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Greven Grass im Kleinformat – aber mit viel guter Laune

„Es rockt wie Sau“

Greven

Greven Grass ist ein Familientreffen der Bluegrass-Musiker. Am Wochenende trafen sie sich in reduzierter Zahl am Emsdeich. Ein musikalischer Spaß.

Von Günter Benning

Spaß bei der spontanen Session: Shelly O`Day aus den Niederlanden (l.) und Susanna Wüstneck im Duett. Foto: Günter Benning

Shelly O’Day kann jodeln. Auf den Emswiesen schallert sie ein Bluegrass-Traditional, dass die gute Laune nur so sprüht. Um sie herum ein spontan zusammengewürfeltes Orchester aus Gitarren, Mandolinen, Banjos und einem Akkordeon. Und die Frau aus Kalifornien, die in den Niederlanden lebt, schrammelt den Rhythmus auf einem Waschbrett dazu. „In einer Zeit von Konflikten, in denen die Leute so viel Angst haben, ist es einfach gut, hier Musik zu machen“, sagt sie. Greven Grass am Emsdeich ist am Wochenende ein musikalisches Gute-Laune-Ereignis.

Thomas Drunkenmölle ist der Vorsitzender von Greven Grass: „Wir hatten zwei Jahre kein Festival über Pfingsten, das war ein bisschen schade“, sagt er. Das reduzierte Treffen am vergangenen Wochenende, ohne große Bühne ist für ihn nur ein vorläufiger Ersatz: „Für uns ist die Zukunft in der Schwebe. Wenn Corona vorbei sei, gibt es immer noch die Naturschutzproblematik am Beach.“

Überall auf dem Platz am Deich spielen große und kleine Combos zusammen. So gut wie jeder der Camper hat ein Instrument dabei. Man stellt sich damit zu Leuten, die schon musizieren – und ab geht die musikalische Post.

Sabrine Eilts spielt Mandoline. „Besser geht immer“, sagt sie. Sie ist mit ihren Bekannten schon ein paar Jahre zu Greven Grass gefahren – als Zuhörerin. „Aber irgendwann will man auch mitspielen“, sagt die Papenburgerin, „hier ist ein großer Kreis, alle spielen zusammen. Es rockt wie Sau und man fühlt sich einfach frei.“

Frank Tschinkel ist der stellvertretender Vorsitzender von Greven Grass. Er kommt aus der Eiffel und arbeitet in Moers: „Ich war schon beim ersten Festival in Greven dabei.“ Vor über 15 Jahren war das. Für ihn das Besondere an dem Treffen: „Es fühlt sich an wie eine große Familie.“

Zu der gehört auch Harald Otschick. Er spielt Bass: „Der gibt im Bluegrass den Rhythmus vor“, sagt der Oldenburger. Auf verschiedenen Festivals trifft er immer wieder Musiker, die das Interesse an der traditionellen amerikanischen Musik teilen. „Man kann auf einem niedrigen Level anfagen“, sagt er, „auf die Art und Weise lernt man von anderen.“ Und das völlig stressfei: „Es ist ein soziales Ereignis unter Freunden mit Musik.“

Der Hamburger Alex Rediske, 42, besucht seit 37 Jahren Bluegrass-Festivals. „In zweiter Generation“, sagt er, „meine Familie kommt aus den USA, mein Vater ist mit uns über sämtliche Festivals in den Staaten getingelt.“

Greven ist für ihn ein Familientreff, seine Eltern sind da, sein Sohn ist ebenfalls. Und die Tradition ist da: „Keiner von uns liest Notenblätter, die Musik wird durch Hören weitergegeben.“

Auch Ulrich Wortmann, ist ein Dauergast. Er ist seit 15 Jahren in Greven. Der gebürtige Bielefelder kommt jetzt aus Köln: „Der weite Weg lohnt sich.“ Die Szene reist rum, man trifft sich immer wieder. So wie der Norweger Kjertil Holden: „Ich habe schon in Norwegen Bluegrass gemacht.“ Jetzt arbeitet er in Deutschland, hat Anschluss gesucht und wurde „warm empfangen.“

Vize-Vorsitzender Frank Tschinkel hat Samstagnacht um vier Uhr das Licht ausgemacht. Anstrengend ist das Event schon, sagt er: „Wenn ich nach Hause fahre, bin ich total kaputt, aber beseelt von einer totalen Zufriedenheit.“

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