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Hansa-Group: Revision gegen Urteil abgewiesen

Ex-Manager müssen wieder in Haft

Reckenfeld

Die juristische Aufarbeitung der Hansa-Group-Insolvenz, von der auch das Luhns-Werk in Reckenfeld betroffen war, ist abgeschlossen. Die früheren Firmenlenker müssen in Haft.

-oh/pm-

Das Luhns-Werk, in dem Foto: oh

Es war der umfangreichste Prozess in der Geschichte des Landgerichts. Die Hauptakte des Verfahrens umfasste zum Schluss 62 Bände mit über 15.000 Seiten. Und mittendrin: der Luhns-Standort in Reckenfeld.

Nun ist das Verfahren gegen ehemalige Manager juristisch abgeschlossen. Die Männer, respektive ihre Anwälte, waren bis zum Bundesgerichtshof gegangen. Dieses hat die Revision nun als unbegründet abgewiesen, wie aus einer Pressemitteilung des Landgerichtes Münster hervorgeht.

Rückblende: Luhns, Hersteller von Wasch- und Reinigungsmitteln bekommt im Jahr 2010 einen neuen Eigentümer: die Hansa Group, die jedoch vier Jahre später Insolvenz anmeldet. Bei der Untersuchung der finanziellen Schieflage treten Unregelmäßigkeiten zutage. Die beiden Hansa-Firmenlenker werden in Untersuchungshaft genommen.

Ein Mammut-Prozess (Januar 2017 bis November 2019) schließt sich an. 214 Verhandlungstage (und damit das längste am Landgericht Münster bislang geführte Strafverfahren), über 220 Zeugen, vier Sachverständige, 260 Beweismittelordner und Sonderbände. Die schriftliche Urteilsbegründung der 7. Wirtschaftsstrafkammer umfasst letztlich 914 Seiten. Die Hauptverhandlung wurde auf 779 Seiten protokolliert.

Angeklagt waren vier Männer im Alter von seinerzeit 56 bis 67 Jahren. Die beiden Hauptangeklagten: Brüder aus Düsseldorf und Duisburg, die als Gründer bzw. Vorstand den Konzern Hansa Group leiteten, zu dem die Luhns GmbH aus Wuppertal mit Standort in Reckenfeld und die Chemische Fabrik Wibarco GmbH aus Ibbenbüren als Tochtergesellschaften gehörten.

Die beiden weiteren Angeklagten stammten aus Ibbenbüren bzw. Wuppertal und waren im Hansa Group Konzern in leitender Funktion tätig. Das Verfahren ging zurück auf eine Anklage der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität Bielefeld aus Juni 2016. Die vier Angeklagten ließen sich im Verfahren durch insgesamt 14 Verteidiger vertreten.

Die beiden Hauptangeklagten wurden 2019 wegen Betruges zu jeweils acht Jahren Haft verurteilt, die beiden weiteren Angeklagten zu Haftstrafen zwischen zwei Jahren und zehn Monaten und viereinhalb Jahren.

Gegen diese Urteile haben die vier Männer Revision eingelegt. Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat mit seinem jetzt veröffentlichten Beschluss vom 16. Dezember 2021 (4 StR 61/21) die Revisionen verworfen. Das am Landgericht Münster verhandelte Strafverfahren wegen Betruges ist damit rechtskräftig abgeschlossen.

„Zur Überlänge dieses Strafverfahrens trugen insbesondere eine Vielzahl von erfolglosen Verfahrens- und Beweisanträgen der Verteidigung bei. Die Verhandlung wurde von Beginn an durch im Ergebnis für unbegründet erachtete Anträge auf Aussetzung der Hauptverhandlung sowie Befangenheitsgesuche der Verteidigung gegen den Kammervorsitzenden, die Beisitzer und die Sachverständigen im Fortkommen gehindert“, heißt es nun bilanzierend in der Pressemitteilung des Landgerichtes.

Die beiden Hauptangeklagten hätten sich von Mitte 2016 bis Ende 2019 wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft befunden – diese Zeit werde ihnen nun auf die verhängten Gesamtfreiheitsstrafen als bereits verbüßt angerechnet. Weil die beiden Brüder zwischenzeitlich eine Kaution in Höhe von einer Million Euro hinterlegt hatten, wurden die Haftbefehle außer Vollzug gesetzt. Diese Kautionssumme „sichert nunmehr noch den Strafantritt der beiden Hauptangeklagten zur Verbüßung der Restfreiheitsstrafe“, teilt das Landgericht mit.

Die Auslagen des Gerichts für die Durchführung der Hauptverhandlung belaufen sich nach Angaben der Justizbehörde auf 850.000 Euro. Geld, das sich der Staat zurückzuholen gedenkt: Es erfolgten Pfändungen aus dem Vermögen der Angeklagten. Unter anderem wurden zur Sicherung der Prozesskosten Bankguthaben, Goldbarren und ein hochwertiger Sportwagen sichergestellt.

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