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Erich Kückmann gestorben

Kunden schätzten Service und Nähe

Greven

50 Jahre lang stand das Lebensmittelgeschäft Kückmann an der Königstraße für Service und Kundennähe. Nun ist Erich Kückmann im Alter von 80 Jahren gestorben.

Erich Kückmann stand weit über das übliche Rentenalter hinaus täglich im Feinkostgeschäft, das einst als Tante-Emma-Laden gestartet war und dieses Sortiment auch beibehielt. Foto: oh

50 Jahre lang lief es wie geschmiert im Feinkostgeschäft Kückmann. Bis im August 2017 eine Ära endete. Der letzte Verkaufstag bedeute für Erich Kückmann den Eintritt in den Ruhestand. Da war er schon 75. Sich von seinem Laden trennen, seinen Mitarbeitern und seinen Kunden, das fiel ihm schwer.

100 Wochenstunden und fast keine Freizeit – das empfand er nicht als Belastung. „Nein sagen ist ein komisches Ding“, sagte er mal einem Reporter. Nun ist Erich Kückmann im Alter von 80 Jahren gestorben.

Kurz vor der Geschäftsaufgabe im Jahr 2017 hatten die Kückmanns noch das 50-jährige Bestehen des Ladens feiern können, ganz ohne großes Brimborium. Die Angestellten überreichten dem Chef kleine Geschenke, Gratulanten und Kunden wurden mit Sekt, Häppchen und Kuchen beköstigt. Eine üppige Feier gab es nicht. Die Arbeit ging vor. Auch an diesem Tag standen die Kunden und ihre Wünsche im Mittelpunkt.

Nach zehn Jahren wurde es richtig interessant

Feinkost Kückmann – das Geschäft war eine Institution, erst in der Nachbarschaft, dann in der ganzen Stadt und sogar darüber hinaus. Eine Institution, die sich lange und sehr erfolgreich am Markt behauptete. Wer bei Kückmann kaufte, schätzte die familiäre Atmosphäre, den Service und die Kundennähe. Und sicher auch den traditionellen Ansatz: Tante-Emma-Laden mit entsprechendem Interieur, frische Spezialitäten (vor allem die Schinken-Auswahl war berühmt) und natürlich die frisch belegten Brötchen – entweder auf die Hand oder für Empfänge und Partys auf Platten angeliefert. Kückmanns belegte Brötchen genossen Kult-Status. Sie mundeten Malochern und Anzugträgern gleichermaßen.

Als er sich seinerzeit zusammen mit seiner Frau Renate, beide aus Roxel, auf die Annonce gemeldet hatte, in der das 100-Quadratamter-Ladenlokal an der Königstraße beworben wurde, gingen sie zunächst von zehn Jahren aus. „Aber nach zehn Jahren wurde es erst so richtig interessant“, sagte Kückmann mal. Weil das damalige Sterben der Tante-Emma-Läden ein Umdenken erforderte. Zusätzliche Standbeine mussten her. Lieferservice, Brötchen- und Käseplatten, Kanapees – das waren die Kückmannschen Lösungsansätze.

Aus einer anderen Zeit

Die Plätze im Geschäft waren klar aufgeteilt. Während Erich Kückmann an der Wurstschneidemaschine stand, war seine Frau Renate für den Verkauf und die Kasse zuständig. Renate Kückmann ging 1994 in Rente, Erich Kückmann machte einfach weiter.

Für den Chef, der immer Zeit für ein Schwätzchen mit den Kunden hatte, begann der Tag in der Regel um drei Uhr, manchmal auch früher. Etwa, wenn Kanapees für eine Chartermaschine gebraucht werden. Von „Tiger“ Tom Jones bekam er einst einen persönlichen Dank, weil es ihm über den Wolken so sehr mundete. Und der Kronprinz von Tonga orderte noch aus der Luft Nachschub.

Genau wie das Verkaufs-Konzept schienen auch die Werbeslogans einer anderen Epoche zu entspringen: „Kaufst Du bei Kückmann an der Ecke, sparst Du oft ne lange Strecke. Kommt Dir der Weg nicht aus, liefern wir frei Haus.“ Noch berühmter, auch außerhalb von Greven: „Willst Du auf die Autobahn, halte erst bei Kückmann an.“ Die meisten, die sich im kleinen Laden versorgten, waren Stammkunden. Erich Kückmann und seine Helferinnen, auf die er im Geschäft bauen konnte, wussten dann meistens schon, was es sein darf.

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