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Kreisler-Abend mit Markus von Hagen und Michael Decker

Vielschichtige Hommage an den Wiener Meister

Greven

Der Rezitator, Regisseur und Autor Markus von Hagen ist selbst als Kabarettist tätig, und mit dem Pianisten Michael Decker stand ihm ein überaus kompetenter Partner zur Seite.

Von Axel Engels

Markus von Hagen und Michael Decker widmeten sich auf Einladung der Kulturinitiative dem Leben und Werk von Georg Kreisler. Foto: Axel Engels

Georg Kreisler war eine der wohl schillerndsten Personen der deutschsprachigen Musikkabarettszene. Diesem von seiner Tochter als „Genie“ bezeichneten Künstler widmeten Markus von Hagen und Michael Decker auf Einladung der Kulturinitiative am Freitag in der Kulturschmiede ihre Hommage, bei der sie einen innigen und bestens edierten Einblick in das Wesen und Werk von Georg Kreisler ermöglichten.

Der Rezitator, Regisseur und Autor Markus von Hagen ist selbst als Kabarettist tätig, und mit dem Pianisten Michael Decker stand ihm ein überaus kompetenter Partner zur Seite, der seine ganze Kunstfertigkeit und Musikalität in einen jederzeit stimmigen Dialog einbringen konnte.

Natürlich eröffnete das Duo den Abend mit dem berühmten „Tauben vergiften im Park“, das bei seiner Aufführung in Wien als Affront gegen die kleinbürgerliche Gesellschaft der ehemaligen kaiserlich-königlichen Monarchie galt. Aber Markus von Hagen und Micheal Decker ging es nicht nur um die mit bitterböser bis beißender Kritik an der Gesellschaft und Politik angereicherten Klassiker wie „Zwei alte Tanten tanzen Tango“, „Als der Zirkus in Flammen stand“ oder „Der General“, sie spürten in den einzelnen Lebensstationen immer auch den persönlichen Erlebnissen Kreislers und deren Auswirkungen auf sein Schaffen nach. Das machte diesen Abend so interessant, denn auch wenn man die Lieder selber oftmals in Konzerten begleitet hat, so erfuhr man durch Markus van Hagen so manche Hintergrundinformation, die ein ganz neues Licht auf tradierte Sichtweisen auf Lieder wie „Irgendwo am Strand“ warfen.

Eine gescheiterte Pianistenkarriere spiegelte sich bei „Das Triangel“ in den klassischen Zitaten aus berühmten Werken mit improvisatorischem Gewand bei Michael Decker und als meuchelnde Liebhaber bei „Bidla Buh, Machs dir bequem, Lotte“ machte Markus van Hagen wahrlich eine gute Figur. Das war schon ein ganz klug zusammengestellter Abend, mit dem die beiden Künstler das Publikum in ihren Bann zogen.

Vielschichtig wie Georg Kreislers Leben war dann auch diese Hommage an den Wiener Meister, dessen scharfe Zunge wie ein blank geschliffenes Messer verletzen konnte. Wer die Wirklichkeit beschreibt und hinter die Fassaden schaut, der hat es eben immer schon schwer gehabt. Flucht aus dem braunen Wien, Kriegserlebnisse als Soldat an der Front und Aufarbeitung als Beteiligter bei den Nürnberger Prozessen haben Spuren im Werk Georg Kreislers hinterlassen. Diese wurden von den beiden Künstler mit Akribie und Feinsinn aufgezeigt. Biographische Daten wurden mit Leben gefüllt.

Dabei spielten sich Markus van Hagen und Michael Decker bei aller Brillanz und künstlerischen Leistung nie in den Vordergrund, dieser Platz war Kreisler und seinem Werk vorbehalten.

Ganz im Stile eines Wiener Liebesliedes erklang das Lied vom „Mädchen mit den drei blauen Augen“, das war ganz große Kunst. Bei „Die Hexe“ zeigten sich die ganzen Abgründe menschlicher Vorurteile.

Eine wunderbare musikalische Boshaftigkeit hielt das Duo für den Rezensenten bis zur Zugabe zurück. Auf Nachfrage, ob man noch „im Hause sei“, erklang das berühmte Lied „Der Musikkritiker“ mit augenzwinkernden Anspielungen.

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