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Daten zur Bevölkerung

War es zu heiß für die Partnerschaft?

Greven

Das Jahr 2018 war das Jahr der Scheidungen in Greven. 287 Paare trennten sich. Warum? Dazu sagte die Statistik der Stadtverwaltung leider nichts aus.

Peter Beckmann

Ring vom Finger und Bild durchgerissen: In Greven ließen sich im vergangenen Jahr sage und schreibe 287 Paare scheiden. Foto: cb

Wenn das wahre Leben auf Statistik trifft, gibt es ganz viele Fragen, die geklärt werden wollen. Das ist auch bei den „Daten zur Bevölkerung 2018“ nicht anders, die die Stadtverwaltung – wie in jedem Jahr – veröffentlicht hat. Denn: Es gibt da eine Zahl, die ganz auffällig ist. Und damit steht auch eine Frage: Was war da bloß los?

Worum es geht? Na, ganz einfach, es sind die Scheidungen. Denn diese Zahl war im vergangenen Jahr so hoch wie noch nie seit der Datenerfassung im Jahr 1988. Sage und schreibe 287 Paare haben sich in 2018 scheiden lassen – in Greven. Warum so viele? War es Männlein und Weiblein zu warm? Sorgte die Hitze für blank liegende Nerven? Macht Hitze aggressiv? Oder: Hat das alles ganz andere Gründe? Antworten liefern die Statistiker der Stadt leider nicht.

Aber nicht nur die Paare liefen im vergangenen Jahr nicht so richtig in der Spur. Auch eine hohe Zahl an Katholiken und Evangelen (die Zahlen liegen nicht mehr getrennt vor) wollte von der jeweiligen Kirche nichts mehr wissen. 201 Austritte sind der zweithöchste Wert seit 2006. Aber auch hier werden keine Gründe für die außergewöhnlich hohe Zahl geliefert. Aber sicherlich wird hier der Missbrauchsskandal bei den Katholiken eine ganz gewichtige Rolle gespielt haben.

Erfreulich: Greven ist eine der wenigen Städte, in denen mehr Kinder geboren werden, als das Einwohner sterben (macht ein Plus von 87). Und: Es gab auch mehr Zuzüge als Wegzüge (+110). Und wer jetzt mitgerechnet hat weiß, dass die Grevener Bevölkerung um 197 Köpfe gewachsen ist.

90 Prozent der Einwohner Grevens sind deutsch, die restlichen zehn Prozent sind demnach Ausländer oder staatenlose (1998 waren es nur 6,4 Prozent). Die größte Gruppe der Ausländer kommt aus Polen (656), aus der Türkei (484), aus Syrien (386), aus dem Kosovo (311 und aus Serbien (227).

Und sonst? Greven hat zum Beispiel fünf Senioren, die älter als 100 Jahre sind – natürlich alles Frauen. Durchschnittlich ist ein Grevener 42,7 Jahre alt. 38 Prozent der Grevener sind ledig, 45 verheiratet (Tendenz abnehmend, siehe oben), 6,7 Prozent geschieden (Tendenz steigend, ebenfalls siehe oben).

49 Prozent der Grevener sind katholisch, 17 Prozent evangelisch und 33 Prozent haben eine andere oder keine Religion. Hier lohnt ein Blick zurück in die Vergangenheit. Und der lässt aufhorchen: Vor 20 Jahren waren noch 64 Prozent der Grevener katholisch, 18 Prozent evangelisch und 17 Prozent gehörten einer anderen oder keiner Religion an.

In absoluten Zahlen wird es noch deutlicher: 1998 waren 21 479 Grevener katholisch und 6332 evangelisch. 2018 gab es – bei inzwischen stark gewachsener Bevölkerung – noch 18 990 Katholiken und 6817 Protestanten. Daraus wird deutlich, dass besonders der katholischen Kirche die Gläubigen in Scharen weggelaufen sind (minus 2489), die evangelische Kirche aber kaum von Austritten betroffen ist (plus 485) – warum auch immer.

Das nämlich teilen uns die städtischen Statistiker eben leider nicht mit – vermutlich weil sie es selbst nicht wissen . . .

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