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Situation der Reisebüros in Zeiten des zweiten harten Shutdowns

Urlaub kann man nicht einfrieren

Greven

Ob Reisebüros während des Lockdowns schließen müssen ist strittig. „Da gehen die Meinungen auseinander. Wir haben unser Reisebüro jedenfalls für den Publikumsverkehr geschlossen, sind aber ansonsten erreichbar“, betont Daniel Rosendahl, Inhaber des Reisebüros Weischer an der Kirchstraße 7 in Greven.

Matthias Lehmkuhl

Nach Dubai sind aktuell noch Urlaubsreisen möglich. Foto: AFP

Ziemlich schnell haben sich Bund und Länder am Sonntag auf einen neuen Beschluss für einen harten Lockdown über die Feiertage verständigt. Die bisherigen Einschränkungen haben die Zahl der Neuinfektionen nicht gesenkt. Jeden Tag stecken sich in Deutschland 20 000 bis 30 000 Menschen neu an, und mittlerweile sterben täglich fast 1000 Menschen nachweislich an Covid-19.

Bis mindestens 10. Januar sind keine touristischen Übernachtungen in deutschen Hotels, Pensionen oder Ferienwohnungen in den Weihnachtsferien möglich. Auch der Urlaub im Ausland wird immer schwieriger. Alpenländer lassen die Skigebiete geschlossen oder schicken Einreisende in Quarantäne. „Wir raten von Reisen im In- und Ausland, die nicht zwingend notwendig sind, ab“, ermahnt Bundeskanzlerin Angela Merkel und erinnert eindringlich daran, dass Rückkehrer aus Risikogebieten in Quarantäne müssen.

In Deutschland sind seit Mittwoch nahezu alle Non-Food-Geschäfte geschlossen. Ob Reisebüros definitiv dazugehören ist strittig. „Da gehen die Meinungen auseinander. Wir haben unser Reisebüro jedenfalls für den Publikumsverkehr geschlossen, sind aber ansonsten erreichbar“, betont Daniel Rosendahl, Inhaber des Reisebüros Weischer an der Kirchstraße 7 in Greven. „Auch wenn wir geöffnet haben, wozu?“, fragt sich das Team vom Reisebüro Continental Travel am Flughafen Münster/Osnabrück (FMO). Ohne zuverlässige Daten und Termine, wann Besserung eintreten wird, und ohne Planungssicherheit werde auch jetzt kein Sommerurlaub gebucht. Unverbrauchte Speisen ließen sich tiefgekühlt lagern. „Unsere Ware ist ein Transport mit  dazugehörender Leistung. Eine Reise hat ein sehr begrenztes Mindesthaltbarkeitsdatum: den Tag der Abreise“, vergleicht das Continental Travel-Team sein Situation mit der der Gastronomie.

„Wir sind so tief von dieser Pandemie betroffen wie kaum eine andere Branche in unserem Land. Wir sind sprachlos und fühlen uns gedemütigt“, beschwert sich Alena Vakar. Die Inhaberin des Reisebüros Continental Travel hofft darauf, dass die Überbrückungshilfen schnell ankommen, auch wenn Reisebüros im vergangenen November als nicht berechtigt für derartige finanzielle Hilfen galten. „Uns haben während des ersten Lockdowns im Frühjahr täglich bis zu 300 Stornierungen erreicht. Und wenn Vorauszahlungen nicht in kürzester Zeit erstattet worden sind, wurden wir regelrecht beschimpft“, erinnert sich Alena Vakar mit Schrecken an diese Zeit.

Rund drei Viertel der Reiseveranstalter und Reisebüros sehen einer Umfrage des Deutschen Reiseverbandes Umsatzausfälle von 80 bis 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Befragt nach der aktuellen wirtschaftlichen Situation bezeichnen fast 90 Prozent der Reiseveranstalter ihre Situation als stark belastet und existenzbedrohend – haben aber die Hoffnung, trotz hoher Belastungen durch die Krise zu kommen.

Daniel Rosendahl setzt große Hoffnung auf die Impfungen gegen Covid-19. „In vielen Ländern besteht eine Impfpflicht. Deshalb kann es gut sein, dass sich der Trend, in Deutschland Urlaub zu machen, wieder umkehrt und die Auslandsreisen ab Sommer wieder zunehmen“, meint Rosendahl.

Peter Weilke, Geschäftsführer von Weilke-Touristik & Verkehrsbetrieb am Hansaring 26 in Greven berichtet, dass sein Betrieb keine Überbrückungshilfe beantragte habe, weil das Reisebüro nur eine Sparte des eigentlichen Verkehrsbetriebs sei. „Einige Mitarbeiter mussten wir in die Kurzarbeit schicken“, sagt Peter Weilke, der erst ab kommenden Sommer an eine leichte Erholung des Reisemarkts glaubt. „Aber nicht wie auf dem Niveau wie vor dem ersten Lockdown“, ergänzt er.

Um trotzdem etwas Umsatz machen zu können, bietet das ein oder andere Reisebüro wie das von Daniel Rosendahl und Peter Weilke Reisegutscheine für die regelmäßige Kundschaft an, die noch bis zum 23. Dezember ausgestellt und und ausgehändigt werden.

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