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Wie machen sich die steigenden Zinsen im Baugewerbe bemerkbar?

Mit der Anhebung der Zinsen versuchen die Zentralbanken momentan, die Inflation wieder in den Griff zu bekommen. Die Verknappung der finanziellen Mittel soll die zuletzt gesehenen Preissteigerungen eindämmen.

von Aschendorff Medien

Foto: Pixabay.com

Seit vielen Jahren sind die Zinsen nun wieder im Steigen begriffen. Was Sparer freuen mag, die von höheren Sparzinsen profitieren, ärgert selbstverständlich Kreditnehmer. Vor allem solche, die bereits einen Kredit mit variablen Zinsen haben oder die sich z.B. einen Hauskredit aufnehmen wollten, wird die Situation mitunter sogar prekär. Denn die Kosten steigen teils dramatisch. Manch ein Bauprojekt steht sogar auf der Kippe.

Doppelte Erschwernis: Preissteigerungen und Kreditzinsen

Menschen, die gerade dabei sind oder kurz davor stehen, ihr Haus zu bauen, stehen im Moment vor einer ganz besonders schwierigen Herausforderung. Denn neben der Tatsache, dass die Zinsen für ihre Baufinanzierung ansteigen und sie bald eine deutlich höhere Rate bezahlen müssen, haben auch die Preissteigerungen für Baustoffe aller Art bereits zu einer deutlichen Erhöhung der Baukosten geführt. Manch ein Hausbauer kann sich die Fortführung seiner Baustelle schlichtweg nicht mehr leisten. Wer noch kann, stockt seinen Kredit notgedrungen auf, um zumindest die wichtigsten Arbeiten auf der Baustelle noch fertig zu bekommen. Auch viele Baufirmen haben in den letzten Monaten bereits gemerkt, dass die Auftragslage etwas zurückgeht, und rechnen auch für nächstes Jahr mit keiner großen Besserung. Dabei profitiert die Baubranche noch von vielen Projekten, die in der Coronazeit aufgeschoben wurden und nun fortgeführt werden.

Viele sichern sich noch schnell den Baukredit

Neben der Entwicklung, die zu weniger Bautätigkeit führen, zeigt sich auch noch eine andere Entwicklung. Denn viele, die ihr Hausprojekt bereits fertig geplant haben und in Kürze die Bauphase beginnen wollen, sichern sich gerade jetzt noch ein Baudarlehen mit möglichst langer Fixzinsgarantie. Denn die Angst ist groß, dass die Zinsen noch weiter ansteigen und der Kredit mitunter in einem Jahr noch deutlich teurer ist als jetzt.

Investoren haben mit anderen Herausforderungen zu kämpfen

Auf Investoren wirkt sich die Zinssituation zumindest direkt weniger stark aus als auf die privaten Hausherren. Denn sie operieren häufig mit privaten Investments und haben mehr liquide Mittel zur Verfügung, um die Baustellen fortzuführen. Doch gerade bei Großbaustellen kommt es dennoch zu Verzögerungen oder sogar Stopps. Der Grund hierfür liegt aber oft in einer Rohstoffknappheit. Denn viele dringend benötigte Baustoffe stehen am Markt schlichtweg gar nicht in ausreichender Menge zur Verfügung. Zudem ändert sich auch die Kalkulationsbasis für die Vermietung oder den Verkauf von Wohnungen. Denn schließlich müssen die Käufer von Wohnungen häufig auch einen Kredit für den Ankauf aufnehmen und bezahlen dort wiederum höhere Zinsen. Der Absatz an Wohnungen droht sich demnach nicht mehr so einfach realisieren zu lassen, wie dies bisher der Fall war. Aus diesen Gründen steigen auch große Bauunternehmen und Investoren auf die Bremse und gehen mit Neuprojekten eher vorsichtiger um.

Noch ein weiter Weg zur Immobilienkrise

Allen negativen Meldungen zum Trotz zeigen sich Experten jedoch davon überzeugt, dass mit einer Immobilienkrise in Deutschland in naher Zukunft nicht zu rechnen ist. Denn auch wenn Immobilien aufgrund der höheren Zinsen demnächst teurer werden dürften, bleibt die Nachfrage bislang stabil. Gleichzeitig sehen viele Menschen ihre Immobilie nicht nur als Wohnobjekt an, sondern auch als guten Inflationsschutz. Insbesondere in einer Zeit, in der eine hohe Inflation herrscht, wie es bereits seit Jahrzehnten nicht mehr der Fall war, kommt dieses Argument natürlich verstärkt zum Tragen. Dennoch dürfte die Baubranche einen deutlichen Dämpfer bei den Neuaufträgen bzw. beim Auftragsvolumen erfahren. Diese wiederum könnte aber zumindest die Baumaterialsituation entspannen und an dieser Front dazu führen, dass viele Projekte dann doch verwirklicht und zu einem Abschluss gebracht werden können. Abzuwarten bleibt freilich, ob weitere Zinssteigerungen folgen werden, die die Situation wieder verschärfen würden.

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