder dem kommunalen Wertstoffhof ab. So kann man sicher sein, dass die Geräte professionell recycelt werden und wertvolle Baustoffe der Wiederverwertung zugeführt werden. Sie einfach nur in den Hausmüll zu geben, ist sogar verboten, weil manche Geräte Schadstoffe enthalten.

Aus denselben Gründen sollten übrigens auch Batterien und Akkus der Wiederverwertung zugeführt werden. Super- und Elektromärkte, Drogerien und Baumärkte nehmen die Typen zurück, die sie im Sortiment haben oder hatten. Alternativ müssen sie zum Wertstoffhof gebracht werden.

- Geldanlage: Geld anlegen, um von langfristigen Wertentwicklungen zu profitieren, ist schön und gut. Wer sich ein wenig informiert, muss aber nicht zu den erstbesten Wertpapieren greifen. Es gibt Anlagen, die neben der Rentabilität einer Position auch die ökologische, soziale und ethische Ausrichtung eines Unternehmens in den Blick nehmen - mit Erfolg.

Die Stiftung Warentest hat herausgefunden, dass der herkömmliche Weltaktienindex MSCI World in den vergangenen Jahren schlechter abgeschnitten hat als sein nachhaltiges Pendant, der MSCI World SRI.

Startseite
ANZEIGE