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Grevener vor Schöffengericht in Rheine

Mit dem Polizeitaxi zum Gerichtstermin

Greven/Rheine

Für über 2200 Euro hat der Angeklagte Waren im Internet angeboten, das Geld kassiert, jedoch, ohne die Waren an die neuen Besitzer zu liefern. Das Schöffengericht in Rheine verhandelte jetzt die insgesamt 16 Betrugstaten, musste den Angeklagten aber erst noch zum Gericht „chauffieren“.

Von Monika Koch

Weil der 26-jährige Angeklagte aus Greven, der sich am Dienstag beim Schöffengericht in Rheine für 16 Betrugstaten verantworten musste, seine Post seit längerer Zeit nicht mehr geöffnet hatte und nichts von dem Prozesstermin in Rheine wusste, schickte die Richterin ihm ein Polizeitaxi zur Arbeitsstelle, das ihn an den Ort der Sühne brachte. Gut eine Stunde nach dem geplanten Termin begann der Prozess.

Geld kassiert, aber Ware nicht geliefert

Die Staatsanwältin warf dem Angeklagten vor, zwischen dem 21. Juni 2020 und 19. März 2021 Waren über Ebay angeboten oder auf Gesuche geantwortet, das Geld für die Dinge kassiert, aber nicht geliefert zu haben. Gesamtwert 2.204 Euro, die ihm am Ende als „Wertersatz“ auferlegt wurde. Nach seinem umfassenden Geständnis verurteilte das Schöffengericht ihn zu zwei Jahren mit vierjähriger Bewährungszeit und ging damit zwei Monate über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus.

Der Angeklagte war mehrfach wegen vergleichbarer Taten vorbestraft, bisher aber nur zu Geldstrafen, zuletzt im Dezember 2020 am Amtsgericht Steinfurt.

Schadensersatz in Raten

Das Gericht machte ihm den Schadensersatz „nach besten Kräften, mindestens aber mit 50 Euro monatlich“ zur Auflage. 1000 Euro muss er in 50-Euro-Raten an den Verein zur Bewährungshilfe zahlen und zudem fünf Gespräche bei der Suchtberatung führen. Befolgt er die Auflagen nicht, droht ihm der Widerruf der Bewährung.

Nach der Anklageverlesung sagte der Angeklagte: „Ja, das stimmt, das habe ich alles gemacht. Ich hatte im Online-Casino angefangen zu spielen, bis ich kein Geld mehr hatte. Und weil ich mir das verlorene Geld zurückholen wollte, habe ich das gemacht. Irgendwann habe ich eingesehen, dass ich es nicht wiederbekomme“. Von seinem eigenen Geld habe er 2000 Euro und ca. 3000 Euro fremdes Geld investiert, zum Teil von Angehörigen geliehen.

Als er im November 2020 einmal 1000 Euro gewonnen habe, habe er damit die dringendsten Schulden getilgt. Danach beging er Vogel-Strauß-Politik und ignorierte alles, was ihn unter Druck setzte.

So schickten ihm die betrogenen Ebay-Kunden ein oder zwei Cent auf sein Konto und beschimpften ihn in der Überweisung als Betrüger.

Plädoyer der Staatsanwältin

Im Internet hatte er scheinbar wahllos Spielkonsolen, Video-Spiele, Stofftiere, Blumenteller, eine Ikea-Sitzbank, Schuhe und vieles mehr zwischen 20 und 265 Euro entweder angeboten oder auf Gesuche geantwortet. Die Staatsanwältin ging in ihrem Plädoyer von 13 gewerbsmäßigen Betrugstaten und drei einfachen Taten aus, wegen des geringen Wertes.

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