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Trio Berlin 21 brilliert in der Kulturschmiede vor zu wenigen Zuschauern

Jazz geht ab wie eine Lokomotive

Greven

Berlin 21 – das steht für erstklassigen Jazz. In Greven fehlten dafür noch etwas die Kenner beim Konzert in der Kulturschmiede.

Von Axel Engels

Torsten Zwingenberg (r.) und Martin Lillich (M.) mit Lionell Haas aus der Bühne. Foto: Axel Engels

Dieses Trio hätte eine noch größere Zuhörerschaft verdient gehabt. Wenn „Berlin 21“ bei Jazzreihen wie den Emsdettener Jazztagen oder im Dachtheater in Warendorf auftritt, sind die Konzerte regelmäßig ausverkauft.

Diese Formation mit dem Schlagzeuger Torsten Zwingenberger, dem Pianisten Lionel Haas und dem Bassisten Martin Lillich zählt mit seiner ganz eigenen Mischung aus Jazz, Blues, Soul und Funk zu den führenden Formationen der internationalen Jazzszene.

Bei dem von der Kulturinitiative organisierten Konzert am Freitagabend hatten dann Jazzliebhaber mit hohen Erwartungen den Weg in die Kulturschmiede gewählt hatten. Schon vom ersten Stück, dem vom Bassisten Martin Lillich komponierten „Ruffle Shuffle“, war klar, dass dies kein „normales“Jazzkonzert sein würde, sondern ein ganz lebendiger und mitreißender Ausflug in die musikalische Welt dieser drei sympathischen Musiker.

Sie spielten an diesem Abend nur Eigenkompositionen und schenkten damit dem Publikum ein überaus inspirierendes Musikerlebnis. Mit einem innovativen klangmalerischen Schlagzeugsolo schuf Torsten Zwingenberger die Einleitung in das Stück „Bright Ride“, in dem man mitgenommen wurde auf eine Reise mit einer Dampflokomotive. Torsten Zwingenberger ist wohl die treibende Kraft dieses Trios, setzte seine überragende Technik immer in den Dienst des musikalischen Ausdrucks und konnte mit virtuoser Spielweise ein bis ins kleinste Detail transparentes Bild dieser Reise mit dem Zug aufzeigen.

Mit Lionel Haas und Martin Lillich hatte er zwei kongeniale Partner, die seine Ideen mit Akribie und Feingefühl aufnahmen und mit versierter Kunstfertigkeit weiter entwickelten. Lionel Haas sorgte am Boston-Flügel für Klangfarbenreichtum, konnte mit exquisiter Pianistik seine Ideen in ein feinsinniges Gewand kleiden. Seine Komposition „Natasha’s Dance“ zeigte bei aller Gefühlstiefe unglaubliche Lebendigkeit und Frische, war sicherlich einer der Höhepunkte des Abends.

Aber die Reise mit „Berlin 21“ machte nicht Halt an den Grenzen von Moabit, sondern es ging mit „Sitaki Shari“ sogar in ostafrikanische Welten. Joe Zawinul wäre sicherlich von solch spritziger Musizierweise ebenso begeistert gewesen wie das Publikum in der Kulturschmiede.

Stücke wie „Crowning Moments“ oder „Diver City“ zeigten die markante Art, wie „Berlin 21“ seine Ideen musikalisch umsetzt. Das war kein kopflastiger und rein akademisch komponierter Jazz, sondern man ließ sich von der Energie und der Spielfreude der drei Musiker einfach mitreißen. Der Tipp von Torsten Zwingenberger, bei „New Ordeals“ mit seinen unglaublich verschachtelten rhythmischen Grundmustern nicht mitzuzählen, war wohl angebracht, gleichzeitig wirkte es aber wie eine Herausforderung, die Grundmustern intensiv nachzuverfolgen.

Aber dieser Abend hielt natürlich auch genügend ruhige und introvertierte Momente bereit. Selten hat man solch eine innige Ballade gehört wie „The Room“ mit ausgedehnter Klaviereinleitung.

„Berlin 21“ übertraf mit seiner intensiven Spielweise vielleicht noch die Erwartungen der Jazzliebhaber und mit einem grandiosen „To three or not to three“ endete ein Abend, den man so schnell nicht vergisst.

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