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Smierfäst wieder zurück

Punken – bis der letzte Zug fährt

Greven

Smierfäst. Das Wort findet man nur in Greven. Am Wochenende pilgerte die Punk-Szene deswegen zur Kulturschmiede.

„Blue Limerence“

Eines lernt man ja bei all den Smierfäst-Festivals, die es in Greven schon gegeben hat. „Die letzte Band muss fertig sein, bevor der letzte Zug nach Münster fährt“, sagt Christoph Overhoff von Grevens Band Snareset. Punk-Fans fahren ÖPNV. Und man will ja kein Finale ohne Publikum.

Das Smierfäst-Festival ist Tradition. Vier mal haben die Punker von Snareset befreundete und entfernte Bands eingeladen. Unter Corona-Bedingungen wurde es eingedampft. „Letztes Jahr“, sagt Overhoff, „konnten wir nur 120 Leute reinlassen.“

Jetzt also wieder volles Programm. An zwei Tagen kamen jeweils 160 Fans in die gut gefüllte Kulturschmiede. Lieblingsfarbe: Schwarz mit schwarzen Mützen.

Die Bands kamen meist aus dem Umkreis, wie „Blue Limerence“ aus Ibbenbüren, die ihre Fan-Base mitgebracht hatten. Harte Rhythmen, powervoller Gesang war genauso angesagt, wie das, was die Szene „Emo“ nennt. Emotionale Texte und entsprechender Sound.

Die meisten Bands bewegen sich im Amateurbereich, außer „Kmpfsprt“, eine von zwei Kölner Bands, die bereits am Freitagabend hier gerockt hat. „Die gibt es schon seit zwölf Jahren“, sagt Overhoff, „sie haben einige größere Festivals gespielt.“

Krummes Jubiläum

Overhoff selbst, von Beruf Heilerziehungspfleger, spielt Gitarre und singt bei Snareset, geprobt wird in den Räumen der Rockinitiative Emsdetten. Für die Band aus Greven ist es ein krummes Jubiläum: 15 Jahre punken die Jungs, das ist in der Branche eine halbe Ewigkeit.

Letztes Jahr lief alles unterm Corona-Schutzschirm. Dieses Jahr gab es keine Restriktionen. Aber die Fans seien vorsichtig, sagt Overhoff, „zehn Tickets wurden nicht eingelöst – vermutlich, weil die Leute krank waren.“ Übrigens, was es nicht gibt: Jam-Sessions. „Jeder spielt seinen Set“, so der Snareset-Sänger, „jeder kann nur, was er selbst geübt hat.“

Draußen vor der Tür steht „Das Frenk“, alias Frank Sanderink, einst aus Nordwalde, jetzt aus Berlin. In der Kälte hat der Minimalkünstler den Verstärker angeworfen. Er trägt eine Narrenmaske. „Manchmal spiele ich einfach so bei Festivals“, sagt er, „die Leute denken, es gehört zum Programm.“ Dann zupft er Franz Schuberts trauriges Lied vom „Leiermann“: „Draußen hinterm Dorf steht ein Leiermann. Und mit starren Fingern dreht er, was er kann. Barfuss auf dem Eise wankt er hin und her. Und sein kleiner Teller bleibt ihm immer leer.“ Auch beim Frenk ist nichts im Teller. Passt zum Punk.

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