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„Greven an die Ems“: Poetry Slam am Beach

Poesie im Sandkasten

Greven

So schwer es Jens Kortalla fiel, seine Nervosität zu verstecken, so wenig verbarg er seine große Freude über den Freitagabend in Grevens größtem Sandkasten: Kunst und Kultur wieder hautnah erleben. Der Poetry-Slam-Abend leitete „Greven an die Ems“ ein.

Von Luca Pals

1 Foto: Luca Pals

„Endlich wieder Publikum! Endlich wieder gutes Wetter! Endlich wieder Poesie!“ So schwer es dem selbsternannten „Ur-Grevener“ Jens Kortalla fiel, seine Nervosität zu verstecken, so wenig verbarg er seine große Freude über den Freitagabend in Grevens größtem Sandkasten: Kunst und Kultur wieder hautnah erleben: Der Poetry-Slam-Abend leitete „Greven an die Ems“ ein.

Künstler und Zuschauer hatten schnell zueinander gefunden. Auf der einen Seite ist es für jeden, der auftritt, wieder etwas ganz Besonderes, auf der anderen Seite lechzen die Grevenerinnen und Grevener nach Entspannung und kulturellen Erfahrungen: 180 Tickets waren laut Jan Policnik von der Stadt Greven schnell verkauft, an der Tageskasse konnten Interessierte noch spontan zugreifen und dabei sein.

 Corona-Stufe 0 – seit Freitag auch in NRW – macht es möglich: Das Desinifizieren der Hände ist obligatorisch, das Tragen von Masken kein Muss mehr. Lediglich beim Aufstehen, zwischen den Gruppen hin und her wandern und auf den Tischen tanzen – ein bisschen Zurückhaltung ist noch angesagt.

Aber ansonsten ist Corona an diesem Abend ganz fern. Klar, hier und dort wird die lange Wartezeit auf Veranstaltungen wie diese betont, aber ansonsten haben vor allem die Damen und Herren auf der Bühne das Sagen. Fünf Gäste hatten die Organisatoren des Poetry Slams, der seit sechs Jahren am Beach und zuvor schon einige Jahre im Kesselhaus an Land geholt.

Jeder bekommt sechs Minuten, die Themen der Texte können frei gewählt werden – das einzige Muss: Alles ist selbst geschrieben. Nichts leichter als das, dachten sich Malte Küppers aus Duisburg, Theresa Sperling aus Nordhorn, Laander Karuso aus Osnabrück sowie Rahel Babic aus Bonn und Kim Catrin aus Essen. Letztere dichtete mit dem Titel „Ich will nicht mit dir schlafen, sondern neben dir“ ein Stück über Freundschaft, Partnerschaft, Selbstzweifel und Zusammenhalt.

Im großen Rund kommen sensible Themen gut an. Die Jury belohnt die Künstlerin mit einigen Punkten. Dahinter steckt, dass Poetry Slam – so erklärt es Moderator Jens Kortalla, als „moderner Dichterwettstreit“ verstanden wird. Die Art und Weise der Texte darf zwar frei gewählt werden, am Ende müssen aber alle einmal durch die Jury-Wertung.

Die Bewertungskarten bekommen die Tischgruppen aus dem Publikum. Mit über 25 Punkten kann sich Theresa Sperling sehr zufrieden zeigen. Sie dichtet von ihrer Begegnung mit einem Kind, das sich weder mündlich noch schriftlich und lediglich durch Gebärdensprache sowie mit Hilfe eines „Talkers“, einer Art Kommunikationshilfe ausdrücken kann: „Bei unserer ersten Begegnung, bei unserem ersten Gespräch wusste ich nicht genau, wie ich mich einstellen soll. Nach einer halben Stunde ist aber alles von mir abgefallen. Dann habe ich gemerkt, dass wir Menschen doch alle gleich sind, egal was wir durchgemacht haben: Wir haben alle die gleichen Bedürfnisse, Ängste, Hoffnungen und Sorgen.“ Genau diese drückte sie in sechs Minuten aus – Stille am Beach, alle lauschen der Künstlerin und hören die Geschichte von „Luis Goldkind“.

Laander Karuso, der gebürtig aus Magedeburg kommt, schlägt wiederum einen ganz anderen Weg ein, dichtet über „Der Einarmige auf dem Fahrrad, der Zigaretten dreht“ und Rahel Babic aus Bonn wiederum erzählt aus dem Leben von Frauen, Mädchen und dem Heranwachsen. Ein Text über Ängste, Scham, Stolz, Vorurteile, Feminismus – und den Kampf für eine gerechtere Welt.

So ist sie halt, die Kunst – bunt, themenorientiert und ansprechend. An diesem Abend wird für jeden etwas dabei gewesen sein: Beim Relaxen und Zusammensein in Grevens größtem Sandkasten.

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