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Auf einen Kaffee mit Kathrin Vogler (Linke)

„Eine Katastrophe mit Ansage“

Greven

Kathrin Vogler kandidiert für die Linken. Als Sicherheitspolitikerin kritisiert sie den Afghanistan-Einsatz der Deutschen. Und fürchtet ähnliches in Mali.

Von Günter Benning

Kathrin Vogler kritisiert die Afghanistan-Politik der Regierung. Foto: Günter Benning

Kathrin Vogler (57) aus Emsdetten ist sicherheitspolitische Sprecherin der Linken im Bundestag. 2001 trat sie aus Protest gegen den Afghanistan-Einsatz aus der SPD aus.

Was sagen Sie zur Situation in Kabul?

Vogler: Katastrophe mit Ansage! Ich bin erschüttert, dass unsere Warnungen nicht gehört wurden. Die Bundesregierung hat keinen Plan, wie sie die Menschen, die mit Bundeswehr, Hilfs- oder Menschenrechtsorganisationen zusammengearbeitet haben, rausholen soll. Am 15. Juni haben wir im Auswärtigen Ausschuss einen Brandbrief des UNHCR bekommen. Wir und die Grünen haben Anträge gestellt, dass man die Evakuierung planen soll. Das haben die Regierungsfraktionen abgelehnt. Aus 20 Jahren Krieg müssen Konsequenzen gezogen werden. Auch für andere Bundeswehreinsätze wie in Mali. Da droht das nächste Afghanistan. Man bildet Streitkräfte aus für ein Militär, hinter dem kein legitimer Staat steht.

Die Linken wollen 13-Euro-Mindestlohn – ein rotes Tuch für viele Arbeitgeber...

Vogler: Wenn man ein Leben lang für weniger als 13 Euro Vollzeit beschäftigt ist, wird man keine Rente unterhalb von Hartz IV schaffen. Das hat nichts mit Respekt vor Lebensleistung zu tun. Außerdem: Nach der Einführung von Mindestlohn hat es eine Zunahme an sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse gegeben. Und es wird mehr konsumiert. Das hilft Geschäftsinhabern und Gastronomen.

Was ist innenpolitisch für Sie das vorrangige Thema?

Vogler: Nach 18 Monaten Corona-Krise müssen wir fragen, wer soll das bezahlen?. Der Staat hat hohe Schulden aufgenommen, um Hilfspakete zu finanzieren. Werden diejenigen zahlen, die an jedem Monatsende gucken müssen, wo sie das Geld für die Miete zusammenbekommen? Oder diejenigen, die in der Krise noch reicher geworden sind, wie Lidl-Chef Schwarz, der um glatte 11 Milliarden reicher geworden ist? Wir wollen Profiteure zur Kasse bitten und einfache Leute entlasten. Menschen mit hohem Einkommen müssen mit einer Vermögenssteuer stärker belastet werden.

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