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Kommentar

Schulschließungen: Gift für die Psyche - Kinder stark belastet

Münster/Berlin

Ängste, depressive Symptome, zu wenig Bewegung und zu viel Bildschirmzeit: Die Schulschließungen im Zuge der Corona-Pandemie haben für Kinder und Jugendliche gravierende Folgen. Die WHO und das Kinderhilfswerk Unicef haben sich deshalb am Montag vehement gegen weitere Schulschließungen ausgesprochen.

Von Andreas Fier

Schulbesuch mit Mund-Nasen-Schutz: WHO und Unicef haben eindringlich davor gewarnt, die Schule ein weiteres Mal zu schließen. Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Streng genommen ist Corona an Kindern spurlos vorübergegangen. Die Verläufe von Covid-19-Infektionen bei jüngeren Menschen sind in der absoluten Mehrzahl äußerst mild. Und doch hat die Pandemie vor allem Kinder und Jugendliche kalt erwischt. Eine Welle jagt die nächste. An geregelte Schul-Besuche war lange Zeit nicht zu denken.

Stück für Stück wird nun offenbar, wie hoch die psychischen Kosten dieser Krise ausfallen. Die mentale Gesundheit, die vom unbeschwerten Umgang miteinander lebt, ist der Pandemie zum Opfer gefallen. Tückisch dabei: Während Corona-Tote und Covid-Erkrankte akribisch nachgehalten werden, bleiben die übrigen Folgen vage – die psychische Gesundheit wird bislang wenig erfasst. Allenfalls die langen Wartelisten der Psychotherapeuten lassen das Ausmaß erahnen.

Tiefe gesellschaftliche Krise

Corona hat den Menschen ohne Zweifel die tiefste ­gesellschaftliche Krise seit Jahrzehnten beschert. Das ist nicht die Schuld der Politik. Es ist jedoch ihre Aufgabe, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. In einem Land wie Deutschland sollte es selbstverständlich sein, dass die psychischen Folgen der Seuche erfasst und analysiert werden, um aus Fehlern zu lernen. Der Aufruf von WHO und Unicef, die Schulen offen zu halten, darf nicht ungehört verhallen.

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