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Monarch

Omnipräsent auch in der Ferne: Thailands König wird 70

Bangkok (dpa)

Seit sechs Jahren ist Maha Vajiralongkorn König von Thailand. Er musste in riesige Fußstapfen treten, denn sein Vater Bhumibol wurde fast gottgleich verehrt. Der Monarch macht sich seither rar - dennoch ist er im Land überall präsent.

Von Carola Frentzen, dpa

Thailands König Maha Vajiralongkorn nimmt an der Zeremonie anlässlich des Beginns der Anbausaison für Reis teil (2019). Nun wird er 70. Foto: Chaiwat Subprasom/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa

Wo und wie König Maha Vajiralongkorn seinen runden Geburtstag feiert, das weiß in Thailand fast niemand. Wer sich auf den Straßen der Hauptstadt Bangkok umhört, erntet Schulterzucken. In der Heimat ist der Monarch nur selten zu sehen, meist bei offiziellen Zeremonien.

Die meiste Zeit verbringt er wohl in Bayern, in seiner Villa am Starnberger See, aber auch von dort dringt mittlerweile kaum noch etwas über ihn und sein Leben an die Öffentlichkeit. Bekannt ist: Mit einem geschätzten Vermögen von 30 Milliarden Dollar (über 29 Milliarden Euro) gilt Rama X., so sein offizieller Name, als reichster Royal der Welt. Diesen Donnerstag (28. Juli) wird er 70 Jahre alt.

Sonderfahrten mit Dampflokomotiven

Der Geburtstag des Königs ist in Thailand immer ein öffentlicher Feiertag. In diesem Jahr dürfen sich die Bürger sogar auf ein langes Brücken-Wochenende freuen. Die staatliche Eisenbahn feiert den Tag mit Sonderfahrten von zwei Dampflokomotiven aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie bringen Interessenten auf einer historischen Route von Bangkok ins 80 Kilometer entfernte Ayutthaya, die frühere Hauptstadt des Königreichs Siam. So könnten Thais «an den Feierlichkeiten teilnehmen und ihre Loyalität gegenüber Seiner Majestät zeigen», zitierte die Zeitung «Nation Thailand» einen Bahnsprecher.

Maha Vajiralongkorn wurde als das zweitälteste Kind und einziger Sohn von Bhumibol Adulyadej und Königin Sirikit geboren. Als sein Vater 2016 starb, musste der damals 64-Jährige in riesige Fußstapfen treten. König Bhumibol galt in den sieben Jahrzehnten seiner Regentschaft als volksnah und pflichtbewusst. Von den Untertanen wurde er fast wie ein Gott verehrt. Sein Tod löste im Land eine beispiellose Welle von Trauerbekundungen aus.

Image als Lebemann

Der Kronprinz hingegen hatte eher als Lebemann von sich reden gemacht, der zum Zeitpunkt seiner Krönung bereits drei gescheiterte Ehen hinter sich hatte. Lange wurde er als eine Art asiatischer Vetter von Prinz Charles beschrieben, von dem man nicht wusste, ob er jemals den Thron besteigen würde.

Seine Mutter, die im August 90. Geburtstag feiert, sagte einmal über ihn: «Mein Sohn hat etwas von einem Don Juan. Frauen finden ihn interessant, und er findet Frauen noch interessanter.» Aus seinen Ehen gingen fünf Söhne und zwei Töchter hervor. Sein Sohn und Thronerbe, der 2005 geborene Prinz Dipangkorn, geht - soviel man weiß - in Deutschland auf eine Privatschule. Mit Königin Suthida (44), ehemals Stewardess, nach einigen Beförderungen nun Generalleutnant, ist er seit drei Jahren verheiratet.

Die beiden gaben sich nur wenige Tage vor der offiziellen Krönung im Mai 2019 das Jawort. Als sich Maha Vajiralongkorn Bodin Dradebaya Warangkun (was in etwa so viel heißt wie: «Der König der Blitze, Abkömmling von allmächtigen Gottheiten») offiziell die 7,3 Kilogramm schwere «Goldene Krone des Sieges» aufsetzte, war er schon zweieinhalb Jahre Monarch. Seit Beginn der Chakri-Dynastie 1782 haben erst neun Könige die gewichtige Krone getragen. Das Protokoll ist eisern, in Deutschland lebt es sich leichter.

Aber auch wenn der Regent meist außer Landes weilt, so ist er doch in der Heimat omnipräsent: Allerorts prangen überlebensgroße Porträts, nicht nur in staatlichen Behörden, sondern auch auf Schulhöfen, in der Bahn, vor den riesigen Shopping-Malls und sogar von vielen Hochhäusern blickt er herab. Streng und meist in goldenem Ornat, aber auch in Uniform mit vielen Orden ist er zu sehen, manchmal allein, oft zusammen mit Suthida.

Szenen aus dem Leben des Königs vor jedem Film im Kino

Wie die Offiziellen ihren König gerne sähen, erfährt man am besten im Kino. Vor jedem Film wird ein Zusammenschnitt mit Szenen aus seinem Leben gezeigt, vor allem aber von seiner Krönung. Winkend steht er mit seiner Familie auf einem Balkon, Zehntausende jubeln ihm zu. Dazu wird die feierliche Königshymne gespielt. Als Regel gilt: Jeder soll aufstehen. In jüngster Zeit befolgen aber längst nicht mehr alle die Vorgabe.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Demonstrationen, bei denen die Änderung eines strengen Gesetzes gegen Majestätsbeleidigung gefordert wurde. Auf Kritik am König, an der Königin und anderen Mitgliedern des Hofes stehen drakonische Strafen von bis zu 15 Jahren Haft. Das Thema war in dem südostasiatischen Land lange ein Tabu. Das Königshaus hat in Thailand aber auch weiterhin viele Anhänger.

Thailands Könige haben seit der Abschaffung der absoluten Monarchie 1932 auf dem Papier eigentlich keine politische Macht mehr. Trotzdem spielt das Königshaus eine hochpolitische Rolle: Ohne dessen Gunst kann in Bangkok keine Regierung überleben - auch die Militärs nicht, die seit 2014 wieder an der Macht sind.

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