Wie das Gasthaus Kaltefleiter in Gimbte die Corona-Krise überstand

Einmal gründlich renoviert

Gimbte

Ein hartes Jahr liegt hinter ihnen. Aber die Kaltefleiters in Gimbte haben mit Hotel und Restaurant das beste daraus gemacht.

Von Günter Benning

Sie haben die Köpfe nicht hängen lassen, sondern die Corona-Zeit genutzt, um fällige Aufgaben zu erledige (v.l.): Dirk, Henrik und Senior Heinz-Wilhelm Kaltefleiter in der Gaststube ihres Betriebs in Gimbte. Foto: Günter Benning

Heinz-Wilhelm Kalte­fleiter ist 81 Jahre alt. Die letzten Kriegsjahre hat er miterlebt. Und die Zeit danach, als sein Vater mit dem Fahrrad nach Münster zur Großbäckerei der Briten gefahren ist. Harte Zeiten waren das. „Aber so etwas wie Corona“, sagt der Senior, der an diesem Morgen auf der Terrasse des traditionellen Hotels und Restaurants im Herzen von Gimbte die Tische abwischt, „nein, an so etwas kann ich mich nicht erinnern.“

Idyll in Gimbte

Gimbte am Morgen. Gegenüber vor dem Dorfladen schwatzen einige Kundinnen, die ersten Radler pausieren auf dem Dorfplatz und blättern in ihren Karten. Der Bilderbuchort lebt auch vom Tourismus. Und Kalte­fleiters wurden zuerst kalt erwischt, als Corona die Betten leerfegte.

Der erste Lockdown im vergangen Jahr hat sieben Wochen gedauert, erinnert sich Henrik Kaltefleiter, der im Familienhotel angestellt ist und deshalb bis vor kurzem Kurzarbeit hatte. „Erst nach vier Wochen haben wir überlegt, dass wir Essen außer Haus verkaufen könnten.“ Beim zweiten Lockdown, der sieben Monate dauern sollte, lief alles schon geschmierter. Samstag und Sonntag wurde die Küche angeworfen, zwischen 20 und 40 Essen gingen raus. Die Leute holten es ab. Und nicht wenige riefen nachher an, um sich zu bedanken. „So hält man sich in Erinnerung“, sagt Henrik Kaltefleiter, „und freut sich über zufriedene Kunden.“

Sein Bruder Dirk, Bäcker, Koch und Chef im Haus, hat sich auf sein zweites Standbein gestützt. Freitags und Samstag wurde mehr Brot und Kuchen aus der eigenen Bäckerei verkauft. Die Gimbter, die zuhause bleiben musste, dankten es mit großem Zuspruch. „Deutlich mehr“, heißt es, habe man hier verkauft.

Umsatzeinbruch

So viel natürlich nicht, dass damit der Umsatzeinbruch von 60 bis 70 Prozent im vergangenen Jahr reingeholt wurde. Dirk Kaltefleiter kann sich noch an die erste Absage erinnern. Ein 80. Geburtstag, kurz vor dem ersten Lockdown – von einem auf den anderen Tag abgesagt: „Die letzten Stücke vom Schweinebraten, den ich eingefroren habe, haben wir gerade gegessen – als Aufschnitt.“

Gut, dass einige Konstanten erhalten geblieben sind. Zwar fielen die Radtouristen weg, die man nicht mehr beherbergen durfte. Dafür allerdings quartierten sich Monteure und vor allem Mitarbeiter eine Medien-Agentur ein, die für das Handorfer Pferdestammbuch arbeiteten. Dort wollte man seine Auktionen nämlich digital fortführen und benötigte dafür professionelles Bild- und Video-Material: „Viele haben auf ihr Frühstück verzichtet, obwohl wir im Saal ausreichend Platz hatten“, sagt Henrik Kaltefleiter.

Statt der sonst bis zu 22 Hotelgäste beherbergte man während Corona nur zwischen sechs und zehn. Aber immer noch besser als nichts.

To-Do-Liste

Ein Gutes hatte Corona auch. Endlich wurde die endlose To-Do-Liste abgearbeitet, die man sonst im aktiven Dienst ständig vor sich herschob. Die Toiletten wurden renoviert, der Dachboden aufgeräumt, der Anstrich erneuert. „Zu tun“, sagt Henrik Kaltefleiter, „gab es genug.“

Schon seit einigen Tagen ist der Betrieb im Aussenbereich wieder für Gäste geöffnet. Natürlich mit den üblichen Corona-Schutzmaßnahmen. Zu Pfingsten sah das mancher Radtourist erst nicht ein. Aber langsam kehrt wieder Normalität ein. Bald wird es auch wieder Feiern bei Kaltefleiters geben.

„Das Schlimmste war“, findet Senior Heinz-Wilhelm Kaltefleiter, der schon viel erlebt hat, „dass wir nicht zusammen zur Jagd gehen konnten.“

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