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Ein Maifest in einer bewegten Zeit

Frühlingslieder und Friedensbilder

Greven

Ein Maifest in Greven wie es das noch nie gab. Mit politischen Signalen. Mit Kunst und Kultur. Und einem wunderbaren Wetter.

Von Günter Benning

Sofia Zamuri aus der Ukraine mit ihrem Siegerbild. Foto: bn

Sofia Zamuri aus der Ukraine hatte gerade schon den ersten Preis für ihr Straßenbild auf dem Grevener Niederort entgegengenommen. „Ich habe noch nie mit Kreide gemalt“, sagt die Schülerin, als ihr Bürgermeister Dietrich Aden den Preis überreicht. Und dann musste sie noch einmal auf die Bühne. Denn sie gewann auch den Publikumspreis. Die Politik hinterließ beim Maifest 2022 am Sonntag symbolisch ihre Spuren.

Ein Stück weiter auf dem Marktplatz machte der Chor „Harmonie“ seinem Namen alle Ehre. Seit 22 Jahren singen seine Mitglieder russische Lieder. „Wir leben hier teilweise seit 30 Jahren“, sagt seine Vorsitzende Valentina Jegorow. Vor zwei Jahren fiel das Jubiläum Corona zum Opfer. Jetzt sangen die Frauen erstmals wieder russische Frühlingslieder, Schlager, Liebeslieder. Die Politik spielt hier keine Rolle. „Aber es macht uns schon besorgt“, sagt sie, „wir können nur dazu beitragen, dass russische Menschen so aufgenommen werden, wie sie sind und nicht wegen ihrer Sprache gemobbt werden.“ Auf dem Platz viele Grevener, die die Songs mitsingen konnten.

Zeitgeist

Das sonst so ganz unpolitische Maifest trug die Spuren des dunklen Zeitgeistes. Auch wenn die Künstler, die diesmal wieder nach langer Pause ihre Straßenbilder verwirklichten, nicht unbedingt für Gesellschaftskritik honoriert wurden.

Igor Dziuk ist Ukrainer und lebt seit 22 Jahren in Münster, von seiner Kunst. Vor der Volksbank malte er er eine Darstellung der Finanzwelt. Die Fugger kommen da vor, aber auch Dagobert Duck, die Disney-Figur, die in Badewannen voll Geld schwimmen kann.

Die Lage in der Ukraine bedrückt aber auch ihn. Seine Verwandten berichten ihm über die Lage: „Wenn sie erzählen, dass sie fast jede Nacht im Schutzbunker übernachten müssen, bedrückt mich das schon. Das kann man nicht verdrängen.“

Etwas weiter hat die Bildhauerin Anna Mrzyglod russische Matroschkas auf ihre Leinwand gemalt. Aus der letzten Versteckpuppen ragt eine Handgranate heraus. „Ich kann in dieser Zeit nichts anderes malen, keine Blümchen und so“, sagt die polnische Künstlerin, die seit 20 Jahren in Düsseldorf lebt und arbeitet.

Ob nur schön bunt oder kritisch, die Kunst lockt Publikum aus der ganzen Region. Helena Tenambergen aus Ibbenbüren: „Wir haben mal geguckt, wo man etwas mit Kunst erleben kann.“ Greven gefiel ihr besonders.

„Es war wieder mal Zeit, dass man vor die Haustür kommt“, sagt ein junger Vater, des Tochter Thea mit Kreide auf die Straße malt, „die Kleine ist jetzt zwei Jahre alt und hat noch nichts erlebt – man muss mal rauskommen.“ Eigentlich wollte er zum Hiltruper Kunstmarkt fahren – aber Greven war genauso gut. Birgit Hoffeld aus Westerkappeln sitzt derweilen an der Mauer vor der Martinuskirche und genießt die relaxte Atmosphäre. Sie malt Bilder in Druck- und Stempeltechnik: „So bunt wie das Leben sein soll.“

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