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Raubüberfälle

Elf Tankstellen in zwei Wochen: Polizei sucht Serientäter

Münsterland/Recklinghausen/Unna

Der Mann ist aus auf Bargeld und Zigaretten und bedroht Mitarbeiter mit einer Pistole. Die Polizei fahndet nach einem Serientäter wegen elf vollendeter und versuchter Raubüberfalle auf Tankstellen in der Region. Wozu Ermittler und Tankstellenbetreiber raten.

Ein Mann überfällt seit Dezember immer wieder Tankstellen unter anderem in den Kreisen Coesfeld und Warendorf. Er fordert, mit einer Schusswaffe in der Hand, die Herausgabe von Bargeld und Zigaretten von den Angestellten. Foto: Dietrich Harhues

Er kommt im Schutz der Dunkelheit, am späten Abend oder frühen Morgen. Und er trägt immer die gleiche schwarze Jogginghose (mit weißem Streifen) und gleiche schwarze Steppjacke (mit heller Kordel an der Kapuze) – für ihn eine Art Dienstkleidung.

Die Polizeibehörden der Kreise Coesfeld, Warendorf, Recklinghausen und der Stadt Dortmund fahnden nach einem Serientäter, der sich auf Raubüberfälle auf Tankstellen festgelegt hat. Abgesehen hat er es auf Bargeld und Zigaretten. „Er spricht Deutsch ohne Akzent“, sagt Polizeisprecherin Britta Venker (Kreis Coesfeld).

Jüngerer Täter mit silberner Pistole

Ursprünglich wollte der Mann elf Tankstellen binnen 14 Tagen überfallen, dreimal stand er allerdings vor verschlossener Tür, wurde aber trotzdem von Kameras gefilmt. Die unheimliche Raubüberfall-Serie sorgt bei Tankstellenpersonal und Betreibern im südlichen Münsterland und darüber hinaus für Verunsicherung, teils auch Furcht. Der offensichtlich jüngere Täter (laut Zeugenaussagen „20 bis 35 Jahre“) ist bewaffnet und hält den Bediensteten eine silberne Pistole vors Gesicht. „Ob sie funktionstüchtig und geladen ist, wissen wir nicht“, sagt Venker. Sie rät dringend dazu, „vorsichtig zu sein, das Geld herauszugeben und nicht den Helden zu spielen“.

Mehrere bewaffnete Raubüberfälle

Die Westfalen AG, einer der größten Tankstellenbetreiber der Region, begleitet betroffene Mitarbeitende nach eigenen Angaben „nach den Vorfällen, um ihnen größtmögliche Unterstützung zukommen zu lassen“ und führt präventiv Schulungen durch. „Unsere Sicherheitsmaßnahmen beinhalten zum Beispiel die Empfehlung, einen vorhandenen Nachtschalter in Zeiten mit geringer Frequenz zu nutzen“, sagt eine Unternehmenssprecherin unserer Redaktion. Die Polizei im Kreis Coesfeld rät Tankstellen-Betreibern, im Nachtbetrieb die Verkaufsräume zu schließen.

Raubüberfälle auf Tankstellen gab es in der Region in den vergangenen Jahren nur vereinzelt. Die Polizeistatistik weist für den Kreis Coesfeld zwei Überfälle im Jahr 2020 und einen weiteren Fall im Jahr 2021 aus. Zwei der drei Fälle sind aufgeklärt. „So eine Raubserie haben wir in den vergangenen Jahren nicht gehabt“, sagt Venker angesichts der fünf Taten im Kreis Coesfeld. Die Ermittler vermuten nicht, dass der Mann aus dem Kreisgebiet kommt, sondern gezielt Tankstellen an größeren Verbindungsstraßen wählt, wohin er mit einem schwarzen Nissan Micra (Baujahr 2007/09), mit einem in Waltrop gestohlenen Kennzeichen, fährt.

Keine 3000 Euro erbeutet

Die Serie begann am 7. Dezember, als der Mann binnen einer Stunde drei Tankstellen in Nordkirchen, Senden und Ascheberg überfiel. Die Tankstellen liegen jeweils 15 bis 20 Autominuten Fahrtzeit voneinander entfernt. Das Muster der Überfälle ist ähnlich. Die Videoaufzeichnungen zeigen denselben Mann. Es folgten vollendete und versuchte Tankstellenüberfälle in Dortmund (17. Dezember), Datteln, Lüdinghausen, Dortmund, Werne, Kamen (alle 19. Dezember) sowie erneut Nordkirchen und Sendenhorst (beide am 21. Dezember). „Dort war er in Begleitung einer Frau“, so Venker.

Die Zahl der Tankstellenüberfälle in Deutschland hat sich seit Jahren zwischen 500 und 600 Fällen eingependelt, zur Jahrtausendwende waren es deutlich mehr. 2021 wurden 517 Raubüberfälle polizeilich erfasst. Die meisten Täter wissen, dass die Sicherheitssysteme immer besser greifen und angesichts gesicherter Kassensysteme nur wenig Bargeld in Tankstellen zu holen ist. Das ist auch bei der aktuellen Serie der Fall. Der Täter hat insgesamt keine 3000 Euro erbeutet. Bei einer Verurteilung drohen ihm mindestens fünf Jahre Haft.

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