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Karl-Josef Laumann bei der Mitgliederversammlung der MIT Greven

„Im nächsten Jahr feiern wir wieder Altweiber“

Greven

Karl-Josef Laumann war in Greven. Allerdings nur virtuell. Bei der Jahresauftaktversammlung der MIT sprach er über Corona und Krankenhäuser.

Jannis Beckermann

Karl-Josef Laumann war online Gast bei der Jahresauftaktversammlung der Grevener MIT. Foto: Jannis Beckermann

Am Ende hat der NRW-Gesundheitsminister – aller düsteren Lockdown-Verlängerung zum Trotz – doch noch eine versöhnliche Botschaft im Gepäck. „Im nächsten Jahr um diese Zeit“, da ist sich Karl-Josef Laumann, zugeschaltet aus seinem Düsseldorfer Ministerbüro, sicher, „feiern wir an Altweiber wieder Karneval statt in Videokonferenzen zu hocken.“

Knapp zwei Stunden nahm sich Laumann am Donnerstag Zeit, um beim Jahresauftakt der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der Grevener CDU – coronabedingt per Video – unter anderem mit dem Vorstandschef der Münsteraner Franziskus-Stiftung, Dr. Klaus Goedereis, über Corona und seine Folgen zu diskutieren.

Erste Erfolge

Mittlerweile sieht Laumann erste Erfolge des erneuten Dauer-Lockdowns. 3678 Menschen mit Covid würden aktuell (Stand: 11. Februar) in NRWs Krankenhäusern behandelt. „Vor wenigen Wochen waren das noch doppelt so viele“, weiß der vorsichtig optimistische Minister. Weil allerdings die Inzidenzwerte in der Breite weiter zu hoch seien, müssten die harten Maßnahmen vorerst weitergehen.

Sorgen bereitet das Laumann, der auch Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA ist, vor allem aus sozialer Sicht. Einerseits gebe es viele Menschen, die privilegiert seien, „weil sie weiter jeden Monat ihr Geld auf dem Konto haben“. Rentner etwa, Banker und Beamte.

Und dann gebe es Einzelhändler, Schausteller oder Gastronomen, die praktisch Berufsverbot hätten. „Um diese Menschen mache ich mir ernste Sorgen“, sagt der NRW-Arbeitsminister, der auch ein „Innenstadtsterben“ gerade in Mittelstädten der Größe Grevens befürchtet. Deshalb müsse man helfen, selbst wenn es in die Milliarden gehe.

Ruinöser Wettbewerb

In der Krankenhausplanung etwa habe man zu lange auf einen „ruinösen Wettbewerb“ und auf Privatisierungen gesetzt, betonte Laumann und erntete dafür Zustimmung von Krankenhaus-Vertreter Klaus Goedereis, dessen Franziskusstiftung das Grevener Maria-Josef-Hospital betreibt.

Für diese lokal verankerte Krankenhauslandschaft warf sich der Vorstandschef beim Minister in die Bresche. Die Kliniken stünden nicht nur durch das Virus, sondern wegen starker Erlösrückgänge durch verschobene OPs und geringere Belegung auch wirtschaftlich unter Druck, verwies Goedereis auf ein 15-Prozent-Minus allein am Standort Greven. Dabei habe die Corona-Pandemie bewiesen, dass eine gute Krankenhausversorgung ein harter Standortvorteil für die Wirtschaft sei.

Heißes Eisen FMO

Welche Lehren langfristig aus der Corona-Pandemie zu ziehen sind, war Gegenstand einer kontroversen Debatte. Laumann fasste heiße Eisen wie die Zukunft des FMO an, der für den gastgebenden CDU-Wirtschaftsflügel in Greven eigentlich als sakrosankt gilt: „Flughäfen werden zukünftig eine geringere Rolle spielen“, prognostizierte Laumann dennoch. Denn: „Wir werden nach Corona nicht mehr für jeden Quark nach Berlin oder München fliegen.“

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