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Reliquien und das Allerheiligste werden abtransportiert

„Es ist schon ein bisschen mulmig“

Greven

Die Reliquien und das Allerheiligste verlassen die Josef-Kirche. Am Montagmorgen heißt es dort: Aufräumen.

Günter Benning

Reliquien der Hl. Faustina und des Hl. Exuperatus befinden sich in diesem Marmorstein unter dem Alter der Josefkirche. Pfarrer Klaus Lunemann holt den Stein, um ihn in die Martinuskirche zu bringen. Foto: Günter Benning

Hinter den Kulissen ist alles Mystische ja oft sehr schlicht. Zum Beispiel der Reliquienschrein aus Marmor, der in der St. Josefkirche eingemauert ist. Pfarrer Klaus Lunemann kriecht gestern morgen unter den Altar und erklärt für die Kamera: „Jedes Gotteshaus hat das, es soll der Verbundenheit mit den Anfängen der Kirche zeigen.“

Der flache Marmor birgt für den geschichtsbewanderten Küster Peter Oechsner eine Überraschung, die auf einem kleinen Zettel steht. Er enthält Knöchelchen (in Leinen gewickelt) der altrömischen Märtyerin Faustina, nach der sich im 20. Jahrhundert die polnische Heilige Faustyna Kowalska benannt hat. Auch Reliquien des Hl. Exuperantius, der um 302 in Zürich starb, befinden sich darin. Im Volksmund heißt er Häxebränz.

Klaus Lunemann hebt den kleinen Schatz, legt ihn auf den Altar, verfolgt von der Kamera eines Filmteams, als sein Handy klingelt. Das passt nicht ins Bild – also wird die Szene noch einmal wiederholt.

Der Montag ist der Tag der Hausmeister. Detlef Daum hilft dabei, die Joseffigur von der Wand zu heben. Renate Gerdemann hat noch einmal die Kerzen rund um den Altar angesteckt, damit das letzte Zeremoniell einen feierlichen Charakter bekommt. Sie wird übernommen – für die letzten Monaten bis zur Rente mit 65 Jahren und sechs Monaten.

Am Rand steht Konni Holtmann, der 24 Jahre im Pfarrgemeinderat von St. Josef aktiv war. Und der sich erinnert, wie er 1955 zum ersten Mal in die Kirche kam. Damals war er Stift in einer Grevener Firma: „Da gab es noch zehn Reihen mehr als heute – und die Leute haben gestanden.“ Ihn treibt die Hoffnung auf einen Neuanfang, auf den werde man hinarbeiten. Aber so richtig erst, wenn die Josefkirche abgerissen ist.

„Es ist schon ein mulmiges Gefühl“, sagt Pfarrer Lunemann, als er die goldene Monstranz in eine schwarze Kiste verpackt. Dann geht er die Stufen zum Tabernakel hoch, über dem silbern „Mysterium“ steht, und holt die letzten Hostien heraus: Das Allerheiligste im Verständnis der katholischen Kirche, das Symbol der Anwesenheit Jesu in der Gemeinde. Im Vorbeigehen pustet er kurz das Ewige Licht aus, das sofort erlischt: „Viel Öl war da nicht mehr drin.“

Die Kunstwerke der Kirche aus den 50er Jahren werden teilweise in St. Martinus eingelagert, teilweise sollen sie im Neubau wieder verwendet werden. Den Rest inventarisiert die bischöfliche Denkmalstelle, so wie die kleine Statue des Hl. Markus am Ende der Kirche und die größere des Antonius. „Wenn es Gemeinden gibt, die so etwas suchen“, erklärt Peter Oechsner, „dann können die es bekommen.“

Für einige Feiern gibt es schon Ersatzorte. Der Mittwochsabend-Gottesdienst, sagt Konni Holtmann, findet in der Krankenhauskapelle statt. Und das Laudes-Gebet, zu dem an jedem Samstagmorgen ein Dutzend Gläubige kommt, ist künftig im benachbarten Pfarrheim. „Ich bin zuversichtlich“, sagt Pfarrer Lunemann, „dass wir hier 2020 in unsere neue Kirche einziehen können.“

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