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Kaufmann Ralf Drüge über die Wirren der internationalen Politik

Die Politik bremst den Handel

Greven

Ralf Drüge (55) ist, kann man sagen, anglophil. Seine Frau stammt aus Fleetwood in Nordengland, seine Kinder haben einen deutschen und englischen Pass und in seinem schicken Büro im Grevener Airportpark mit Blick auf die Fassade von Schumacher Packaging hängt der Union Jack mit einem britischen Tommy und Bärenfellmütze. Darauf steht: „Make love not war.“

Günter Benning

Ralf Drüge in seinem Büro im Airportpark. Die Gitarre haben ihm seine Kinder geschenkt, durchs Fenster sieht er auf die Fassade von Schumacher. Foto: Günter Benning

„Aber wenn man sich die Politik im Moment ansieht“, sagt Drüge, „könnte man als Kaufmann wahnsinnig werden.“ Besonders wenn einer wie er mit wertvollen und schnelllebigen Gütern handelt: High Tech für Netzbetreiber, weltweit.

Die Diskussion um den Brexit habe die Technikbranche „supersensibel“ gemacht: „Meine Kunden reagieren und stellen wichtige Projekte in England zurück.“ Drüge merkt es am Umsatz. Im vergangenen Jahr, sagt er, habe es einige sehr maue Monate gegeben.

Ralf Drüge tummelt sich in einem Nischengeschäft. Und das schon lange. Er ist gelernter Elektroinstallateur, hat auf dem zweiten Bildungsweg sein Abi gemacht und Elektrotechnik studiert. In Münster eröffnete er mit einem Bekannten in den 90er Jahren sein erstes Geschäft: „Procom Technologies“.

Procom kaufte weltweit Restbestände von Netzwerktechnologie auf und vertrieb sie für einen günstigeren Kurs weiter. „Nehmen wir an, ein großes Unternehmen bekommt eine neue Telefonanlage und es bleiben 100 übrig“, malt er es aus. Der Hersteller nimmt sie nicht zurück, also springen Restehändler ein. Auch Insolvenzen spielten den Münsteranern in die Hände. Gerade in einer Zeit, in der die Dot.Com-Blase an den Börsen platzte.

Procom gibt es noch in Roxel, aber Drüge stieg vor einigen Jahren aus. Er mietet ein Büro am Flughafen in Greven und wurde von ehemaligen Kunden schnell wieder kontaktiert.

Mit seiner Holding „Dream Tec GmbH“ ist er heute unter anderem an der Handelsfirma Trade X Networking beteiligt.

Mit einem Partner aus München wird wieder mit Hochtechnologie gehandelt. Ein Markt der weltweit ist. Darum hat Trade X auch Niederlassungen in Madrid und Florida.

„Die großen Provider tauschen alle 18 Monate ihre Hardware aus“, erklärt Drüge. Grund dafür sind ständig wachsende Leistungsanforderungen und der geringere Stromverbrauch neuer Komponenten.

Eine Dynamik, die allerdings derzeit von der amerikanischen und britischen Politik gebremst wird.

„Uns hat die Finanzkrise nicht so getroffen, wie der amerikanische Handelskrieg mit China und der Brexit“, sagt Drüge.

Viele der Hightech-Geräte, die er vertreibt, stammen aus China und gehen in die USA. Sie sind direkt von US-Einfuhrzöllen betroffen.

Und in England hüten sich derzeit vor allem deutsche Unternehmen, in neue Technik zu investieren. „Das ist die Schuld der Politiker“, kritisiert Drüge, „fachfremde Politiker, die nur ihre eigene Karriere im Auge haben und nicht das Wohl des Landes.“

Im Airportpark hat Drüge von dem münsterischen Architekturbüro Planwerk ein schickes Bürogebäude mit integriertem Lager bauen lassen. Er hat eine Option auf ein 4000 Quadratmeter großes Grundstück, wenn einmal Erweiterungsbedarf besteht.

Sein Büro sieht eher aus wie ein großes Wohnzimmer: „ Ich wollte für die Mitarbeiter und Geschäftsleitung gemütliche und optisch ansprechende Büros gestalten“, sagt er, „weil man doch mehr Zeit in der Firma als Zuhause verbringt.“

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