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Wieder strengere Coronaregeln in Altenheimen

Mit der Maske im Wohnzimmer

Greven

Der Herbst ist angebrochen und damit verschärfen sich auch die Corona-Regeln wieder.

In ihrem eigenen Zimmer dürfen Seniorenheim-Bewohner die Corona-Maske abnehmen. In Gemeinschaftsräumen muss sie seit dem 1. Oktober aber wieder getragen werden. Foto: dpa

Problematisch und diskriminierend: Seniorenvertretungen und Pflegeeinrichtungen kritisieren das neue Covid-19-Schutzgesetz, nach dem Heimbewohner außerhalb ihres Zimmers Maske tragen müssen. Vor allem für Demenzkranke, sagt Kerstin Kieseler-Apitz, Leiterin des St.-Gertrudenstifts, sei die Vorschrift kaum umsetzbar. Josef Ridders, Vorsitzender des Grevener Seniorenbeirates, hält dagegen: Um schwere Krankheiten zu vermeiden, sagt er, sei die Maßnahme „richtig und legitim“.

In Begegnungsräumen von Pflegeeinrichtungen gilt seit dem 1. Oktober wieder eine Maskenpflicht. Besucher müssen außerdem ein negatives Testergebnis vorzeigen und Beschäftigte sich mehrmals pro Woche testen lassen. Die Neuregelungen, die auch Fahrten in Zügen und Bussen betreffen, hatten Bund und Länder über eine weitere Änderung des Infektionsschutzgesetzes beschlossen.

Die verschärften Auflagen haben unter anderem auch die Landesseniorenvertretung auf den Plan gerufen. „Was würden Sie sagen, wenn Ihnen ein Gesetz vorschreibt, in Ihrem eigenen Wohnzimmer eine Maske zu tragen?“, lässt sich deren Vorsitzender Karl-Josef Büscher in einer Pressemitteilung zitieren. Für Menschen in Pflegeeinrichtungen bedeute das geänderte Infektionsschutzgesetz einen „Eingriff in die Lebensqualität“.

Keiner anderen Bevölkerungsgruppe, kritisiert die Landesvertretung weiter, werde zugemutet, trotz Impfungen und anderer Schutzmaßnahmen, im eigenen Zuhause eine Maske zu nutzen. Besonders für Menschen mit Demenz sei das Maske-Tragen „ein tiefer Einschnitt in die noch mögliche Kontaktaufnahme“, da sie besonders auf die Mimik des Gegenübers angewiesen seien.

Freiwillig Maske tragen

Ähnlich äußert sich Kieseler-Apitz. „Viele ältere Bewohner und an Demenz Erkrankte können die Regeln kognitiv nicht umsetzen“, stellt die Gertrudenstift-Leiterin fest. Natürlich versuche das Haus, Senioren und Pfleger „so gut es geht zu schützen“. Eine ganze Reihe von Bewohnern habe im Übrigen auch schon vor der neuen Regel freiwillig Maske getragen, auch Angehörige ermutigten sie hierzu.

Er habe, räumt Ridders ein, kurz überlegt, ob er als Vorsitzender des lokalen Seniorenbeirats eine Gegenposition zu der Landesseniorenvertretung einnehmen solle. Wie der Verband betrachtet auch er das Maske-Tragen als „große Einschränkung“ im Alltag. Gleichwohl sei er der „festen Überzeugung“, dass die Verschärfung der Maßnahmen angesichts aktuell steigender Corona-Zahlen alternativlos sei.

„Nur ein Beispiel: Am Samstag findet eine Mitgliederversammlung statt, zu der hauptsächlich Über-70-Jährige eingeladen wurden. Da hagelt es derzeit wegen Corona nur noch Absagen“, berichtet Ridders und gibt zu bedenken, dass etwa eine coronabedingte Schließung einer Tagesgruppe in einer Senioreneinrichtung „erst recht ein Eingriff in die Lebensqualität“ der Menschen sei. „Denn viele sind alleinstehend und freuen sich sehr auf die Zusammenkünfte“, argumentiert der 72-jährige Grevener.

Die Landesseniorenvertretung hatte gefordert, die neue Regel, „umgehend“ zu streichen. „Benachteiligungen und Diskriminierungen der älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen durch eine solche Regelung der Maskenpflicht akzeptieren wir nicht“, stellt Büscher unmissverständlich klar.

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