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Janina und Tanki zum dritten Mal Jecken-Regenten der KG

„Beamtenstatus beantragen“

Greven

Sie sind etwas ganz Besonderes. Noch waren KG-Regenten so lange im Dienst wie Prinz Tanki und Pünte Janina. Wie es ihnen damit geht?

Von Günter Benning

Pünte Janina, Prinz Tanki und dahinter KG-Präsident Guido Lake. Foto: Günter Benning

Am liebsten hätten sie in Ehren abgedankt. Am vergangenen Samstag sollte die Prinzenproklamation der KG Emspünte im Ballenlager stattfinden, alternativ hatte man an dieses Wochenende gedacht. Aber Prinz Tanki I. (Schürhaus) und Pünte Janina (Wauligmann) werden wegen Corona einfach noch ein drittes Jahr an ihre Amtszeit hängen. Ganz ohne Proklamation. Nur im Krieg hat es ein Regentenpaar mal auf zwei Jahre gebracht. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Günter Benning sprachen Tanki und Janina über die närrische Lage. Auch dabei: KG-Präsident Guido Lake.

Wie ist das, zum dritten Mal Prinz und Pünte zu sein?

Die Füße jucken

Janina: Gefühlt können wir Beamtenstatus beantragen. Es juckt einen an bestimmten Daten doch wieder in den Füßen. Da fragt man sich, wo ist die Zeit hin?

Fehlt etwas in ihrem Leben? Sie haben ja im Dezember noch einen kleinen Jonas bekommen. Richtiger Karneval wäre doch jetzt anstrengend?

Janina: Das stimmt. Aber in der letzten Session wäre es ja auch gut gewesen.

Tanki: Ich vermisse alles, was in die Richtung Spaß geht: Kirmes und Karneval. Ich bin einer, der gerne feiern gegangen ist. Das fällt flach.

Eine Woche Kirmes im Jahr, etliche Wochen Karneval, das ändert doch auch die Stimmung in der Stadt, oder?

Tanki: Definitiv, sie ist dann ausgelassener. Im Moment gibt es ja nur das eine Thema: 2G, 3G, 2G-Plus. Das ist mittlerweile tragisch. Wir haben am 11.11. unsere Sessionseröffnung gefeiert in der Josefs-Klause. Das war ein kleines Highlight, von dem wir jetzt immer noch zerren.

Ist es nicht so, dass sich die ehemaligen Pünten auch über den Karneval hinaus treffen?

Janina: Ja, wir versuchen es. Es hat im Sommer auch einiges stattgefunden. Aber in der Winterzeit hat man es total zurückgeschraubt. Ich vermisse das schon. Auch, dass man mal andere Gesprächsthemen als Corona hat.

Alles Murks

Wie kann man denn ein Jahr vertragen, dass so nahtlos in die Fastenzeit übergeht?

Janina: Man hat kein Ziel vor Augen. Es ist alles Murks.

Alles ist wie Aschermittwoch? Ist irgendetwas für den Rosensonntag geplant?

Tanki: Letztes Jahr haben wir spontan einen Autokorso zusammengewürfelt, auf den Spuren des Zuges. Schnee, blauer Himmel, Sonne, hupende Autos. Das war ganz witzig.

Kann es sein, dass die Grevener privat Karneval feiern?

Janina: Der Anreiz ist nicht da.

Tanki: Im Moment will ja gar keiner feiern. Die Leute nehmen eher Distanz ein. Die Omikron-Variante nehmen die Leute ernster als im letzten Jahr. Das merke ich auch in der Gastronomie: alle möglichen Weihnachtsfeiern wurden abgesagt.

Janina, du arbeitest in der Volksbank. Auch da kommuniziert man, wie wir jetzt gerade, oft über Zoom- oder Teamkonferenzen. Hat das das Leben verändert?

Janina: Es ist viel distanzierter geworden. Ich kenne meine neuen Kollegen gar nicht persönlich. Gespräche mit den Kollegen nebenan oder auf dem Flur gibt es nicht. Dann diese Masken – da kommen Emotionen gar nicht rüber. Manche fragen dann auch, lächeln Sie gerade oder nicht?

Und ist es nicht schwieriger, Witze zu machen?

Kein Small Talk

Tanki: Es ist so. Small Talk an der Theke gibt es nicht mehr. Man geht als Wirt nur noch von Tisch zu Tisch, da fehlt mir was.

Ist es nicht auch so, dass man mit einem kleinen Kind Kontakte vermeidet?

Janina: Definitiv, die Kleinen haben ja noch keinen Schutz. Man fragt sich schon, wie die Kinder lernen, mit Mimik und Emotionen umzugehen.

Muss man Karneval neu lernen, wenn Corona vorbei ist?

Janina: Hauptsache, die Tradition bleibt dann auch bestehen. Nicht, dass die Leute nach Corona skeptischer und distanzierter bleiben.

Wie ist für Euch der Karneval verlaufen?

Tanki: Eigentlich wären wir ja jetzt am Ende gewesen. Wir haben alles gehabt und gemacht, vom Karnevalsumzug bis zum Grünkohlorden in Reckenfeld.

Wie verbringt ihr den Rosensonntag?

Tanki: Da ist erst mal nichts geplant. Mal sehen, ob überhaupt was möglich ist. Ansonsten werde ich normal arbeiten. Sonntag und Montag sind für mich normale Arbeitstage. Da werden wir einen Seufzer machen und hoffen, dass es irgendwann zu Ende ist.

Janina: Ich komme vorbei und trinke ein Bier mit. Oder einen alkoholfreier Sekt.

Der Besuch in den Schulen und Kindergärten auf Altweiber war bisher immer wichtig. Müssen die Kinder wieder alleine feiern?

Janina: Hoffentlich feiern die überhaupt. Letztes Jahr wurden viele Veranstaltungen abgesagt, so dass die Kinder gar nicht mehr in Kostümen zum Kindergarten gehen konnten. Das muss man ihnen wieder beibringen.

Wenn gar kein Karneval ist, erstirbt auch die Jecken-Tradition?

Gudio Lake: Deswegen sind wir aktiv. Wir werden an Altweiber die Kindergärten besuchen. Die Termine stehen schon. Aktuell sind wir mit den anderen Karnevalsgesellschaften in konstruktiven Gesprächen, zu der möglichen Ausgestaltung von eigenen und gemeinsamen Karnevalsaktivitäten. Immer angelehnt an die aktuelle Entwicklung der Pandemie.

Habt die KG in der Corona-Zeit eigentlich Mitglieder verloren?

Lake: Nein, es gab keinerlei Austritte.

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