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Die Mitarbeiter der ambulanten Pflegedienste können Zeitplan nicht einhalten

Für eine Spritze durch den Schnee

Greven

Die Bereitschaft und Kreativität der Mitarbeiter, aber auch das Verständnis der Patienten bei dem Schnee-Chaos war enorm.

Luca Pals

Ambulante Pflege in Zeiten des Schneechaos ist auch jede Menge Knochenarbeit. Auto und ab und an auch den Weg freischaufeln gehören dazu. Aber: Der Schnee taut derzeit. Und die Lage wird von Tag zu Tag besser. Foto: Caritas

Michael Hartmann lobt eine seiner Mitarbeiterinnen: „Sie hat ihr Auto abends um 10 Uhr freigeschaufelt, damit sie am nächsten Morgen um 6 losfahren konnte.“ Leider ohne Erfolg. Über die Nacht fiel erneut so viel Schnee, sodass die Schippe in den frühen Morgenstunden wieder zum Einsatz kommen musste. Einerseits sei es diese Bereitschaft und Kreativität aus dem Team heraus, andererseits das Verständnis der Patienten, die es möglich machen würden, dass die Pflege aufrechterhalten werden könne und der ambulante Pflegedienst nicht im Schnee-Chaos versinkt. Hartmann vom gleichnamigen ambulanten Pflegedienst gibt aber auch zu: „Die Zeitpläne sind nicht mehr einzuhalten. Eine Tour, die sonst drei Stunden gedauert hat, dauert jetzt auch gut und gerne sechs.“

Auch deswegen komme es dem Team sehr entgegen, dass derzeit viele der Patienten auf die tägliche Pflege verzichten würden: „Wir bekommen viele Anrufe von den Älteren oder Angehörigen, die sich sehr dankbar für unsere Arbeit zeigen, uns auch loben oder vorschlagen, dass sie sich selber um die Pflege kümmern.“ Natürlich würde es Ausnahmen geben, wo es nicht anders möglich sei: „Für wichtige Medikamente oder die Verabreichung von Insulin müssen wir raus. Das steht gar nicht zur Debatte.“

Gleiches berichtet Ansgar Kaul vom Caritasverband, der vor allem die Nebenstraßen als Problem der letzten Tage ausmachte: „Mittlerweile ist vieles geräumt worden, aber am Sonntag und Montag hatten wir da wirklich sehr große Probleme.“

Kommen die Mitarbeiter durch den Schnee, stehe man oft vor einem weiteren Problem: „Wo sollen wir parken?“ Warnblinklichter an, schnell zu den Patienten in die Wohnung und wieder zurück ins Haus – manchmal sei es eben nicht anders möglich, berichtet er. Der ein oder andere habe auch seinen Schneeschieber mit zur Arbeit gebracht, insbesondere in den verkehrsberuhigten Zonen sei es aktuell noch schwierig durchzukommen, erzählt Hartmann.

Er lobt seine Mitarbeiter: „Alle zeigen großes Engagement, stellen ihre Autos ab, wenn es nicht weitergeht und laufen den Rest. Das können auch mal schnell zwei bis drei Kilometer sein.“

Als „sehr stressig“ empfinde auch das Team vom Pflegedienst „B. Meyer“ die vergangenen Tage. 37 Mitarbeiter müssen sich hier um rund 210 Patienten kümmern – die meisten kommen aus Reckenfeld. Hier habe es bereits das Angebot gegeben, die Pfleger mit dem Trecker von A nach B zu bringen. Das Verständnis von vielen Seiten würde vieles aktuell vereinfachen, meint Kaul, der auch schon Angehörige um die Pflege der Älteren gefragt hatte. Außerdem seien die eigentlichen Touren und Fahrpläne „ein bisschen abgeändert“ worden: „Wir haben Wert darauf gelegt, dass die Mitarbeiter keine langen Wege zurücklegen müssen. Deswegen fahren zum Beispiel diejenigen, die in oder rund um Gimbte wohnen auch zu Patienten dort.“

Ein anderes probates Mittel schildert Hartmann: „Viele fahren aktuell zu zweit. Einer ist dann immer zum Freischaufeln des Weges dabei.“ Hoffnung auf Besserung sieht er aber jetzt schon: „Ab Mittwoch versuchen wir wieder alle Routen – bis auf zwei, drei Ausnahmen – nach Plan zu fahren. Aber wir wissen: Das ist ein ambitioniertes Ziel.“

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