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Lucas und Arthur Jussen brillieren im Ballenlager

Innovation und feinste Pianistik

Greven

Lucas und Arthur Jussen sind Brüder. Die Niederländer haben seit ihrer Kindheit gemeinsam Musik gemacht. Heute sind sie ein international führendes Pianisten-Duos – zu Gast im Grevener Ballenlager.

Von Axel Engels

Lucas und Arthur Jussen – vierhändiges Familienkonzert im Ballenlager. Foto: Axel Engels

Innovation und feinste Pianistik – solch ein Konzert wie am Freitagabend im Ballenlager erlebt man wohl nicht so häufig. Im Rahmen von „Greven Klassik“ war es gelungen, mit Lucas und Arthur Jussen eines der international führenden Pianisten-Duos nach Greven zu holen.

Diese beiden sympathischen jungen Pianisten haben in Konzerten mit dem Concertgeboiw Orchester in Amsterdam, sowie mit dem Londoner Kammerorchester Academy Martin in the Fields bis hin zum Boston Symphony Orchestra für Aufsehen bei der Fachpresse gesorgt, das Publikum immer wieder begeistert.

Für ihr Konzert in Greven hatten sie ein Programm zusammengestellt, das in dieser Art wohl nur wenige Pianisten-Duos auf die Bühne bringen.

Der erste Teil war besonders romantisch bestimmt, erklang mit dem „Rondo A-Dur für Klavier zu vier Händen D 951 op. 107“ von Franz Schubert eines der wohl gefühlvollsten Werke dieses Komponisten für Klavier zu vier Händen.

Poetische Melodiebögen

Lucas und Arthur Jussen wussten die lyrisch-poetischen Melodiebögen mit Akribie und Feinsinn zu spielen, entlockten sie dem großen Steinway-Flügel die adäquaten Klangfarben für diese gesangliche Musik. Dabei zeigten sie vom ersten Takt an eine gemeinsame Gestaltung, dies ging weit über den „üblichen“ Dialog zweier Pianisten an einem Instrument hinaus. Hier spürte man die kultivierte Ausbildung durch die Meisterpianistin Maria João Pires, sowie die durch Menahem Pressler in den USA und Dmitri Bashkirov in Madrid gewonnene Meisterschaft des nicht auf äußere Effekte angelegten Musizierens.

Das „Allegro a-Moll für Klavier zu 4 Händen (“Lebensstürme“) op. 144 D 947“ von Franz Schubert schien wie für die innige Spielweise der beiden Pianisten geschrieben, erklang es gleichsam in einer höchst dramatischen Interpretation.

Hoch emotional

Ebenso hoch emotional spielten Lucas und Arthur Jussen das „Andante und Allegro Brillante op. 92 A-Dur für Klavier zu 4 Händen“ von Felix Mendelssohn Bartholdy aus dem Jahre 1841, hier erklangen die wunderbaren Melodien feinsinnig über den filigranen Begleitfiguren.

Nach der Pause ging es dann in eine ganz andere Musikwelt. Igor Strawinskys Ballettmusik „Le Sacre du Printemps“ hatte schon 1913 als orchestrale Ballettmusik bei der Uraufführung in Paris für turbulente Szenen gesorgt, diese wilde Musik wurde als skandalöses Revolutionswerk bezeichnet. Mittlerweile sind die Hörgewohnheiten glücklicherweise an solche Werke gewöhnt, gilt „Le Sacre du Printemps“ als Hauptwerk des 20. Jahrhundert.

Diese in Musik gefasste dramatische Tanzgeschichte gilt in der Fassung für klavier zu vier Händen als eines der schwierigsten Werke dieser Gattung, gehört für Lucas und Arthur Jussen seit mehreren Jahren schon zum Repertoire. Anders ist wohl auch nicht zu erklären, dass die beiden Pianisten auf solch hohem Niveau dieses Werk spielen können. Denn sie agierten bis ins kleinste Detail in einem perfekten Dialog, spürte man ihre Verbundenheit in jeder einzelnen klangmalerischen Szene. Ihre Virtuosität und Intensität des Spiels stellten sie immer in den Dienste des musikalischen Ausdrucks, war man trotz der „Modernität und Wildheit“ doch zu jedem Zeitpunkt einfach gefesselt.

Keine leichte Kost

Mag „Sacre du Printemps“ vielleicht nicht so „leichte Kost“ für das Publikum sein, so fand es bei solch versierter Interpretation auch in Greven ein überaus aufgeschlossenes Publikum. Zur Versöhnung spielten Lucas und Arthur Jussen in der Tradition von Dinu Lipati ein Werk von Johann Sebastian Bach, bei dem die aufgewühlte Seele wieder zur Ruhe kommen konnte.

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