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Serie: Influencer aus dem Münsterland

"Smoe": Mit Graffiti zum Youtube- und Instagram-Star

Warendorf

Andreas "Smoe" Plautz ist der erfolgreichste Graffiti-Künstler Deutschlands. In den sozialen Netzwerken folgen dem Warendorfer mehrere Hunderttausend Menschen.

Andreas „Smoe“ Plautz ist der erfolgreichste Graffiti-Künstler Deutschlands. Bei YouTube und bei Instagram folgen dem sympathischen Warendorfer Hunderttausende. Foto: Jonas Wiening

Um als Künstler erfolgreich zu werden, muss man in die großen Städte ziehen, sagen viele. New York, London oder Berlin. Doch was andere sagen oder machen, das war für Andreas Plautz alias „Smoe“ nie wichtig. Er hat es auch im Münsterland zu einem erfolgreichen Künstler gebracht. Zu verdanken hat der 37-Jährige das auch Youtube und Instagram, wo er inzwischen Hunderttausende Fans hat.

Andreas Plautz hat schon immer gerne gemalt. „Ich konnte noch nicht mal schreiben, da habe ich schon Comics gezeichnet und die Sprechblasen mit Fantasie-Schrift ausgefüllt“, erinnert er sich. Während der Schulzeit legte der Warendorfer seine Stifte eigentlich nie aus der Hand. „Während die anderen draußen Fußball gespielt haben, habe ich drinnen gesessen und gemalt.“

Mit 14 Jahren der Graffiti-Kunst verfallen

Schnell war Plautz als „der Künstler“ verschrien – im positiven wie im negativen Sinn. „Mir war das egal. Mir hat es immer unheimlich Spaß gemacht, ich liebe die Kunst“, sagt Plautz, der mit 14 Jahren der Graffiti-Kunst verfiel. Auf Holzplatten probierte er sich mit den Sprühdosen aus. Und seine Kreativität, seine Werke fanden schnell Anklang. „Ein Warendorfer Unternehmer hat mir dann früh eine große Mauer zur Verfügung gestellt. Hier konnte ich mich voll ausprobieren und austoben“, sagt Plautz, der sich alles selbst beigebracht hat. Schnell wurden andere Personen auf seine Kunst aufmerksam. „Die haben mir dann Farben und Materialien geschenkt und dafür habe ich deren Garagentor oder ähnliches verschönert. Das war cool, so musste ich für mein Hobby nichts bezahlen.“

Andreas "Smoe" Plautz

Doch auf die Idee, mit seiner Kunst richtiges Geld zu verdienen, es vielleicht sogar zum Beruf zu machen, darauf kam Andreas Plautz zunächst nicht. Selbst in der Schule entschied er sich gegen den Kunst-Leistungskurs. „Mir wurde immer eingebläut, dass ich damit kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätte. Brotlose Kunst eben“, sagt er. Statt Kunst wurde es der Mathe-LK, und statt des Kunst-Studiums begann Plautz nach dem Abitur eine „solide Ausbildung“ zum Werkzeugmechaniker. Nach der bestandenen Gesellenprüfung aber schmiss er hin. „Da hätte ich lieber meine Organe verkauft, als den Beruf weiter auszuüben.“ „Smoe“, den Künstlernamen hat er ganz zufällig gewählt, begann ein Illustrations-Studium in Münster und wechselte schnell zu Produktdesign. So richtig war aber auch das nichts für ihn. Nach seinem Bachelor-Abschluss machte sich der heute 37-Jährige lieber selbstständig. Mit Aufträgen für Leinwände und Graffiti auf Wänden, Mauern oder Garagentoren hangelte er sich durchs Leben.

Instagram und Youtube als Chance gesehen

„2015 ging es mir dann nicht wirklich gut“, sagt „Smoe“, der da bereits verheiratet war und zwei Kinder hatte. „Ich hatte nun Verantwortung und den Druck, nicht mehr nur für mich zu sorgen, sondern für eine ganze Familie.“ Er habe begriffen, dass seine Aufträge ihm immer nur so – durch Mund-zu-Mund-Propaganda – zugefallen seien. „Ich habe bis dahin nie etwas aktiv gemacht, nie versucht, Chancen und Möglichkeiten zu kreieren“, sagt der Warendorfer.

Er nutzte die Gunst der Stunde und legte sich Accounts bei Youtube und Instagram an – zur Eigenwerbung. Mit der Kamera hielt er seine Arbeit fest und postete Vorher- und Nachher-Fotos und Videos auf den Online-Plattformen. Schon nach einiger Zeit gingen seine Videos viral. „Ein Video, wie ich einen verschmierten Spielplatz in Münster neugestaltete, war so etwas wie mein Durchbruch. Über Nacht bekam es über 200.000 Klicks“, sagt „Smoe“, der etwas Geld für die Videoaufrufe von Youtube bekam.

Mit der Zeit kamen Werbeanfragen und immer mehr Aufträge rein. Andreas Plautz begann die sozialen Netzwerke immer mehr zu nutzen. Seitdem postet er fast täglich, spricht über seine Arbeit, zeigt seine Kunst oder stellt neue Projekte vor. Inzwischen ist er der erfolgreichste Graffiti-Künstler Deutschlands, hat bei Youtube über 200.000 Abonnenten und bei Instagram weit über 100.000 Follower. „Ich bin jetzt so frei, dass ich nur noch die Aufträge annehme, auf die ich wirklich Lust habe“, sagt er. Besonders in den USA hat der Warendorfer, der in Ostbevern auch ein kleines Atelier besitzt, viele Fans. Und die kaufen auch limitierte Drucke seiner Originale für gutes Geld. Und auch Firmen wie Martel oder Marvel haben Plautz gut dafür bezahlt, dass er ihnen riesige Werke für die Comic Con oder die neue Spiderman-Filmpremiere gesprüht hat.

"Smoe" mit künstlerischen Freiheiten

„Es ist schön, dass ich nun sehr frei in meinem Job, meiner Leidenschaft bin und dazu sorgenfrei arbeiten kann. Ums Geld ging es mir dabei nie“, sagt Plautz, dem man das wirklich glaubt. Ein Online-Casino habe ihm mal einen fünfstelligen Betrag für eine Werbung geboten. „So etwas lehne ich aber ab. Damit kann ich mich nicht identifizieren und ich will auch nicht, dass meine Community abgezockt wird“, sagt „Smoe“, der inzwischen auch einen eigenen Kameramann eingestellt hat. So kann sich der 37-Jährige noch mehr auf das fokussieren, was er liebt: seine Kunst.

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