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Mittelstandsforum im Casino der Firma Sahle

Die Krisen im Mittelpunkt des Abends

Greven

Am Donnerstagabend stand das 18. Grevener Mittelstandsforum im Casino der Firma Sahle unter dem Thema „Energie und Transformation in bewegten politischen Zeiten“. Dazu hatte der Stadtverband Greven der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU in Zusammenarbeit mit der MIT im Kreis Steinfurt hochkarätige Gastredner eingeladen.

Von Ulrich Coppel

Der auf der Mitgliederversammlung gewählte Vorstand der MIT Greven (Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU, Stadtverband Greven, von links): Kreisvorsitzender Holger Palstring ( nicht im Vorstand), Elke Steimann (Beisitzerin), Heiner Ahlert (stv. Vorsitzender), Thomas Horstmann (Beisitzer), Dr. Christoph Kösters (Vorsitzender), Alfons Schulze Jochmaring (Beisitzer). Foto: Privat

Jürgen Hardt, Obmann der CDU-Bundestagsfraktion im Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestages sprach zum Thema „Außen- wirtschafts und sicherheitspolitische Implikationen der ´Zeitenwende´. Johannes Pöttering, Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung der Arbeitgeberverbände „Unternehmen.NRW“ referierte über „Geopolitische Entwicklungen, Energie und Transformation - Die Sicht der Wirtschaft“. Bürgermeister Dietrich Aden und Uwe Sahle, Geschäftsführer von „Sahle Wohnen“ hielten Grußworte. Christoph Kösters, Vorsitzender des MIT Greven moderierte die Diskussion mit dem Publikum.

„Die Corona-Pandemie hat weltweit große wirtschaftliche Probleme, wie etwa bei den Lieferketten generiert. Seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine sind massive Gas- und Energieprobleme hinzugekommen, die uns in Zeiten des rasant fortschreitenden Klimawandels vor große Herausforderungen stellen,“ umriss Kösters in einer kurzen Einführung. „In Greven leben derzeit rund 1000 Geflüchtete. Allein seit dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine sind 500 hierher gekommen. Derzeit stehen wir bei der Versorgung mit Wohnraum am Limit. Dennoch hoffen wir auf Unterbringungen in Sporthallen verzichten zu können“, so Bürgermeister Aden.

Die Stadt sei gut mit der MIT vernetzt, und möchte dies etwa in Fragen der Gas- und Energieversorgung, bei der es bekanntlich starke Preiserhöhungen gibt, intensivieren, so Aden weiter.

Sahle fügte Erfahrungen der Firma bei der Suche von Fachkräften an. „Wir haben viele Geflüchtete etwa als Maurer ausgebildet. Doch unseren Bedarf an Architekten kann der hiesige Arbeitsmarkt nicht abdecken. Deshalb haben wir in der Türkei nach Architekten gesucht, und dort 30 Experten gefunden. Allerdings gab es erhebliche Schwierigkeiten beim Prozedere mit den zuständigen Deutschen Behörden. Hier wünschen wir uns Erleichterungen.“

Hardt beschrieb aktuelle Entwicklungen im Krieg in der Ukraine, die Situation bei der Verteuerung von Energie, sowie Veränderungen und Anpassungen im Export. Putin habe eigene Herausforderungen bei seinem Angriffskrieg unterschätzt, etwa bei Munitionslieferungen. „Wir wissen, dass sie nicht mehr als 150.000 Schuss pro Woche zur Verfügung haben, aber eine Millionen pro Woche benötigen“, so Hardt.

Die verhängten Sanktionen würden greifen. Putins Joker im Konflikt mit der EU sei das Gas. Doch schaue es so aus, dass Deutschland r für den Winter ausreichend versorgt sei. Daher prognostiziert Hardt für das kommende Frühjahr für die Ukraine erheblich günstigere Optionen, und Druck für Putin selber. Die russische Bevölkerung würde merken: „Wenn wir den vorher irgendwie loswerden, haben wir eine erheblich bessere Verhandlungsposition“, so Hardt.

Johannes Pöttering pflichtete Hardt hinsichtlich der hiesigen Gasversorgungskapazitäten für diesen Winter zu. „Die Speicher sind voll –– wenn wir auch wegen des russischen Lieferstopps sehr teuer eingekauft haben.“ Deshalb würden sich die derzeit sehr hohen Gaspreise auf die Produktion auswirken. „Wir rechnen mit einem Rückgang von 20 bis 25 Prozent“. Genau wie zuvor schon Uwe Sahle hofft er, dass man gegen Ende 2024 oder Anfang 2025 in ruhigere wirtschaftliche Fahrwasser zurückkehren könne.

Laufzeitverlängerungen bei der Kernkraft wurden als kurzfristige technologische Versorgungsoptionen thematisiert. In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum berichtete Anja Karliczek, dass gegen 2050/ 2055 die Kernfusion eine realistische neue Energieversorgungsoption werden könne.

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