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Team liefert Hilfsgüter und nimmt Geflüchtete mit nach Greven

Mit Ultraschallgerät an Bord

Greven

Matthias Nagel, der, wie berichtet, eine Hilfsaktion für ukrainische Flüchtlinge ins Leben rief, ist jetzt mit seinem Team erneut an die polnisch-ukrainische Grenze gefahren, um zu helfen – dieses Mal jedoch in einem deutlich größeren Umfang.

Von Jana Schulze Gronover

Unter den Hilfsgütern für die Ukraine waren medizinische Geräte, ein Ultraschallgerät, Hygieneartikel und Babynahrung sowie weiteres dringend benötigtes Equipment, das von der Jägerschaft aus Greven und Saerbeck beigesteuert worden war. Foto: Schulze Gronover

Matthias Nagel, der, wie berichtet, eine Hilfsaktion für ukrainische Flüchtlinge ins Leben rief, ist jetzt mit seinem Team erneut an die polnisch-ukrainische Grenze gefahren, um zu helfen – dieses Mal jedoch in einem deutlich größeren Umfang. Im Gepäck hatte er medizinische Geräte, ein Ultraschallgerät, Hygieneartikel und Babynahrung sowie weiteres dringend benötigtes Equipment, das von der Jägerschaft aus Greven und Saerbeck beigesteuert wurde. Auch ein großer Bus mit 60 Sitzplätzen kam zum Einsatz. „Dies war möglich, da der Reit- und Fahrverein Greven, die Firma Kogotec sowie weitere Firmen und Unterstützer aus Greven gemeinsam diesen großen Hilfstransport organisiert hatten“, so Nagel.

Am vergangenen Freitag ging die Fahrt am frühen Morgen in Greven los. Ein Team mit sechs Leuten startete in Richtung Breslau und kam am Abend an. Dort wurden die Hilfsgüter einer Kontaktperson übergeben und in Transporter verladen. Diese Transporter konnten nur nachts auf Schleichwegen und mit großem Risiko bei völliger Dunkelheit über die Grenze in die Ukraine gelangen und die benötigten Güter übergeben. Für das Team aus Greven waren es noch 200 Kilometer mit dem Bus nach Kattowitz.

Am nächsten Morgen wurde die Fahrt mit dem Reisebus zum Krakauer Hauptbahnhof fortgesetzt. Dort kommen zahlreiche Geflüchtete mit Zügen aus der Ukraine an. „Dort angekommen, wurde direkt in den Arbeitsmodus umgeschaltet“, so Nagel.

Als Erstes wurde das Ultraschallgerät übergeben, welches über einen Kontakt in die Westukraine geliefert wurde. Noch am gleichen Tag konnte das Gerät an ein Krankenhaus in Iwano-Frankiwsk gebracht werden, welches zuvor heftig beschossen wurde.

Anschließend traf sich das Team mit seiner zweiter Kontaktperson, einem Volontär, der sich vor Ort um die Geflüchteten kümmert. „Es sind nicht alle Geflüchteten direkt bereit, eine große Reise ins Ungewisse aufzunehmen, erschwert durch fehlendes Vertrauen, welches durch Menschenhändler, Pädophile und Personen aus dem kriminellen Milieu zerstört wird“, berichtet Nagel, „Dies bekamen wir selbst mit voller Härte zu spüren.“ Die polnische Regierung versucht dort, mit aller Macht die geflüchteten Menschen vor diesen Übergriffen zu schützen. Auch das Team aus Greven kam in eine Kontrolle durch das örtliche Ordnungsamt in Krakau. „Obwohl wir als Helfende registriert waren, fehlten uns immer noch Unterlagen“, erläutert Nagel. „Die aktuellen Bestimmungen wurden am Freitag nochmals verschärft und wir konnten in der Kürze der Zeit nicht mehr darauf reagieren.“ Davon wurde das Team am Samstagmorgen dann eiskalt erwischt. „Tatsächlich standen wir vorübergehend mit einem Bein im Gefängnis“, so Nagel. „Die zuständige Ordnungsbeamte sprach kein Englisch und hat zwischenzeitlich sogar zwei schwere bewaffnete Polizisten zur Hilfe gerufen.“

Nach langem Hin und Her und vielen Telefonaten hat sich alles zum Guten gewendet und sie konnten alle Beteiligten überzeugen. „Diese Situation mit den Behörden ist leider zum großen Teil dafür verantwortlich, dass wir nicht mehr Geflüchtete für uns gewinnen konnten und gemeinsam die Fahrt nach Deutschland anzutreten“, erklärt Nagel.

Insgesamt konnten 23 Geflüchtete mit auf die Rückfahrt nach Nottuln und Greven genommen werden. „Besonders freut uns, dass darunter vier Kinder, zwei Jugendliche sowie ein Neugeborenes von sechs Wochen dabei waren.“ Am Nachmittag wurde dann die Heimreise angetreten. In Nottuln und in Greven wurden die Geflüchteten von ihren Gastgebern herzlich empfangen.

Ein besondere Dank geht laut Nagel noch einmal an Barbora Beijers, die sich ohne zu zögern als zweite Fahrerin für den Bus angeboten hat. Außerdem gilt ein Dank dem Busunternehmer Rainer Kohorst für die Unterstützung durch seinen Mitarbeiter Mario Bünnemeyer.

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