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Schauspielerin

Anna Thalbach ist gelangweilt vom Schwächenzoom

Berlin (dpa)

Die 49-Jährige will zuerst das Gute in ihrem Gegenüber sehen, nicht das Schlechte. Lob sei immer produktiver als Kritik, meint sie.

Von dpa

Anna Thalbach spielt die Titelrolle in «Marie Antoinette oder: Kuchen für alle!» in Berlin. Foto: Christophe Gateau/dpa

Schauspielerin Anna Thalbach (49) ist nach eigenen Worten gelangweilt, wenn Menschen bei anderen nur das Negative suchen. Jeder sollte ihrer Meinung nach bestrebt sein, die Vorzüge eines anderen hervorzuheben. «Das ist für mich ein moralisches Anliegen», sagte Thalbach der Deutschen Presse-Agentur. «Ich möchte auch von Menschen umgeben sein, die meine schönen Seiten zum Klingen bringen und nicht meine hässlichen Seiten herauskitzeln.»

Auch bei ihren Figuren will Thalbach so vorgehen. Für die Komödie am Kurfürstendamm setzt sie sich derzeit mit der französischen Königin Marie Antoinette auseinander. Uraufführung ist an diesem Sonntag (30. Oktober). «Ich möchte an Menschen erstmal das Nette, das Schöne, das Starke entdecken. Es langweilt mich, mich auf Schwächen zu fokussieren», sagte Thalbach.

Tipp: Mit Kritik geizen

In der öffentlichen Diskussion etwa über Politikerinnen und Politiker laufe es aber oft anders? «Ja, aber in meiner Welt halte ich das für einen falschen Ansatz. Für einen destruktiven und nicht konstruktiven Ansatz.» Lob sei immer produktiver als Kritik. Auf die Frage, ob es Situationen im Alltag gebe, wo sie sich Kritik öfter verkneife, sagte sie: «Ich muss das voll üben. Ich bin megakritisch.»

Sollte man Politikerinnen und Politiker aktuell auch vorsichtiger beurteilen, etwas mitfühlender? «Das ist ein sehr komplexes Thema», sagte Thalbach. «Das Schwierige am Sprechen über Politik ist, dass wir nur einen kleinen Teil beurteilen können. Und es dadurch in der Bewertung doch bei einer Stammtischmeinung bleibt. Und Stammtischmeinung - «ich gehöre zu Team Rot, ich gehöre zu Team Blau» - ist auch nicht konstruktiv. Mit Kritik sollte man geizig sein.» In diesen Zeiten sei es doch interessanter, wenn man nicht frage: «Wie bewerte ich einen Politiker? Bewerfe ich ihn mit Eiern oder Blumen?», sondern: «Was kann ich tun? Wie kann ich mich beteiligen?»

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