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Serie: Influencer aus dem Münsterland

Lia Beckmann hat Pony Alfi zum Instagram-Star gemacht

Lienen

Alfi ist ein Star, ein tierischer Influencer sozusagen. Dem Pony und ihrer 17-jährigen Besitzerin Lia Beckmann folgen fast 300.000 Nutzer auf Instagram.

Von Stefan Werding

Lia (links) und Nicola Beckmann mit "Star"-Pony Alfi. Foto: Stefan Werding

Für Alfi sah es lange nicht so aus, dass er mal groß rauskommen würde – bis er Lia kennenlernte. Seitdem sind das ein wenig klein geratene Pony und die 17-Jährige aus Lienen bei Instagram eine große Nummer geworden: Annähernd 300.000 Nutzer folgen „lia­undalfi“.

Damit gehört die Reiterin zu den Influencern mit der größten Reichweite im Münsterland. Hauptfigur des Blogs ist Alfi. Bis das Pony vier Jahre alt war, ist niemand auf ihm geritten. Seine Züchterin hatte ihn „trotz seiner großen süßen Kulleraugen“, wie Lias Mutter Nicola Beckmann erzählt, erst gar nicht zum Verkauf angeboten. Er war nicht eingeritten und sehr klein– zu klein für viele Kunden, die lieber Ponys kaufen, auf denen ihre Kinder möglichst lange reiten können.

Fotos bei Facebook gehört

Für die zierliche Lia, damals etwa acht Jahre alt, dagegen war er genau richtig. Als ihre Mutter bei Facebook die ersten Bilder ihrer Tochter auf dem Pony hochlud, begann eine Erfolgsgeschichte in den sozialen Medien, die damals niemand geahnt und erst recht nicht geplant hat. „Als ob man Urlaubsfotos postet – nur mit Bildern von Reitturnieren“, sagt Nicola Beckmann. Um private Nachrichten und die wachsenden Reaktionen auf die Pferdebilder voneinander zu trennen, legte sie eine eigene Seite für Alfi an.

Mit Alfi ist Lia in den Turniersport eingestiegen. Die beiden haben ihre ersten Dressurprüfungen gemeinsam bestanden -- und das schon drei Wochen, nachdem Mutter Nicola das Tier eingeritten hatte. Da traten Alfi und Lia gemeinsam an, weil ein anders Pony ausgefallen war. „Der war so lieb, dass wir das einfach ausprobiert haben“, sagt Lia heute. Und: „Wir haben direkt gewonnen.“ User forderten die Beckmanns auf, doch mal „Follow-me-arounds“ zu zeigen – also Filme, die den Alltag von Influencern zeigen und dabei oft auch sehr persönliche Einblicke erlauben.

Serie im SWR über Lia und Alfi

Die Filme vom Stallalltag, von der Fahrt zum Turnier, vom Flechten einer Pferdemähne oder Erlebnisse während eines Turniers schauten sich immer mehr Neugierige an. Auch der SWR ist auf das Projekt aufgesprungen: Der Fernsehsender hat eine Serie mit der Münsterländerin gedreht. Tenor des Senders: „Wie gut, dass ihre Freundin Lea vorbeikommt: Gemeinsam macht das Ausmisten und Versorgen der Pferde doch gleich doppelt so viel Spaß!“

Instagram-Daten zu Folge sind 40 Prozent der Nutzer, die sich für „liaundalfi“ angemeldete haben, zwischen 18 und 24 Jahre alt, die 13- bis 17-Jährigen liegt nur bei 12 Prozent, 81 Prozent leben in Deutschland, 5 in Österreich und 3 in der Schweiz. Würden die Lienenerinnen ihre Filme in Englisch anbieten, wäre die Zahl der Zuschauer vermutlich noch um ein Vielfaches höher. Die Beckmanns machen kein großes Bohei um ihre Aufnahmen. „Wir machen es immer einfach: Wir haben kein Drehbuch und bereiten keine Texte vor“, sagen sie. „Wir erzählen, was wir machen“.

Was nachher dabei herauskommt, ist vorher nicht klar. Dazu kommen ein paar Infos. Mehr ist nicht nötig: „Das Oberperfekte ist nicht das, was unsere Nutzer wollen“, sagt Nicola Beckmann. Der Lohn für solche Offenheit: Die Nutzer zeigen häufiger ihre Zustimmung, indem sie die Filme „liken“, schicken die Bilder an eigene Follower weiter oder geben Kommentare ab.

Viele Werbekunden für Lia und Alfi

So wird die Seite auch für Werbekunden interessant. Die erreichen genau die Zielgruppe, die deren Produkte kauft. Darum wirbt Lia für alles, was Reiterinnen und Reiter interessiert. Zum Beispiel: „Gestern in der Story habe ich diesen Mantel getragen, da haben so viele danach gefragt. (…) Man kann den Mantel unten durch Reißverschlüsse ganz weit machen, wie einen Rock, so dass man damit auch reiten kann. Genau das, was ich brauche, da ich, solange die Bodenverhältnisse es zulassen, immer draußen reite.“

Ein Foto zeigt Lia mit einer Turnierbluse eines Reit-Ausstatters: „Ich liebe diese Oberteile mit den transparenten Ärmeln.“ Dafür bekommt sie nicht nur die Turnierbluse, sondern auch Geld. Dass die Zahl der Follower bei mittlerweile rund 300 000 liegt, ist „irgendwie passiert, das war nicht so geplant“, sagt Nicola Beckmann. „Sonst hätten wir das professioneller aufgezogen.“

Der Vorteil der vielen Follower: Die Zahl der lukrativen Werbeaufträge steigt. Für Lias Mutter ist der Instagram-Kanal ihrer Tochter inzwischen zum Beruf geworden. Die ausgebildete Mediengestalterin hatte vorher ein eigenes Kindermodengeschäft und war in einem Reitsportgeschäft angestellt. Nun filmt, schneidet und schreibt sie die Beiträge. Der Vorteil: Die zeitaufwendigen Fahrten zu Turnieren oder zum Training fallen jetzt in die Arbeitszeit. Und sie kann selbst bestimmen, wie sie die Arbeit über den Tag verteilt.

Ausbildung als Bereiterin

Das macht sie so erfolgreich, dass Werbekunden ihre Tochter einladen, auf Reitsportmessen oder bei größeren Turnieren für deren Produkte zu werben. Dabei lernt Lia Beckmann von Vierjährigen bis Erwachsene alle möglichen Fans kennen. „Ich frag mich: Was ist so besonders, dass man mich verfolgen möchte?“, fragt sie. Sie und ihre Mutter vermuten. „Es ist dieses Dabei-sein-Wollen.“ Die Nutzer suchten eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten, „die so ist wie man selbst“.

Lia Beckmann

Lia bereitet sich derweil auf ihre Ausbildung zur Bereiterin vor. Sie hat sich entschieden, das Reiten zu ihrem Beruf zu machen – und nicht die sozialen Medien: Und Alfi, „ der Kleinste und der Frechste“, hat sich längst zum Chef der kleinen Herde auf dem Hof in Lienen gemausert. „Der kommandiert alle rum. Und ab und zu reiten wir ein Turnier, so wie es uns Spaß macht,“ sagt Lia.

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