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Am Sachsenhof werden alte Getreidearten angepflanzt

Emmer ist gut für die Sehkraft

Greven

Alte Getreidesorten wachsen rund um den Sachsenhof. Hier stellen wir den Emmer vor.

Liesel Drexler vom Sachsenhof-Team kennt sich mit alten Getreidearten aus. Foto: Heimatverein

Etwas ist anders als sonst. Hinter wogendem Getreide am Sachsenhof in Pentrup ist erstmals das neue Servicegebäude zu erkennen. Hier will Grevens Heimatverein künftig noch mehr über Leben und Landwirtschaft der Vergangenheit informierten.

Zum Beispiel über den historischen Getreideanbau. Eines der Anliegen des Fachgebiets Sachsenhof ist der Erhalt von Kulturpflanzen des frühen Mittelalters. So gehörten Urgetreidesorten wie der Emmer, auch Zweikorn genannt, zu den Grundlagen der damaligen Nahrung. Er zählt neben dem Einkorn zu den ältesten kultivierten Getreidearten, heißt es in einer Pressemitteilung.

Wie die meisten älteren Arten ist der Emmer relativ ertragsarm. Allerdings ist er robust und weniger anfällig für Krankheiten. Trotz seiner guten Verarbeitungsmöglichkeiten wird er heutzutage kaum noch angebaut. Erst in jüngster Zeit erlebt das Getreide wieder einen Aufschwung, denn es gibt Backwaren einen besonders kernigen, würzigen Geschmack und liefert wichtige Nährstoffe.

Der Anbau ist selbst auf mageren und trockenen Böden möglich und das Urgetreide gilt als resistent gegen schädliche Umwelteinflüsse.

Zudem verfügt es über eine natürliche Abwehr gegen Pilzbefall. Die Pflanze kommt gut mit einem geringen Nährstoffangebot aus, wodurch sie relativ leicht zu kultivieren ist. Optisch ähnelt das Korn einem normalen Weizenkorn.

Emmer zählt zu den Spelzgetreide-Sorten und die einzelnen Körner sind von einer festen Hülle, der Spelz, umschlossen. Diese macht das Getreidekorn länger haltbar, aber es erfordert auch einen zusätzlichen Arbeitsgang bei der Verarbeitung. In einer speziellen Mühle werden die Körner von ihrer Hülle befreit, ehe man sie zu Mehl vermahlen kann. Emmer-Mehl ist relativ grob, grießähnlich und kleberstark.

Verglichen mit dem heutigen Weizen enthält Emmer wesentlich mehr Protein und ist reich an Eisen und Mineralstoffen. „Erwähnenswert ist der hohe Gehalt an Zink und Magnesium“, weiß Liesel Drexler vom Sachsenhof-Team. „Zudem sind wichtige Carotinoide enthalten, die insbesondere für die Sehkraft wichtig sind.“

Selbst Personen, welche an einer Weizenunverträglichkeit leiden, vertragen es recht gut. Dennoch ist darin Gluten enthalten, was die Verwendung durch an Zöliakie Erkrankten ausschließt.

Heute weiß man, dass sich dieses Urgetreide trotz der klebrigen und zähen Konsistenz hervorragend für die Brotherstellung eignet. So erhalten Backwaren aus Emmer eine charakteristische dunkle Farbe und einen besonders würzigen Geschmack. Und getreu dem Motto „Frühmittelalter trifft Moderne“ wird der Emmer im Bäckerhandwerk mittlerweile wieder für neue Brotkreationen mit speziell entwickelten Rezepturen eingesetzt. Wer sich über die Vielfalt der am Sachsenhof angebauten Kulturpflanzen informieren möchte, kann dies gerne tun. Die Anlage in Pentrup ist durchweg zugängig.

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