Millionärs-Statistik

Elf Mitglieder im Club der Reichen

Greven

Im Jahr 2017 wohnten elf Einkommensmillionäre in Greven und damit zwei mehr, als im Jahr zuvor.

Von Peter Beckmannund

Darf man da tragen helfen? Na ja, so viel Bargeld wird vermutlich nirgendwo gehortet. Die vielen Nullen hinter der 1 existieren in den meisten Fällen digital auf dem Konto. Foto: dpa

Ach man, es ist doch jedes Jahr das Selbe. Beim Blick auf die Jahresabrechnung des Arbeitgebers kommen einem angesichts der Abzüge die Tränen und es stellt sich Frust ein, weil man es wieder nicht in die Zeitung geschafft hat – und zwar deutlich nicht. Denn: Wer kann schon von sich sagen, dass er zum elitären Club der Einkommensmillionäre gehört. Na ja, in Greven konnten das im Jahr 2017 immerhin elf Menschen und damit zwei mehr, als im Jahr zuvor.

2017? Haben die Statistiker des Landes keine aktuelleren Daten? „Die Zahlen können erst jetzt veröffentlicht werden, weil die anonymisierten Steuerdaten von den Finanzbehörden erst nach Abschluss aller Veranlagungsarbeiten für statistische Auswertungen zur Verfügung gestellt werden“, schreibt dazu IT NRW als statistisches Landesamt.

Na, ok. Damit kann man leben. Obwohl aktuelle Zahlen aus der Corona-Zeit höchst interessant gewesen wären. Denn viele sagen, dass in dieser Zeit die Reichen noch reicher geworden sind. Aber: Auf diese Zahlen muss man eben noch warten.

Zurück zum Jahr 2017. Da hat sich im Vergleich zum Vorjahr bei der Zahl der Einkommensmillionäre nichts getan – wenn man die Kreiszahlen betrachtet. Denn von diesen Menschen gibt es im Jahr 2016 genau 114, ein Jahr später ebenso. Doch innerhalb des Kreises gab es einige Wanderungen.

Wobei: Es nicht natürlich fraglich, ob die Mil­lio­na­rios die Städte gewechselt haben oder plötzlich in Armut – was natürlich relativ ist – verfallen sind. Wie schon gesagt: Greven hat im Jahr 2017 Zuwachs bekommen, Emsdetten dagegen hat eine wahre Millionärs-Flucht zu verzeichnen. Gab es davon in der Nachbarstadt im Jahr 2016 noch 25, so wurden im Jahr darauf nur noch 16 verzeichnet. Ander Städte wie Neuenkirchen und Lienen haben im Jahr 2017 plötzlich drei oder vier Einkommensmillionäre, im Jahr davor aber keinen einzigen.

So oder so: Diese Einkommensmillionäre versauen den Statistikern natürlich ihre Statistik über das Durchschnittseinkommen in einer Kommune. Da kann ein ganz doll Reicher schon mal den Schnitt heftig nach oben treiben. Denn Otto-Normal-Verbraucher ist oft ganz weit weg vom statistischem Durchschnitt. Und die Menschen am unteren Ende der Einkommensskala müssen gar, um wenigstens den grundlegenden Lebensunterhalt bestreiten zu können, pro Jahr mit dem Existenzminimum von 9744 pro Jahr auskommen.

Ein Blick aufs Ganze: Die Zahl der in Nordrhein-Westfalen lebenden Einkommensmillionäre stieg im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 7,5 Prozent auf 5673. Daraus ergibt sich im Landesdurchschnitt eine Quote von rund 3,2 Millionären pro 10 000 Einwohnern. In Greven liegt dieser Schnitt bei 2,9. Den höchsten Schnitt im Kreis mit 5,8 Einkommensmillionären pro 10 000 Einwohner hat Altenberge.

Womit deutlich wird: Mit reiner „Arbeit“ wird man wohl kaum eine Chance auf eine Mitgliedschaft in diesem elitären Club haben. Da spielen wohl eher Unternehmensbesitz, Aktienbesitz, Immobilienbesitz und Erbschaften eine Rolle. Und deshalb wird vermutlich auch im kommenden Jahr der Frust wieder groß sein, weil man es wieder nicht geschafft hat.

Aber ganz ehrlich: So schlimm ist es dann doch nicht. Denn zum einen ist das Jammern auf hohem Niveau und zum anderen heißt es ja: Geld allein macht nicht glücklich. Das sagen allerdings vor allem die Reichen und Mächtigen, um Neid und Missgunst zu schmälern.

Doch vermutlich haben die in diesem Punkt ja sogar Recht . . .

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