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Ukrainer und ihr Helfer wollen einen Verein gründen

Schuhkartons für Kharkiv

Greven

Sie sammeln für die Ukraine. Und wollen jetzt einen Verein gründen, um die Hilfe noch besser zu organisieren. Am Donnerstag trafen sich Helfer und Ukrainerinnen im Hansaviertelzentrum H4.

Treffen im H4: Olga Stromberger (3.v.l.) hatte Ukrainerinnen und Helfer der Ukrainehilfe zu einem Treffen eingeladen. Foto: Günter Benning

Hanna Jurchenko (37) kommt aus Kharkiv. Neulich hat sie mit ihrem Bruder gesprochen, der mit seiner Tochter zum Zahnarzt musste. Sie scherzte: „Wohl zuviel Süßigkeiten gegessen?“ Seine Antwort holte sie in die Wirklichkeit zurück: „Seit neun Monaten sind wir froh, wenn es Marmelade gibt.“

Jurchenko lebt seit Monaten mit ihrem siebenjährigen Sohn Maxim in Greven. Das Telefonat mit ihrem Bruder hat sie auf die Idee mit den Schuhkartons gebracht. Gemeinsam mit Frauen aus einer ukrainischen Kreativgruppe verteilte sie Spenden, Süßigkeiten und Kinderspielzeug auf Kartons, um sie direkt nach Kharkiv bringen zu lassen. „Dort“, sagt sie, „sollen sie weiter verteilt werden.“

Einige dieser Schuhkartons stehen im Café des Hansaviertelzentrums H4. Olga Stromberger hat am Donnerstag dorthin eingeladen. Die gebürtige Ukrainerin, die schon lange in Greven lebt, will einen Hilfsverein gründen, damit Aktionen wie die von Hanna Jurchenko besser organisiert werden können.

Um den Tisch herum sitzen Menschen, die wissen, wie man hilft.

Zum Beispiel Maryna Frolova. Sie kam 1997 nach Deutschland, arbeitet schon lange in der Gastronomie in Hembergen. Als der Krieg in der Ukraine begann, kamen ihre Mutter, ihre Nichte, deren zwei Kinder und eine weitere Verwandte nach Greven. Frolova hat viel Hilfe erfahren: „Auch von Kegelvereinen, die ihre Kasse für die Ukraine geplündert haben.“

Dann ist da Claus Overfeld. Der Grevener hat gerade zwei Wohnungen für Ukrainerinnen mit Spendenmöbeln eingerichtet: „Morgen sind wieder zwei Wohnungen dran“, sagt er. Im Moment hat der Frührentner 14-Stunden-Hilfstag.

Uliana Valovska ist Mutter von vier Kindern, von denen drei nach Greven mitgekommen sind. Sie war Erzieherin in ihrer Heimat. Bei Webikul an der Alten Münsterstraße betreut sie im Moment eine Gruppe ukrainischer Kinder. Sie basteln, backen, singen. Die Kinder sollen Normalität erleben.

Die Initiatorin Olga Stromberger kennt viel der Geflüchteten. Sie war ein halbes Jahr lang als Übersetzering bei der Stadtverwaltung beschäftigt, als die Flüchtlingswelle begann. Danach hat sie mit anderen Frauen eine Kreativgruppe gegründet, in der gemalt und gebastelt wird. Auf der Theke des H4-Cafés liegen Stickereien und Tüten voller winziger Perlen. Sie müssen aufgefädelt werden, bevor sie zu Mustern vernäht werden können. Eine Form der Seelentherapie.

Stromberger will den Hilfsverein gründen, der gemeinnützig werden soll, um Spenden legal weitergeben zu können. Tatsächlich ist es ein Problem, wenn Geld oder Sachspenden entgegengenommen werden und die Spender eine Quittung haben wollen. Der Name steht schon fest: „uare-charity“. Am 21. Januar soll im Hansaviertel-Zentrum die Gründungsversammlung stattfinden. Wer mitmachen will, oder wer für Spenden einen Raum zur Verfügung stellen kann, melde sich bei Olga Stromberger, Mail: olga-stromberger@web.de

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