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Französische Kammerphilharmonie begeisterte im Ballenlager

Die Sopranistin springt spontan ein

Greven

Ein beeindruckendes Neujahrskonzert in Greven mit einer unverhofften Überraschung. Sopranistin Annemarie Pfahler erfuhr erst spät davon.

Von Lothar H.H. Nolting

‚Sopranistin Annemarie Pfahler war erst wenige Stunden vor dem Konzert engagiert worden. Sie meisterte die Herausforderung mit Bravur. Foto: Leye

Berlin hat es, Wien hat es, und jetzt hat es auch Greven: ein gelungenes Neujahrskonzert. Im für Corona-Verhätnisse voll besetzten Ballenlager gastierte am Sonntag die Französische Kammerphilharmonie unter der künstlerischen Leitung von Philip van Buren.

Passend zum hoffnungsvollen Jahresneuanfang folgten Orchestermelodien, die ein jeder kennt oder zumindest oft gehört hat.

Anders als bei den großen Vorbildern umrahmten beim Grevener frühabendlichen Neujahrskonzert zwei wunderbare Stimmen den musikalischen Ablauf: die junge Sopranistin Annemarie Pfahler begeisterte die Zuhörer vor allem durch ihre koloraturfeste, ausdrucksstarke Stimme, und ihr männliches Pendant, der stimmstarke, sichere Bariton Thomas Peter stand ihr in allen Punkten in keiner Weise nach.

Dabei hatten die Sopranistin und auch der Dirigent das Handicap zu meistern, dass sie erst wenige Stunden zuvor vom Ausfall der eigentlich vorgesehenen Sopranistin informiert worden waren. Dass Annemarie Pfahler wegen der extrem kurzen Vorbereitungszeit notgedrungen mit dem Notenbuch auftrat, störte bei den gelungenen Darbietungen niemanden, so überzeugend und voll klangen beide Künstler.

Philip van Buren führte sein Orchester sicher über manche musikalischen Schwierigkeiten, wofür ihm das Publikum mit anhaltendem Applaus Beifall zollte.

Einstimmungsvoll gespielt begann das Konzert mit der bekannten „Orpheus-Ouvertüre“ von Jacques Offenbach.

Anschließend konnten beide Solisten mit Arien von Offenbach schon ihr außergewöhnliches Können beweisen. „On me nomme Hélène...“ (aus La belle Hélène) und das Lied des Generals Boum „Pif, Paf, Puf“ aus La Grande Duchesse de Gerolstein ließen auf weitere stimmliche Höhepunkte hoffen. Das spielerisch und sängerisch gekonnt vorgetragene Duett „Papagena-Papageno“ aus der Zauberflöte bestätigte dann die Erwartung.

Einschmeichelnde Walzer

Schwelgen konnte das Publikum mit dem vom Orchester locker einschmeichelnd gespielten Coppelia-Walzer von Léo Delibes. Mit der Arie aus Samson und Dalila von Camille Saint-Saens „Mon coeur s`ouvre a ta voix“ konnte Annemarie Pfahler mit ihrem ganzen Können brillieren.

Natürlich kann in einem solchen Konzert weitere Musik der Strauss-Dynastie nicht fehlen. Mit dem wundervoll vorgetragenen Duett des Champagnerliedes aus der „Fledermaus“, der „Felsenfest“-Polka mit Amboss-Schlagrhythmen vom Bruder Eduard, dem schwungvoll gespielten „Frühlingsstimmenwalzer“ war das Publikum in erhofft gewünschter Jahresbeginn-Stimmung.

Fetzig und und unerwartet erfrischend erklangen danach die Stücke „Plink, Plank, Plunk“, „Fiddle Faddie“ und das amüsante Schreibmaschinen-Stakkatostück „The Typewriter“ des Amerikaners Leroy Anderson.

Mit der Torero-Arie aus „Carmen“, von Thomas Peter mit klanglich ausdrucksvollem Bariton vorgetragen, dem Pizzicatostück von Léo Delibes aus „Sylvia“, fein vom Orchester und Dirigenten in gekonntem Piano und Mezzoforte intoniert, zeigte die Französische Philharmonie, dass sie auch mehr als nur Walzer und Polkas spielen kann.

Unerwartet schön erklang danach „La chanson du cidre“ des hier wenig bekannten Robert Planquette. Und zum Schluss natürlich ein „Strauss“: „Im Feuerstrom der Reben“ aus der Fledermaus.

Für die wunderschöne Neujahrsdarbietung erhielten Orchester, Sängerin, Sänger und Dirigent zum Schluss lang anhaltenden, stehenden Applaus.

Mit dem Liebesduett von Léhar „Lippen schweigen...“ als Zugabe – leider pflichtgemäß auf Corona-Abstand gesungen– , der „Schwips“-Arie von Jacques Offenbach, von Annemarie Pfahler gespielt-schwipsig vorgetragen, und dem traditionell abschließenden, das Publikums aktivierenden „Radetzky“-Marsch endete ein gelungenes Neujahrskonzert.

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