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102 unterschiedliche Nationalitäten in Greven

Vorerst kein Integrationsrat

Greven

Für einen Integrationsrat gab es im Sozialausschuss keine Mehrheit. Sind Grevens Migranten nicht interessiert?

Oliver Hengst

Der Anteil der ausländischen Bevölkerung ist in Greven deutlich gestiegen. Die größten Gruppen stellen Menschen mit polnischer, türkischer und syrischer Nationalität. Foto: Stadt Greven

Braucht Greven einen Integrationsrat? Bislang hat im Kreis Steinfurt nur Rheine ein solches Gremium eingerichtet. Und dabei wird es zunächst wohl auch bleiben. Nach ausführlicher Debatte im Sozialausschuss läuft es darauf hinaus, dass es zunächst – wichtige Einschränkung – keinen Integrationsrat geben wird.

Das liegt nicht etwa daran, dass Greven womöglich einen geringen Teil an Familien mit Migrationsgeschichte hat – ganz im Gegenteil. Der ausländische Anteil an der Bevölkerung ist zuletzt (insbesondere seit 2012) deutlich gestiegen. Zwischen 2007 und 2020 hat sich der Anteil von 5,7 auf 11,8 Prozent mehr als verdoppelt. Anfang Januar lebten in Greven Menschen mit 102 unterschiedlichen Nationalitäten. Die Hauptherkunftsländer sind aktuell Polen (14,2 Prozent), Türkei (10,7 Prozent) und Syrien (9 Prozent). Auch Menschen aus Serbien, Rumänien und Bulgarien stellen größere Gruppen.

Neben Vereinen, Chören und lockeren Gruppierungen gibt es auch zwei Migrantenselbstorganisationen: die Türkische Gemeinde und den Verein Webikul. Mit beiden steht die Stadt auch im regelmäßigen Austausch – aber nie mit beiden gemeinsam am Tisch. Eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Gruppen besteht nicht, „weil sie seitens der Türkischen Gemeinde abgelehnt wird“, sagte Fachdiensteleierin Beate Tenhaken, die ergänzte: „Wenn wir Gespräche führen, dann mit jeweils einer der beiden Gruppierungen. Eine Zusammenarbeit scheint auch weiterhin aufgrund der unterschiedlichen politischen Haltung ausgeschlossen zu sein. Das ist ein schwieriges Feld.“

Dass die Stadtverwaltung vorschlägt, zunächst keinen Integrationsrat ins Leben zu rufen und stattdessen bestehende haupt- und ehrenamtliche Ressourcen und Netzwerke für die Migrantenarbeit zu nutzen und auszubauen, hängt laut Tenhaken vor allem damit zusammen, dass für die meisten Migranten zunächst ganz lebenspraktische Dinge stehen: eine Wohnung finden, einen Job bekommen, die Sprache lernen, die Kinder in das Bildungssystem bringen und ähnliches mehr. Der Wille der politischen Beteiligung sei in der Regel (noch) nicht sehr ausgeprägt. Zudem gebe es eben nicht die eine Zielgruppe. „Wir haben das wertvolle Instrument des Integrationsnetzwerkes. Das ist etabliert, das sollten wir weiter nutzen“, warb Beate Tenhaken.

Dem Ansinnen konnte Ulrich Stratmann (Unser Greven) so folgen. „Wir sind noch etwas von einem Integrationsbeirat entfernt.“ Ähnlich sieht es Anika Stöcker (CDU): Den Wunsch nach einem Integrationsbeirat kann ich sehr gut nachvollziehen.“ Bis es jedoch soweit sei, „dass der politische Mitbestimmungswille in den Vordergrund rückt“, gelte es, das bestehende Netzwerk zu stärken.

Dames Joud (CDU) weiß von „vielen, die von den Angeboten der Verwaltung nichts wissen. Sie fragen lieber Bekannte, weil sie die Antworten von diesen in ihrer Sprache bekommen.“ Rita Zimmermann (Grüne) forderte daher, „die Menschen dort abzuholen, wo sie sind“ und Formblätter und ähnliches in mehreren relevanten Sprachen anzubieten.

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