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Pavel Efremov beim Bliss-Konzert im Beatkeller

Das „Monstrum“ atmet schwer

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So ein Akkordeon kann ordentlich Krach machen. Pavel Efremov holte im Beatkeller alles aus seinem schwarzen Pigini. 

Pavel Efremov holt alles aus seinem Akkordeon heraus. Foto: Günter Benning

Ein gewisser Johann Sebastian Bach soll mal vom Klavierspielen gesagt haben: Ganz einfach, man müsse nur zur richtigen Zeit die richtige Taste drücken. Bach selbst wurde dann oft einfach runtergehämmert, bis der ein und andere Pianist fand, man müsse auch Barockmusik mal atmen lassen. Und womit kann man das Atmen der Musik hörbarer machen als mit dem Akkordeon?

Pavel Efremov, preisgekrönter Akkordeonist aus der Republik Moldau, ließ jedenfalls am Freitag im Beatkeller sein Instrument hörbar Luft holen. Ein genussvolles Musikerlebnis unter dem religiösen Motto „Exspecto“ („Ich erwarte“).

Wie immer in der Bliss-Reihe, bei der die Gesellschaft zur Förderung westfälischer Kulturarbeit (GWK) mit dem Beatclub zusammenarbeitet, stand ein junger Künstler auf der Bühne, von dem GWK-Geschäftsführerin Dr. Susanne Schulte glaubt, dass er seinen Weg als Profimusiker oder Lehrender schon machen werde.

Efremov begann mit Bachs Partita Nr 2. BWV 826, eine Reihe von sechs bekannten Klavierübungen. Schöne Melodien mit Tanzcharakter, denen er auf dem Akkordeon einen fast romantischen Hauch verlieh. Viel Gefühl legte er in diese Meisterwerke des Barock.

Bienentanz

Danach ein kleines Intermezzo mit Miniaturen von Francois Couperin. Programmmusik war das, das heißt, der Komponist sagt, was zu hören sein wird, zum Beispiel der Tanz von zwei Bienen. Virtuos gegenläufig spielte Efremov diese munteren Melodien auf den zwei Tastaturen.

Das gewöhnliche Akkordeon, manchmal als Schifferklavier oder als Orgel des kleinen Mannes verschrieen, hat nichts mehr mit dem Pigini-Akkordeon von Efremov zu tun. Linker Hand, wo es 120 Knöpfe gibt, spielte man früher nur Bässe und Akkorde, jetzt wird ein Register umgelegt und das Instrument hat einen Tonumfang, der sogar etwas größer als beim Klavier ist.

Der Hauch des Instruments

Diese Qualitäten bemerkte man aber erst so richtig bei der Schlusssonate „Et exspecto“ von Sofia Gubaiudulina. Eine Russin, die in Pinneberg lebt und speziell für das Akkordeon geschrieben hat. Da werden mit Faust und Handfläche Klangteppiche erzeugt, da bläst der Wind beim Öffnen und Schließen des Balgs. Ein Stück von der Wiederkehr Jesu auf die Erde, erklärt es Efremov, das religiöse Konzentration erfordert. Beim Spiel verbindet er Kraft und Gefühl. Am Ende haucht der Atem der Melodie dramatisch und getragen aus.

Ergriffene Stille im Beatkeller, der Künstler geht und lässt das Instrument, sein „Monstrum“, auf der Bühne zurück. Der rauschende Applaus kommt erst nach einer Minute. Bei so einem meditativen Abgang ist leider keine Zugabe möglich.

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